Wenn der Da­ckel die Trau­rin­ge zum Al­tar bringt

Die Wün­sche vie­ler Braut­paa­re für den Hoch­zeits­tag wer­den im­mer ex­tra­va­gan­ter – das freut nicht je­den

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Kar­lot­ta Koch

Karls­ru­he/Pforz­heim. Frü­her war das Ja­wort in der Kir­che der wich­tigs­te Au­gen­blick für Braut­paar und Gäs­te, heu­te jagt im­mer häu­fi­ger ein Hö­he­punkt den nächs­ten auf mi­nu­ten­ge­nau ge­plan­ten Hoch­zei­ten. Da stellt sich die Fra­ge: Ist das Ehe­ver­spre­chen vor Gott im Wett­kampf um die tolls­te Hoch­zeit ei­gent­lich noch von Be­deu­tung?

Bei vie­len Hoch­zei­ten gleicht sich das Bild: Der Va­ter führt die Braut zum Trau­al­tar und über­gibt sie dem strah­len­den Bräu­ti­gam. Was für die meis­ten ei­ne Traum­hoch­zeit aus Film und Fern­se­hen as­so­zi­iert, hat mit der heu­ti­gen Ge­sell­schaft we­nig ge­mein­sam. „Die­se Ges­te sym­bo­li­siert ein ver­al­te­tes Den­ken, nach­dem die Braut von der ei­nen Ab­hän­gig­keit in die nächs­te über­ge­ben wird“, er­klärt Pfar­rer Andre­as Schwarz von der Evan­ge­lisch Lu­the­ri­schen Ge­mein­de Pforz­heim. Doch die Ten­denz, ei­ne Hoch­zeit à la Hol­ly­wood zu ver­an­stal­ten, stei­ge, stellt Schwarz fest. Auch Pfar­rer Be­ne­dikt Ritz­ler von der Seel­sor­ge­ein­heit St. Vin­zenz in Bruch­sal be­merkt, dass Ele­men­te aus dem welt­li­chen Be­reich im Got­tes­dienst zu­neh­mend prä­sen­ter wer­den. „Vie­le wün­schen sich als mu­si­ka­li­sche Um­rah­mung ,The Ro­se‘ oder Lie­der von He­le­ne Fi­scher.“Sei ein Sän­ger ge­bucht, wer­de die Ge­mein­de da­her schnell zu stum­men Thea­ter­zu­schau­ern. „Das ist nicht der Sinn des Got­tes­diens­tes“, är­gert sich Schwarz.

Noch schö­ner, noch ro­man­ti­scher, noch ein­zig­ar­ti­ger – der schöns­te Tag im Le­ben soll für die meis­ten Paa­re ein­fach per­fekt sein. Hier­zu wer­den vie­le Trau­un­gen zu­neh­mend pro­fes­sio­nell durch­ge­stylt und das be­schert dem Ge­schäft von Hoch­zeits­pla­nern ei­nen neu­en Boom. Die Karls­ru­he­rin As­ja Ohr or­ga­ni­siert mit „I wed you & mo­re“et­wa acht Hoch­zei­ten im Jahr. Sie stellt fest, dass die An­fra­gen von Braut­paa­ren wie auch die Ak­zep­tanz von Hoch­zeits­pla­nern stei­gen. Von der Su­che nach ei­ner pas­sen­den Lo­ca­ti­on über die in­di­vi­du­el­le Gestal­tung bis zur An­sprech­part­ne­rin für die Gäs­te ist sie die Frau für al­les. Haupt­sa­che das Braut­paar sei an die­sem Tag rund­um glück­lich, meint Ohr. Ei­ne klas­si­sche Hoch­zeit in Weiß blei­be nach ih­rer Be­ob­ach­tung noch im­mer die Num­mer eins al­ler Wün­sche. Aber: „Für manch Mu­ti­ge ha­be ich auch schon ei­ne wil­de 20er Jah­re Par­ty oder ei­ne Hal­lo­ween-Fei­er mit Ko­s­tü­men or­ga­ni­siert“, be­rich­tet Ohr ge­gen­über den BNN. Krea­tiv sei­en die meis­ten da­ge­gen bei der Aus­wahl des Hoch­zeits­au­tos. „Ob Old­ti­mer, Risch­ka oder doch das ei­ge­ne Fahr­rad, hier darf es auch mal et­was Wit­zi­ges sein“, be­tont Ohr. Aber der ver­meint­lich schöns­te Tag im Le­ben kann mit­un­ter schnell auch sehr kost­spie­lig wer­den.

Stellt die pro­fes­sio­nel­le Hoch­zeits­pla­nung für das Braut­paar oft ei­ne Er­leich­te­rung dar, ist die Ab­wick­lung für die Pfar­rer nicht im­mer ein­fach. Es sei schwie­rig, die Ba­lan­ce zwi­schen dem ei­gent­li­chen Di­enst in der Kir­che und den Wün­schen des Braut­paa­res zu hal­ten, meint Pfar­rer Schwarz. „Bei ei­nem be­freun­de­ten Pfar­rer wur­den die Ehe­rin­ge ein­mal von ei­nem Da­ckel zum Al­tar ge­bracht“,

„Das ist nicht der Sinn des Got­tes­diens­tes“

er­gänzt Ritz­ler. Es be­ste­he die Ge­fahr, dass der­ar­ti­ge De­tails vom Sinn der Ze­re­mo­nie ab­len­ken wür­den. Schwarz hat ei­ne kla­re Re­gel bei Hoch­zei­ten: Das Fo­to­gra­fie­ren wäh­rend Ge­bet und Seg­nung ist bei ihm ab­so­lut ta­bu.

Ob vie­le Braut­paa­re nur die kirch­li­che Ku­lis­se für ih­re Trau­ung su­chen? Ritz­ler be­ob­ach­tet, dass die Zahl der kirch­li­chen Ja­wor­te im Ver­gleich zu den stan­des­amt­li­chen Hoch­zei­ten eher rück­läu­fig sei. Ab­schlie­ßend sind sich bei­de Pfar­rer ei­nig: Al­le Paa­re, die sie bis­her trau­ten, ent­schie­den sich ganz be­wusst für den kirch­li­chen Se­gen. „Ist dem Braut­paar der Glau­be wich­tig, spielt die Zu­sa­ge von Gott für die Be­zie­hung und den ge­mein­sa­men Weg auch heu­te noch ei­ne gro­ße Rol­le“, be­tont Ritz­ler.

Fo­tos: dpa

VIE­LE HOCH­ZEI­TEN wer­den zu­neh­mend pro­fes­sio­nell durch­ge­plant. Man­che Braut­paa­re lau­fen Ge­fahr, bei zu vie­len De­tails das We­sent­li­che ih­rer kirch­li­chen Trau­ung aus den Au­gen zu ver­lie­ren, mei­nen ei­ni­ge Pfar­rer.

OLD­TI­MER, Risch­ka oder Fahr­rad? Oft wün­schen sich Paa­re ein aus­ge­fal­le­nes oder wit­zi­ges Hoch­zeits­au­to.

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