Ganz auf die Mu­sik kon­zen­triert

Mo­zarts Oper „La cle­men­za di Ti­to“bei Som­mer­fest­spie­len Ba­den-Ba­den

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Am Ti­to kann man sich die Zäh­ne aus­bei­ßen. Des­halb reizt die­se Mo­zart-Oper auch Re­gis­seu­re wie Ste­fan Her­heim, der die­ser Ta­ge an der Karls­ru­her Mu­sik­hoch­schu­le Stu­die­ren­de des Fachs Mu­sik­thea­ter-Re­gie in ei­nem Meis­ter­kurs be­rät, wie man den „Ido­me­neo“, ei­ne dra­ma­tur­gisch eben­so har­te Nuss von Mo­zart, gut in­sze­niert. Bei­de Opern kenn­zeich­net ei­ne für sze­ni­schen Ein­falls­reich­tum nicht eben er­gie­bi­ge Tat­sa­che: viel Emo­ti­on der Cha­rak­te­re bei we­nig Hand­lung.

Wie das Ba­di­sche Staats­thea­ter die Oper „La cle­men­za di Ti­to“um den mil­den Staats­mann deu­tet, wird die Pre­mie­re am 8. Ju­li zei­gen. Zwei gro­ße Fest­spiel­or­te wid­men sich dem Stoff der­zeit eben­falls: Salz­burg und Ba­den-Ba­den. Mit dem Un­ter­schied, dass sich das Fest­spiel­haus an der Oos in zwei kon­zer­tan­ten Auf­füh­run­gen ganz auf die Mu­sik kon­zen­trie­ren kann. Was bei die­ser be­reits Merk­ma­le der Ro­man­tik tra­gen­den Par­ti­tur der letz­ten Oper von Mo­zart sei­nen be­son­de­ren Reiz hat. Nicht nur fürs Zu­hö­ren. In­mit­ten der Pro­ben zur Opern­ga­la, mit der am 6. Ju­li in Ba­den-Ba­den die Som­mer­fest­spie­le be­gin­nen, schwär­men die Mu­si­ker rings um den me­xi­ka­ni­schen Te­nor Ro­lan­do Vil­la­zón. Ei­ne „Fa­mi­lie“, die das Ziel ei­ner groß­ar­ti­gen In­ter­pre­ta­ti­on von Mo­zarts letz­ter Oper vor Au­gen ha­be – so emp­fin­det es die So­pra­nis­tin Ma­ri­na Re­be­ka, wie sie ges­tern bei der Pres­se­kon­fe­renz im Fest­spiel­haus be­ton­te. Die Gra­ce-Bum­bry-Schü­le­rin springt für die er­krank­te Sonya Yon­che­va ein und kommt da­mit in den Ge­nuss, bei der nun­mehr vier­ten Ein­spie­lung ei­ner Mo­zart-Oper in Ba­den-Ba­den un­ter der Lei­tung von Yan­nick Né­zet-Sé­gu­in mit von der Par­tie zu sein.

Joy­ce DiDo­na­to hät­te sich einst so­gar mit der Rol­le ei­ner Magd be­gnügt, um im Fi­ga­ro-Pro­jekt des ka­na­di­schen Di­ri­gen­ten mit­zu­wir­ken, scherz­te die ame­ri­ka­ni­sche Mez­zo-So­pra­nis­tin ges­tern. Jetzt singt sie den Ses­to in der Oper, die als Bei­spiel für po­li­ti­sche Weit­sicht, Mil­de und Re­form­fä­hig­keit be­son­de­re Ak­tua­li­tät hat. DiDo­na­to liebt die Tat­sa­che, dass nicht viel Ak­ti­on, son­dern viel­mehr Dia­lo­ge und Emo­tio­nen die Oper be­stim­men. Dies „oh­ne Sze­ne und nur aus der Stim­me her­aus zu ent­wi­ckeln“, ist für Yan­nick Né­zet-Sé­gu­in zau­ber­haft, wie er ges­tern be­ton­te. Er und Vil­la­zón set­zen mit der Pro­duk­ti­on ih­re Rei­he der Ein­spie­lun­gen von Mo­zart-Opern im Fest­spiel­haus die Deut­schen Gram­mo­phon fort. Es singt der RIAS Kam­mer­chor aus Ber­lin – das Orches­ter ist wie zu al­len Pro­duk­tio­nen die­ser „Ba­den-Ba­den Ga­la“(auch am 9. Ju­li) das Cham­ber Orches­tra of Eu­ro­pe.

Die Lei­den­schaft der Som­mer­fest­spie­le währt dies­mal bis 23. Ju­li. Wie stets im Ba­den-Ba­de­ner Opern­som­mer kommt das Ma­ri­ins­ky Thea­ter aus St. Pe­ters­burg mit Chef­di­ri­gent Va­le­ry Ger­giev und bringt sei­ne neue Ins­ze­nie­rung von Tschai­kow­skys „Eu­gen One­gin“(20. und 23. Ju­li) mit. Au­ßer­dem ist das Bal­lett „Yo, Car­men“von Ma­ría Pá­ges (15. Ju­li) zu er­le­ben so­wie Kla­vier­kon­zer­te von Mo­zart mit Piotr An­der­s­zew­ski (8. Ju­li), von Cho­pin mit Seong-Jin Cho (22. Ju­li) und von Rach­ma­ni­now mit Beh­zod Ab­du­rai­mov (21. Ju­li). Isa­bel Step­peler

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