Auf­guss mit Pi­lot­cha­rak­ter

In Bau der Haupt­feu­er­wa­che fließt Re­cy­cling­be­ton

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

BNN – Beim Bau der neu­en Haupt­feu­er­wa­che an der Wol­farts­weie­rer Stra­ße wird Re­cy­cling-Be­ton – auch Ort­be­ton oder RC-Be­ton ge­nannt – ver­wen­det. Das ist ein Pi­lot­pro­jekt für Stadt und Land. Et­wa 75 Pro­zent des Mülls in Ba­den-Würt­tem­berg sind Bau­ab­fäl­le. Weil nur ein Teil da­von ver­wer­tet wird, be­las­ten jähr­lich 30 Mil­lio­nen Ton­nen Bau­schutt die Um­welt. Denn fal­len bei ei­nem Ab­bruch Stahl­be­ton oder Mau­er­zie­gel an, lan­den sie bis­her oft auf Dau­er auf der De­po­nie. Da­bei kann das Ma­te­ri­al, sor­ten­rein er­fasst, als Zu­schlag in hoch­wer­ti­gem Be­ton wie­der ein­ge­setzt wer­den. In der Schweiz ist das schon seit rund zehn Jah­ren ver­brei­te­te Pra­xis. In Deutsch­land hat es da­ge­gen noch Pi­lot­cha­rak­ter.

„In Ba­den-Würt­tem­berg ha­ben wir noch kein flä­chen­de­cken­des An­ge­bot für res­sour­cen­scho­nen­den Be­ton“, be­rich­tet An­ne Sick, die das Amt für Hoch­bau und Ge­bäu­de­wirt­schaft lei­tet. We­gen des ge­rin­gen An­ge­bots und man­gels Be­kannt­heit scheu­ten Pla­nungs­bü­ros und Bau­her­ren häu­fig vor dem Ein­satz des Ma­te­ri­als zu­rück. We­gen der ge­rin­gen Nach­fra­ge sei es für die Bau­stoff­in­dus­trie wie­der­um der­zeit nicht at­trak­tiv, ein An­ge­bot auf­zu­bau­en. Der Ein­satz des Re­cy­cling­be­tons auf der Groß­bau­stel­le der Stadt soll nun zur Nach­fra­ge­stei­ge­rung bei­tra­gen.

Mehr als 3 600 Ku­bik­me­ter RC-Be­ton flie­ßen in die Bo­den­plat­te der Haupt­feu­er­wa­che, er­klärt der Bau­lei­ter Andre­as Mäd­che. Et­wa fünf Pro­zent des Vo­lu­mens sei wie­der­ver­wen­de­ter Be­ton­ab­bruch. Doch wird der Bau­stoff von au­ßer­halb des Land­krei­ses Karls­ru­he her­an­ge­karrt. Das macht den Preis­vor­teil des Ma­te­ri­als zu­nich­te. Die Mehr­kos­ten für die Bo­den­plat­te be­zif­fert Mäd­che auf zwei Pro­zent. Dank güns­ti­ger Aus­schrei­bungs­er­geb­nis­se schöp­fe der Roh­bau den­noch nicht den be­rech­ne­ten Kos­ten­rah­men aus.

Um den Ma­te­ri­al­kreis­lauf zu ver­bes­sern, hat die Karls­ru­her Stadt­ver­wal­tung Kontakt zu ört­li­chen An­bie­tern von Re­cy­cling­ma­te­ri­al und Trans­port­be­ton auf­ge­nom­men. In Zu­kunft soll in Karls­ru­he an­fal­len­der Ab­bruch wie­der als voll­wer­ti­ger Be­ton auf städ­ti­schen Bau­stel­len zum Ein­satz kom­men, so Sick. Nur so lie­ßen sich lo­ka­le Wirt­schafts­und Stoff­kreis­läu­fe schlie­ßen und wei­te­re Be­las­tun­gen der Na­tur re­du­zie­ren.

Ma­te­ri­al­kreis­lauf soll bes­ser in Gang kom­men

PI­LOT­CHA­RAK­TER hat der Bau der Haupt­feu­er­wa­che an der Wol­farts­weie­rer Stra­ße. Die Bo­den­plat­te wird aus Re­cy­cling­be­ton ge­gos­sen, ei­nem der­zeit noch sel­te­nen Bau­stoff. Die Stadt Karls­ru­he will das Ver­fah­ren künf­tig ver­stärkt nut­zen. Fo­to: jo­do

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