Kli­nik für plas­ti­sche Chir­ur­gie am He­li­os

Fried­rich Knam bringt zehn­jäh­ri­ge Be­rufs­pra­xis mit

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

im Pforz­hei­mer Wai­sen­und Sie­chen­haus. Hier wur­den jähr­lich 20 Jun­gen und vier Mäd­chen in der Uhr­ma­che­rei aus­ge­bil­det. „Da­mals hat­te der Be­ruf ei­nes Uhr­ma­chers kei­nen ho­hen Sta­tus“, weiß Hö­nig. Die in der Uhr­ma­che­rei fa­bri­zier­ten Ta­schen­uh­ren, ba­sie­rend auf ei­ner so­ge­nann­ten Spin­del­hem­mung, gal­ten je­doch als aus­ge­spro­chen wert­voll. In den Jah­ren zwi­schen 1770 und 1778 bau­te man dann Stil­uh­ren, die mit Ket­ten und Schne­cken an­ge­trie­ben wur­den. Um die Ent­wick­lung der No­bel­uh­ren in Pforz­heim zu for­cie­ren, wur­den Fach­leu­te aus dem Aus­land ge­holt, je­doch, die Kon­kur­renz war zu stark. So pro­du­zier­te man Bil­lig­uh­ren, an­ge­trie­ben durch ei­ne Zy­lin­der­hem­mung. 1820 wur­de die letz­te Ma­nu­fak­tur in Pforz­heim ge­schlos­sen: „Der Uhr­ma­cher war aus­ge­stor­ben.“Im Jahr 1909 leb­te Pforz­heims Uh­r­in­dus­trie wie­der auf. Vier Jah­re spä­ter wa­ren es be­reits 31 500 Be­schäf­tig­te, die in ver­schie­de­nen Un­ter­neh­men Klein­uh­ren her­stell­ten. Der Weg führ­te vom Me­dail­lon zum Uhr­ge­häu­se, von der Tei­le­fer­ti­gung zum Roh­werk. Die tech­ni­schen Meis­ter­wer­ke ent­hiel­ten echt ge­schlif­fe­ne Ru­bi­ne, wo­bei die Zahl 17 nicht un­ter­schrit­ten wer­den durf­te. 1910 gab es in der Gold­stadt wie­der 22 selb­stän­di­ge Uhr­ma­cher und vier Uhr­händ­ler.

Be­son­de­re Be­ach­tung fand bei Hö­nig die Be­deu­tung der Mi­li­tär­uh­ren wie die La­co-Flie­ge­ruhr, be­stückt mit 22 St­ei­nen. Sie sei mit dar­an schuld, dass Pforz­heim 1945 platt ge­macht wur­de, sag­te Hö­nig. Ab dem Jahr 1958 be­gann man elek­tri­sche Arm­band­uh­ren zu fa­bri­zie­ren. Der ab­so­lu­te Wahn­sinn sei dann die Stimm­ga­bel­uhr Bul­o­va Ac­cu­tron, die 1963 in Pro­duk­ti­on ging, ge­we­sen. Die ers­te Quarz­uhr wur­de 1968 ge­baut. Das Spit­zen­jahr der Pforz­hei­mer Uh­ren­in­dus­trie zeig­te sich 1971. In die­sem gol­de­nen Jahr wur­den 2,3 Mil­lio­nen Uh­ren ge­baut. Der letz­te Pforz­hei­mer Wer­ke­pro­du­zent schloss 1993 sei­ne Tü­ren. Zu­letzt wur­den dort 18 000 Quarz­uh­ren pro Tag pro­du­ziert.

Aus der Tra­di­ti­on der Schmuck- und Uh­ren­in­dus­trie sind in den letz­ten Jah­ren mo­der­ne Prä­zi­si­ons-, Me­di­zin- und Stanz­tech­no­lo­gi­en ent­stan­den. Ehe­mals als Uh­ren­fir­men ge­grün­de­te Un­ter­neh­men sind in­zwi­schen er­folg­reich in Be­rei­chen der Prä­zi­si­ons­tech­nik ver­tre­ten.

Nach dem Vor­trag gab es ei­nen Rund­gang durch die Uh­ren­ab­tei­lung des Mu­se­ums, wo­bei sich Ken­ner und Lieb­ha­ber über die Kunst des Uhr­ma­chers aus­tausch­ten.

pec. Nach Pneu­mo­lo­gie, Tho­rax-Chir­ur­gie und der On­ko­lo­gie er­wei­tert das He­li­os Kli­ni­kum sein Spek­trum mit der Kli­nik für plas­ti­sche, re­kon­struk­ti­ve und äs­the­ti­sche Chir­ur­gie um ei­ne wei­te­re und da­mit vier­te Kli­nik nach der Über­nah­me vom Rhön-Kli­ni­kum 2014. Mit nun 17 Kli­ni­ken fehlt zum Sta­tus ei­ner Kli­nik der Ma­xi­mal­ver­sor­gung nur noch ei­ne Neu­ro­chir­ur­gi­sche Kli­nik, die laut ärzt­li­chem Di­rek­tor Micha­el Sumpf vom Land aber ver­wei­gert wird. Im­mer­hin spa­ren sich Pa­ti­en­ten nun We­ge nach Stutt­gart oder Lud­wigs­ha­fen. So stell­ten Stumpf und Ge­schäfts­füh­re­rin An­ne Ma­tros ges­tern den Chef­arzt der neu­en Kli­nik, Dr. Fried­rich Knam, vor, der seit 1. Ju­ni im Haus ist. Knam ist Fach­arzt für plas­ti­sche und äs­the­ti­sche Chir­ur­gie so­wie Hand­chir­urg.

Knam bringt ei­ne zehn­jäh­ri­ge Er­fah­rung auf dem Ge­biet aus dem Stutt­gar­ter Ma­ri­en­kran­ken­haus mit, dem größ­ten Zen­trum für plas­ti­sche Chir­ur­gie in Deutsch­land. Der 40-Jä­hir­ge ist ver­hei­ra­tet und lebt in Stutt­gart. Auf­ge­wach­sen na­he Ba­den-Ba­den stu­dier­te er in Frei­burg Me­di­zin und war an­schlie­ßend in KölnMer­heim As­sis­tenz­arzt, wo er sich mit Wie­der­her­stel­lungschir­ur­gie und Hand­chir­ur­gie be­schäf­tig­te. Im Ma­ri­enho­s­pi­tal wech­sel­te er an die Kli­nik für plas­ti­sche Ge­sichts­chir­ur­gie und er­lang­te dort die Fach­arz­tQua­li­fi­ka­ti­on. Seit 2012 ist er dort Ober­arzt in der Kli­nik für Hand-, Mi­kround Re­kon­struk­ti­ve Brust­chir­ur­gie.

„Ich möch­te das viel­sei­ti­ge Fach­ge­biet der plas­ti­schen Chir­ur­gie auf höchs­ten Ni­veau in Pforz­heim eta­blie­ren“, sag­te Knam in ei­nem Pres­se­ge­spräch. Zu­nächst mit ei­nem As­sis­ten­ten aus­ge­stat­tet wird er bei Be­darf in­ter­dis­zi­pli­när aus an­de­ren Kli­ni­ken des Hau­ses un­ter­stützt. Die Brust­chir­ur­gie wird ei­ne gro­ße Rol­le spie­len, wo­bei es um Form­ver­än­de­run­gen geht und um Wie­der­her­stel­lungs­ope­ra­tio­nen nach Am­pu­ta­tio­nen. Da­bei wird kör­per­ei­ge­nes Ge­we­be, et­wa vom Bauch, samt Ge­fä­ßen ge­nutzt und da­mit ei­ne neue Brust auf­ge­baut. Auch ei­ne Hän­ge­brust et­wa nach Ge­wichts­re­duk­ti­on kann nach me­di­zi­ni­scher In­di­ka­ti­on ei­ne Kas­sen­leis­tung sein. „Die re­kon­struk­ti­ve Chir­ur­gie“, so Knam, „kann nach Un­fäl­len, Ver­bren­nun­gen oder Tu­mo­ro­pe­ra­tio­nen von Kopf bis Fuß Ver­let­zun­gen mit Ge­we­be­ver­lus­ten wie­der aus­glei­chen und zu­gleich die Funk­ti­on wie­der­her­stel­len.“Bei der äs­the­ti­schen Chir­ur­gie geht es um Fal­ten­be­hand­lung und um Straf­fun­gen.

EIN NEU­ER ARZT am He­li­os: Fried­rich Knam ist Fach­arzt für plas­ti­sche und äs­the­ti­sche Chir­ur­gie. Fo­to: pec

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.