Ein ganz be­son­de­res Kon­zert

In­ter­es­san­te In­stru­men­ten­kon­stel­la­ti­on bei „Cla­vichord miez Po­wer­cord“be­geis­tert Pu­bli­kum

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Bei der drit­ten Ver­an­stal­tung der Rei­he „Zwi­schen­zeit im Zwi­schen­raum: Jetzt“, in der Ga­le­rie zum Hof im Reuch­lin­haus, wel­che gleich­zei­tig ei­nen Bei­trag zum Ju­bi­lä­ums­fes­ti­val 250 Jah­re Gold­stadt dar­stellt, geht es um Im­pro­vi­sa­ti­ons­mu­sik. Im ers­ten Mo­ment mag die Aus­wahl der Mu­sik­in­stru­men­te bei der Ver­an­stal­tung „Cla­vichord miez Po­wer­cord“ir­ri­tie­ren. Da trifft mit dem von der Mu­sik­päd­ago­gin Eva-Ma­ria Heinz ge­spiel­ten Cla­vichord, ein Vor­läu­fer des heu­ti­gen Kla­viers und Lieb­lings­in­stru­ment Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs, auf ei­ne E-Gi­tar­re, an de­ren Sai­ten Cornelius Veit wirkt. Je­doch klin­gen die bei­den Mu­sik­in­stru­men­te un­ter­schied­li­cher Zeit­epo­chen über­ra­schend gut zu­sam­men.

Je­der Zu­hö­rer er­lebt die­se Art der Mu­sik an­ders, da sie kei­nem be­stimm­ten Plan folgt. Die E-Gi­tar­re über­nimmt di­rekt die Füh­rung und das Cla­vichord folgt. Fast ne­ckend, setzt es da­bei im­mer wie­der klei­ne Ak­zen­te, folgt der Gi­tar­re und scheint de­ren mu­si­ka­lisch ge­las­se­ne Lü­cken aus­zu­fül­len. Blickt man durch die Glas­fas­sa­de in den da­hin­ter lie­gen­den In­nen­hof und lässt die Mu­sik auf sich wir­ken, ver­schmilzt bei­des zu ei­ner an­ge­neh­men, mal ru­hi­gen, mal drän­gen­den Har­mo­nie. Die Blät­ter der Bäu­me be­we­gen sich leicht im Wind. Das Was­ser aus dem Brun­nen fließt im Ver­gleich da­zu bei­na­he hek­tisch. Eva-Ma­ria Heinz nimmt ei­nen Klöp­pel und schlägt da­mit mal sanft, mal stär­ker auf den Kor­pus des Cla­vichor­ds. Cornelius Veit, glei­tet mit ei­nem Stift über die Sai­ten der Gi­tar­re. Lang­sam stellt sich ein me­di­ta­ti­ves Ge­fühl ein. Im Foy­er lässt je­mand et­was fal­len, drau­ßen schreit ein Kind, die Si­re­ne ei­nes Kran­ken­wa­gens er­tönt. Egal. Al­les fügt sich ins Ge­samt­bild. Wür­de jetzt ei­ne Mü­cke vor­bei­flie­gen, in der Luft ste­hen blei­ben und freund­lich grü­ßen, wä­re dies ab­so­lut lo­gisch.

Veit ba­lan­ciert die Gi­tar­re auf den Kni­en und lässt ei­ne klei­ne Me­tall­ku­gel über die Sai­ten rol­len. Die Mu­sik wan­delt sich, wird wel­li­ger, psy­cho­de­li­scher. Ein mu­si­ka­li­scher Rausch. Mit ein­set­zen­der Dun­kel­heit be­gin­nen sich die Be­su­cher in der Schei­be zu spie­geln.

Dies wirkt, als wür­den im Hof Geis­ter sit­zen. Und als könn­ten die bei­den In­stru­men­te Ge­dan­ken le­sen, er­klin­gen plötz­lich schnel­le, ho­he Tö­ne vom Cla­vichord, die zer­ris­sen von den dunk­len, lan­gen Tö­nen der E-Gi­tar­re die ge­spens­ti­sche At­mo­sphä­re un­ter­ma­len.

Am En­de die­ses un­ge­wöhn­li­chen, aber be­mer­kens­wer­ten Kon­zer­tes, ist vie­len Be­su­chern gar nicht be­wusst dass es vor­bei ist. So klingt die Stil­le noch ei­ni­ge Se­kun­den nach, be­vor be­geis­ter­ter Ap­plaus auf­bran­det. Ron Tee­ger

MIT ME­DI­TA­TI­VEN KLÄN­GEN über­rasch­ten Eva-Ma­ria Heinz am Cla­vichord und Cornelius Veit an der E-Gi­tar­re die Be­su­cher in der Ga­le­rie zum Hof. Fo­to: Tee­ger

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