Zu we­nig Druck im Trink­was­ser­netz

Kie­sel­bronn forscht nach Grund für die Stö­rung / Schwan­kun­gen sol­len ab­ge­stellt wer­den

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mar­tin Schott

Kie­sel­bronn. Die ver­läss­li­che Be­reit­stel­lung von Was­ser aus der Lei­tung ist die prak­tisch wohl be­deut­sams­te Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ei­ner Ge­mein­de. Und so war man im Kie­sel­bron­ner Rat­haus gleich alar­miert, als vor knapp fünf Wo­chen die Be­rich­te von meh­re­ren Bür­gern ein­gin­gen, dass das Was­ser aus ih­rem Hahn nur mit sehr ge­rin­gem Druck her­aus­flie­ße. Be­reits in der Ge­mein­de­rats­sit­zung am 31. Mai hat­te Bür­ger­meis­ter Hei­ko Fa­ber über das Pro­blem in­for­miert (der Pforz­hei­mer Ku­ri­er be­rich­te­te).

Die um­fas­sen­de Ur­sa­chen­for­schung nach dem Grund für die Stö­rung hat nun ein Er­geb­nis ge­bracht, das Ul­rich Wai­bel, Be­triebs­lei­ter der Gas- und Was­ser­ver­sor­gung bei den Stadt­wer­ken Pforz­heim, in der jüngs­ten Sit­zung des Kie­sel­bron­ner Ge­mein­de­ra­tes vor­stell­te. Die Stadt­wer­ke Pforz­heim sind mit der tech­ni­schen Be­triebs­füh­rung der Kie­sel­bron­ner Was­ser­ver­sor­gung be­traut, de­ren nach au­ßen sicht­ba­re zen­tra­le Ein­rich­tung der Was­ser­turm und die sich da­vor in der Er­de be­find­li­chen Was­ser­be­häl­ter an der Pforz­hei­mer Stra­ße mit­ten in Kie­sel­bronn sind. Sein Trink­was­ser er­hält Kie­sel­bronn, wie vie­le Ge­mein­den in der Re­gi­on, aus dem Bo­den­see. Um den Hin­ter­grund der Druck­schwan­kungs­pro­ble­me zu ver­ste­hen, die Ex­per­te Wai­bel er­läu­ter­te, muss man Fol­gen­des wis­sen: In Kie­sel­bronn, das geo­gra­fisch über­wie­gend auf ei­nem Hö­hen­rü­cken liegt, gibt es für die 902 Haus­an­schlüs­se für Trink­was­ser zwei ver­schie­de­ne Ver­sor­gungs­zo­nen. Die „Tief­zo­ne“in den tie­fer ge­le­ge­nen Orts­tei­len um­fasst 167 An­schlüs­se und ist druck­tech­nisch un­pro­ble­ma­tisch. Sie be­kommt ihr Was­ser durch na­tür­li­chen Druck­auf­bau in­fol­ge des Hö­hen­un­ter­schie­des aus den Was­ser­be­häl­tern, in die zu­vor das Bo­den­see­was­ser ein­ge­füllt wor­den ist. Die „Hoch­zo­ne“mit 735 Haus­an­schlüs­sen ist teil­wei­se so hoch ge­le­gen, und weist da­mit ei­nen so ge­rin­gen Hö­hen­un­ter­schied zum Was­ser­be­häl­ter auf, dass der na­tür­li­che Druck­auf­bau re­la­tiv nied­rig ist. Üb­li­cher­wei­se wür­de man da­her bei­spiels­wei­se über ei­ne Druck­erhö­hungs­an­la­ge das Was­ser aus den Be­häl­tern in das Lei­tungs­netz pum­pen. Be­reits im Jahr 1988 hat­te man in Kie­sel­bronn je­doch ei­ne da­von ab­wei­chen­de Lö­sung ge­wählt: Man hat­te die Bo­den­see­was­ser­ver­sor­gung ge­be­ten, das mit da­mals fünf bis acht Bar Druck, so die Aus­kunft von Wai­bel, an der Über­ga­be­stel­le im Was­ser­turm an­kom­men­de Bo­den­see­was­ser di­rekt in das Kie­sel­bron­ner Netz über­neh­men zu dür­fen. Ei­ne an­ge­schlos­se­ne Ap­pa­ra­tur zur Druck­min­de­rung bringt dann das Was­ser auf das Ni­veau von 2,4 Bar in der Hoch­zo­ne. Der Zweck­ver­band stimm­te die­sem An­sin­nen zu. „Das ist ei­ne kla­re Aus­nah­me, nor­ma­ler­wei­se geht das Bo­den­see­was­ser nicht di­rekt ins Netz, son­dern in ei­nen Was­ser­be­häl­ter, von dem aus es in das Orts­netz wei­ter­ge­lei­tet wird“, be­stä­tigt Bür­ger­meis­ter Fa­ber. Fast 30 Jah­re hat dies funk­tio­niert. Die jet­zi­gen Mes­sun­gen, so Wai­bel, ha­ben je­doch ge­zeigt: Der Druck, mit dem das Bo­den­see­was­ser in Kie­sel­bronn an­kommt, ist ge­rin­ger als frü­her und schwankt auch in Be­rei­che, die sich dann ne­ga­tiv auf den Druck des ins Netz ein­ge­speis­ten Was­sers aus­wir­ken. Wohl­ge­merkt, be­ton­ten Fa­ber wie Wai­bel, dies ist kein Feh­ler des Zweck­ver­ban­des Bo­den­see-Was­ser­ver­sor­gung. Die­ser hat le­dig­lich die Ver­pflich­tung, ei­ne be­stimm­te Was­ser­men­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len, aber nicht zu ei­nem be­stimm­ten Druck.

Ur­sa­che für den nied­ri­ge­ren Druck sei­en nicht zu­letzt die deut­lich er­höh­ten Ent­nah­men an Bo­den­see­was­ser durch an­de­re an­ge­schlos­se­ne Stel­len, da vie­le kom­mu­na­le Qu­el­len auf­grund der an­hal­ten­den Tro­cken­heit nicht mehr den Was­ser­be­darf lo­kal de­cken könn­ten, be­rich­tet Fa­ber aus ei­nem Ge­spräch mit dem Zweck­ver­band. In Kie­sel­bronn muss man nun ei­ne an­de­re Lö­sung su­chen als die bis­he­ri­ge.

Da müs­sen Ex­per­ten ran aus ei­nem Fach­bü­ro, un­ter­strich Ul­rich Wai­bel. Zum ei­nen muss grund­le­gend aus­ge­leuch­tet wer­den, auf wel­che Wei­se die Kie­sel­bron­ner Was­ser­ver­sor­gung auf den heu­ti­gen Stand der Tech­nik ge­bracht wer­den kann. Da­bei sei auch zu be­rück­sich­ti­gen, dass die­se zu­dem die Funk­ti­on der Lösch­was­ser­be­reit­stel­lung und der Not­ver­sor­gung des Neu­lin­ger Orts­teils Göb­ri­chen zu tra­gen ha­ben. Jen­seits die­ser wohl grund­le­gen­den Um­ge­stal­tung sol­le auch nach kurz­fris­ti­gen Mög­lich­kei­ten ge­sucht wer­den, die der­zei­ti­gen Druck­schwan­kun­gen ab­zu­stel­len. Nach Mög­lich­keit soll be­reits in der Ju­li-Sit­zung des Ge­mein­de­ra­tes die ent­spre­chen­de Auf­trags­ver­ga­be an ein Fach­bü­ro er­fol­gen, so der Schul­tes.

DA SITZT DAS PRO­BLEM der Kie­sel­bron­ner Was­ser­ver­sor­gung: Der Druck des Bo­den­see­was­sers, der links von der Druck­min­de­rungs­an­la­ge im Was­ser­be­häl­ter an­kommt, ist deut­lich nied­ri­ger als frü­her. Fo­to: msch

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.