Er­folgs­ge­schich­ten in der Frem­de ge­schrie­ben

Ge­sprächs­run­de zum The­ma „Wah­re Wer­te“

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Bernd Hel­big

Die Ver­an­stal­tungs­rei­he „In­ter­kul­tu­rel­ler Sa­lon“hat sich aus dem in­ter­kul­tu­rel­len Fes­ti­val „Mix ver­steh’n 2012“her­aus ent­wi­ckelt. In zwang­lo­ser At­mo­sphä­re wer­den da­bei In­for­ma­tio­nen und An­re­gun­gen zum Mit­ein­an­der der Kul­tu­ren in der Stadt aus­ge­tauscht. Das Mot­to der Ge­sprächs­run­de im Thea­ter­foy­er hieß am ver­gan­ge­nen Mitt­woch, „Men­schen: Die wah­ren Wer­te ei­ner Stadt“. Es ka­men drei Per­sön­lich­kei­ten mit aus­län­di­schen Wur­zeln zu Wort, die sich in Pforz­heim er­folg­reich ei­ne Exis­tenz ge­schaf­fen ha­ben.

Das vor­ge­se­he­ne Im­puls­re­fe­rat ei­nes Po­li­tik­wis­sen­schaft­lers zur Be­deu­tung der Zu­wan­de­rung für den Wirt­schafts­stand­ort Pforz­heim fiel we­gen Er­kran­kung aus, und so führ­te die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Stadt, Ani­ta Gon­dek, die rund 50 Gäs­te in die The­ma­tik ein. Von den 125 000 Ein­woh­nern Pforz­heims hat je­der zwei­te ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, das be­deu­tet, dass zu­min­dest de­ren El­tern aus dem Aus­land nach Pforz­heim zu­ge­zo­gen sind. Die ers­ten, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg ka­men, wa­ren die ita­lie­ni­schen Gas­t­ar­bei­ter. War­um ge­lin­gen man­che In­te­gra­ti­ons­ge­schich­ten, an­de­re nicht, die­ser Fra­ge ging zu­nächst der Un­ter­neh­mer Wie­staw Kram­ski nach. Kram­ski hat pol­ni­sche Wur­zeln.

Sei­ne Mut­ter wur­de von der SS nach aus Po­len ver­schleppt und auch der Va­ter kam auf il­le­ga­lem Weg nach Deutsch­land. Kram­ski wuchs in der Pfalz auf. Deut­scher zu wer­den, sei nicht so ein­fach ge­we­sen, er­zähl­te er. 26 Jah­re lang ha­be er mit ei­nem Pass ge­lebt, mit dem Ver­merk, „hei­mat­lo­ser Aus­län­der“. 4 200 Mark ha­be es da­mals ge­kos­tet, ei­nen deut­schen Pass zu be­kom­men. Kram­ski mach­te ei­ne Werk­zeug­ma­cher­leh­re. Von An­fang an sei sein Ziel ge­we­sen, sich selb­stän­dig zu ma­chen. Dies hat er 1978 auch mit nach­hal­ti­gem Er­folg ge­tan.

Sam Tho Duong, ist im Al­ter von zwölf Jah­ren aus Viet­nam ge­flüch­tet und di­rekt nach Pforz­heim ge­kom­men. In­sel­schu­le und Gold­schmie­de­schu­le wa­ren Sta­tio­nen, dann ei­ne Leh­re bei Wel­len­dorf und schließ­lich ein De­sign-Stu­di­um. Heu­te ist Duong ein be­kann­ter Schmuck­de­si­gner, er freut sich aber auch, wenn er als „Künst­ler“be­zeich­net wird, sagt er. Die Wur­zeln sei­ner Krea­ti­vi­tät lie­gen schon in sei­ner Kind­heit, denn für ihn und sei­ne sechs Ge­schwis­ter gab es kein Spiel­zeug, al­les wur­de selbst er­fun­den. Auch sein Wunsch sei es von An­fang an ge­we­sen, selb­stän­dig zu wer­den und ge­mäß sei­nen Vor­stel­lun­gen zu ar­bei­ten. De­sign stu­diert auch Ci­na Dil­ber. Die Drit­te in der Ge­sprächs­run­de hat zu­nächst Schnei­de­rin ge­lernt. Sie er­läu­ter­te das Pro­jekt „Ca­fe Ro­land“, des­sen Be­trei­be­rin sie ist. Im Ca­fe Ro­land ver­bin­de sich al­les, es sei ein Platz für In­te­gra­ti­on, und sol­che Or­te soll­te es über­all auf der Welt ge­ben. Der Abend wur­de von Lu Tho­me und Ma­ri­an­ne Mar­tin um­rahmt.

ÜBER IN­TE­GRA­TI­ON dis­ku­tier­ten (von links) Wie­staw Kram­ski, Ci­na Dil­ber, Sam Tho Duong und Ani­ta Gon­dek. Fo­to: Hel­big

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