Pforz­hei­mer Ju­gend­stil

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

RO­LAND WEI­SEN­BUR­GER

Heu­te be­ginnt in Pforz­heim ei­ne neue Ära. Nach Jahr­zehn­ten des wirt­schaft­li­chen Nie­der­gangs hat­ten die Men­schen der Gold­stadt die schlech­ten Nach­rich­ten of­fen­bar ein­fach satt. Sie schick­ten den so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Mak­ler in die Wüs­te und hol­ten sich den christ­de­mo­kra­ti­schen Pro­phe­ten. Mit Pe­ter Boch tritt heu­te die Ju­gend und die Tat­kraft an ei­ne Po­si­ti­on, die bis­lang nur als trä­ge Ver­wal­te­rin er­drü­cken­der Pro­ble­me wahr­ge­nom­men wur­de.

Der 37-Jäh­ri­ge hat mit sei­nem strah­len­den La­chen und sei­nem of­fe­nen Blick vie­le Her­zen der tra­di­tio­nel­len Brudd­ler an der Enz er­obert. Ab heu­te steht er mit ei­nem gro­ßen Sack vol­ler Ver­trau­ens­vor­schuss vor ei­nem ho­hen Berg aus­ge­wach­se­ner Pro­ble­me. Dass der bis­he­ri­ge Schul­tes von Ep­fen­dorf schon zur Ve­rei­di­gung druck­rei­fe Lö­sun­gen vor­legt zu den struk­tu­rel­len und fi­nan­zi­el­len Sor­gen, die sei­ne neue Hei­mat drü­cken, darf man nicht er­war­ten. Sei­ne Leis­tung wird ge­mes­sen an der Schnel­lig­keit, mit der er neu auf­tau­chen­de Fi­nanz­ka­ta­stro­phen er­fasst, wie er den Man­gel an Kin­der­be­treu­ung

ver­wal­tet, der Wirt­schaft und Fa­mi­li­en lähmt, wie er die ste­tig dro­hen­de Zwangs­ver­wal­tung durch das Re­gie­rungs­prä­si­di­um ver­hin­dert und wie er in ei­nem tief ge­spal­te­nen und zer­split­ter­ten Ge­mein­de­rat Mehr­hei­ten für ge­wag­te aber not­wen­di­ge Zu­kunfts­per­spek­ti­ven ge­winnt.

Pforz­heim hängt an der Klip­pe. Doch mit ei­nem strah­len­den Schmuck­ju­bi­lä­um hat man ge­zeigt, dass man über Ab­grün­den auch tan­zen kann. Die für ei­ne ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Kom­mu­ne un­ge­wöhn­lich ho­he Zahl von Kin­dern und Ju­gend­li­chen mag den Käm­me­rer der Gold­stadt der­zeit noch so drü­cken. Für die Zu­kunft könn­te die jun­ge Gold­stadt in ei­nem al­tern­den Land da­mit Trümp­fe auf der Hand ha­ben, die Boch nicht heu­te oder mor­gen, aber si­cher­lich noch in­ner­halb sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit zie­hen kann.

Die Ju­gend al­so ist Pforz­heims Hoff­nung und ei­nen ju­gend­li­chen Hoff­nungs­trä­ger ha­ben sich die Gold­städ­ter des­halb auch ins Rat­haus ge­holt. Die Hoff­nung stirbt zu­letzt.

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