Tipps für ei­ne stress­freie Fahrt

Hea­vy-Me­tal-Mu­sik oder Hör­spie­le? / „Al­les, was ent­spannt, ist er­laubt“

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Sa­rah Thust

Karls­ru­he. Der Blut­druck steigt, der Puls pocht, die At­mung wird schnel­ler. Pen­deln kann Stress aus­lö­sen oder ver­stär­ken. „Je wei­ter der Weg ins Bü­ro ist, des­to pro­ble­ma­ti­scher“, sagt Ver­kehrs­psy­cho­lo­gin Andrea Häuß­ler vom TÜV Süd in Stutt­gart. Der An­teil der Pend­ler in Deutsch­land liegt nach ak­tu­el­len Zah­len des Bon­ner Bun­des­in­sti­tuts für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung bei 59,4 Pro­zent al­ler Be­rufs­tä­ti­gen – ein neu­er Re­kord­wert. Und: Mehr als je­der vier­te Er­werbs­tä­ti­ge hat so­gar ei­nen täg­li­chen Ar­beits­weg von min­des­tens ei­ner St­un­de. Das er­gibt sich aus dem ver­gan­ge­nen Mi­kro­zen­sus.

Der Pend­ler­an­teil sei weit­ge­hend un­ab­hän­gig von Al­ter und Bil­dung, sagt Hei­ko Rü­ger vom Bun­des­in­sti­tut für Be­völ­ke­rungs­for­schung (BiB) in Wies­ba­den: Ge­pen­delt wird al­so fast im­mer und über­all. Ein Un­ter­schied zeigt sich je­doch bei den Ge­schlech­tern: „Frau­en oh­ne Kin­der sind an­nä­hernd so pen­del­mo­bil wie Män­ner. Wer­den sie aber Müt­ter, dann re­du­ziert sich die Pen­del­be­reit­schaft und auch die tat­säch­li­che Pen­deldau­er“, er­läu­tert der So­zio­lo­ge. Ver­schie­de­ne Stu­di­en zei­gen zu­dem: Wächst die Pen­del­stre­cke, sinkt bei vie­len Men­schen die men­ta­le und phy­si­sche Ge­sund­heit, ge­nau wie die Le­bens­zu­frie­den­heit. Doch nicht al­le Pend­ler lei­den un­ter ih­rer Si­tua­ti­on. Ver­kehrs­psy­cho­lo­gin Andrea Häuß­ler sagt: Ma­chen sie es für ei­nen tol­len Job, ge­hen Pend­ler in der Re­gel ge­las­se­ner mit dem Stress um. Wer un­ter­wegs bei gu­ter Mu­sik oder ei­nem span­nen­den Buch ab­schal­ten kann, lei­de eben­falls we­ni­ger un­ter der Fah­re­rei. „Al­les, was ent­spannt, ist er­laubt“, sagt die Ex­per­tin. „Ob Hea­vy-Me­tal-Mu­sik oder Hör­spie­le im Au­to, stri­cken oder ein Smart­pho­ne-Spiel im Zug – Haupt­sa­che man nimmt die Pen­del­zeit nicht als ver­lo­re­ne oder an­stren­gen­de Zeit wahr.“

Ist die Ver­kehrs­an­bin­dung zum Ar­beits­platz gut, lässt sich die Pen­del­zeit in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln frei­er ge­stal­ten. Nur wer mit Zug oder Bus lan­ge un­ter­wegs ist, öf­ter um­stei­gen oder mit häu­fi­gen Aus­fäl­len und Ver­spä­tun­gen rech­nen muss, fährt bes­ser mit dem Au­to. Für Au­to­fah­rer soll­ten knapp ge­plan­te Termine vor Ab­fahrt oder hek­ti­sches Or­ga­ni­sie­ren un­ter­wegs ta­bu sein. „Sonst steigt das Un­fall­ri­si­ko“, sagt Häuß­ler. Auch re­gel­mä­ßi­ge Pau­sen und ge­sun­de Er­näh­rung sind wich­tig, rät Anet­te Wahl-Wa­chen­dorf, Vi­ze­prä­si­den­tin vom Ver­band Deut­scher Be­triebs­und Werks­ärz­te. Wich­tig sei auch für Aus­gleich durch Sport, Ent­span­nung und aus­rei­chend Schlaf zu sor­gen, so Be­völ­ke­rungs­for­scher Hei­ko Rü­ger. Eben­falls wich­tig: Pend­ler soll­ten ih­re Wohn- und Le­bens­si­tua­ti­on ge­le­gent­lich in­fra­ge stel­len. Die op­ti­ma­le Rei­se­rou­te kön­ne sich ge­nau­so ver­än­dern wie die ei­ge­ne Ge­sund­heit oder be­ruf­li­che Wün­sche. Viel­leicht ist ja die Zeit für ei­nen Um­zug ge­kom­men? „Da muss ich mich fra­gen: Bin ich der Typ da­zu oder wür­de mich das viel­leicht stres­sen?“, sagt Häuß­ler. Ein Ge­spräch mit dem Chef oder dem Be­triebs­rat bie­tet sich eben­falls an, wenn das Pen­deln zur Be­las­tung wird.

VOL­LE STRASSEN: Pend­ler ken­nen das, wie­der ein Stau, die Ner­ven lie­gen blank. Trä­ge rollt das Au­to durch den Be­rufs­ver­kehr. Die­sen Stress muss al­ler­dings nie­mand aus­hal­ten. Da­ge­gen lässt sich et­was un­ter­neh­men. Fo­to: dpa

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