Nach­barn strei­ten sich we­gen Tau­ben

Nie­fern-Öschel­bron­ner soll Be­stand auf 50 Tie­re re­du­zie­ren / Fall vor Ge­richt ver­han­delt

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­tia­ne Vieh­weg

Nie­fern-Öschel­bronn. „Es kann der Frömms­te nicht in Frie­den le­ben, wenn es dem bö­sen Nach­barn nicht ge­fällt“– das wuss­te schon Schil­ler. Wo­bei die Fra­ge, wer der „bö­se“Nach­bar ist, na­tur­ge­mäß von den je­weils Be­tei­lig­ten gänz­lich un­ter­schied­lich be­ur­teilt wird. Bis­wei­len kön­nen sich „Zan­käp­fel“auch erst nach Jahr­zehn­ten ent­wi­ckeln. So war es auch bei Wal­ter Blank. Der züch­tet Tau­ben seit 1954. Sie sind sein gan­zer Stolz, sei­ne Freu­de, sei­ne „Renn­pfer­de der Lüf­te“, mit denn er Prei­se und Po­ka­le ge­won­nen hat.

Im Hin­ter­hof ne­ben­an wur­den frü­her Zie­gen, Schwei­ne, Hüh­ner und Ha­sen ge­hal­ten. Spä­ter wur­de dann aus der Tier­hal­tung ein Wohn­haus auf der Gren­ze zu Blanks An­we­sen. Im­mer noch herrsch­te Frie­den. Aber vor rund zehn Jah­ren stör­te den Nach­barn und sei­ne Fa­mi­lie das Ge­gur­re der Tau­ben, der Ge­ruch der Tie­re. Ve­r­un­rei­ni­gun­gen auf der Wä­sche und der Ter­ras­se wur­den auf Blanks Tau­ben zu­rück­ge­führt. Plötz­lich traf man sich nicht mehr auf ein Schwätz­chen vor dem Haus, son­dern vor Ge­richt. Und die Ver­stän­di­gung ging über Rechts­an­walts­schrei­ben vor sich.

Rich­ter des Land­ge­rich­tes Karls­ru­he be­sich­tig­ten 2008 die Ört­lich­kei­ten und ka­men zum Schluss: Die Kla­ge des Nach­barn wird ab­ge­wie­sen. Da es 30 Jah­re lang kei­ne Be­an­stan­dung ge­ge­ben ha­be, sei das jet­zi­ge Ver­hal­ten wi­der­sprüch­lich. Blank ha­be dar­auf ver­trau­en dür­fen, dass er auch in Zu­kunft Tau­ben hal­ten kön­ne.

Dar­auf­hin klag­te der Nach­bar vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt. Nach­bar­schafts­strei­tig­kei­ten in­ter­es­sie­ren dort nicht, maß­geb­lich sind Bau­ge­neh­mi­gun­gen, der Ge­bietscha­rak­ter, was das Ge­biet und die Nach­bar­schaft ver­trägt, und das Rück­sicht­nah­me­ge­bot. Und das Ver­wal­tungs­ge­richt kam zum Schluss: Mehr als 50 Tau­ben dür­fe Blank an die­sem Stand­ort nicht hal­ten.

Woran er sich auch hielt. Dar­auf­hin schloss das Land­rats­amt Enz­kreis, dem die un­dank­ba­re Auf­ga­be zu­ge­fal­len war, das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­rich­tes durch­zu­set­zen, die Ak­te. Jetzt wur­de sie wie­der ge­öff­net. Weil Blank in­zwi­schen wie­der mehr Tau­ben hat. War­um hat er das? „Weil die na­tür­lich jetzt brü­ten, Jun­ge ha­ben“, sagt Blank. „Mit 50 Tau­ben, die ja auch äl­ter wer­den, kann ich an kei­nem Wett­be­werb mehr teil­neh­men. Bei Dis­tanz­flü­gen ver­flie­gen sich ei­ni­ge und ver­schwin­den auf Nim­mer­wie­der­se­hen, ei­ni­ge schlägt der Ha­bicht – das sind gro­ße Ver­lus­te. Ich muss ja auch erst mal sich­ten, was und wie viel ich be­hal­ten kann, wie vie­le ich ver­kau­fe und all das.“

Der Ver­band Deut­scher Brief­tau­ben­züch­ter gibt ihm Recht: Der Min­dest­be­stand im Win­ter (bis März) sol­le 50 Tie­re nicht un­ter­schrei­ten, im Som­mer (bis Sep­tem­ber) 80 Tie­re.

Blank ist ge­sund­heit­lich an­ge­schla­gen. Er schläft schlecht, sein Ma­gen re­bel­liert. „Al­les die Auf­re­gung“, sagt er. „Seit über zehn Jah­ren Thea­ter mit Ge­rich­ten – wer soll das aus­hal­ten?“Au­ßer­dem ha­ben, wie er sagt, sei­ne Tau­ben täg­lich ge­ra­de ein­mal ei­ne St­un­de Frei­flug. Ge­gen 8 Uhr lässt er sie flie­gen, ei­ne St­un­de spä­ter pfeift er, dann kom­men sie wie­der und ver­schwin­den im Schlag. „Die ver­un­rei­nig­ten die Ter­ras­se vom Nach­barn be­stimmt nicht.“Schließ­lich ge­be es auch noch Wild­tau­ben und an­de­re Vö­gel. Ob das Land­rats­amt bis Sep­tem­ber mit der Tau­ben­zäh­lung war­ten will, ist frag­lich. Denn: „50 Tau­ben ma­chen we­ni­ger Ge­räu­sche und Ge­rü­che als 100 Tau­ben“, er­klärt Jut­ta Rie­kert vom Amt für Bau­recht und Na­tur­schutz. Die Frist, die Tie­re zu re­du­zie­ren, lief im April ab. „Was soll ich denn ma­chen?“fragt Blank. „Ich kann sie doch nicht tot­schla­gen.“

Nach­bar stört Gur­ren und Ge­ruch der Tau­ben

Fo­to: Vieh­weg

DIE TAU­BEN SIND DER GAN­ZE STOLZ von Jad­wi­ga und Wal­ter Blank. Aber die Nach­barn füh­len sich von ih­nen ge­stört.

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