Ganz ent­spannt

Im Zug am Stau vor­bei

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Ja, auch ich ge­hö­re zu die­sen knapp 60 Pro­zent Be­rufs­pend­lern, die all­täg­lich ins Bü­ro und wie­der zu­rück rei­sen. Doch nein, mein Puls pocht nicht wild und mei­ne At­mung bleibt ru­hig – es sei denn, ich bin spät dran und muss et­was kräf­ti­ger in die Pe­da­le tre­ten, um mei­nen Zug noch zu be­kom­men: Ich pend­le näm­lich mit Rad und Bahn und das mit Freu­de. Fünf Ta­ge die Wo­che und das seit Jah­ren.

Klar, es ge­hört ein we­nig Selbst­dis­zi­plin da­zu, denn auch wenn die Bahn nicht ge­ra­de für ih­re Pünkt­lich­keit be­rühmt ist – ge­ra­de die Re­gio­nal­zü­ge und S-Bah­nen fah­ren im­mer dann pünkt­lich, wenn man selbst knapp dran ist. Doch mit ein we­nig Übung geht ei­nem der Fahr­plan in Fleisch und Blut über und au­ßer­dem spart man sich auch den Gang ins Fit­ness­stu­dio.

Über­haupt ist Pen­deln mit der Bahn ein we­nig wie der Gang zum Bä­cker ne­ben­an: Sitzt man an­fangs noch für sich al­lei­ne, nickt ei­nem schon bald der Kerl mit dem schi­cken Spor­t­rad zu, der je­den Mor­gen zwei Sta­tio­nen frü­her aus­steigt. Dann folgt das Ge­spräch mit der Klapp­rad­be­sit­ze­rin, die ei­nem wert­vol­le Tipps in Sa­chen Fahr­rad­händ­ler ge­ben kann. Und sitzt da drü­ben nicht wie­der das Mä­del, das ger­ne mal vor sich hin ki­chert, weil ihr Hör­buch so lus­tig ist?

Zug­pend­ler sind meist ent­spann­te Men­schen. Für sie ist die Tat­sa­che, pen­deln zu müs­sen, kein Zeit­ver­lust, son­dern ein Zeit­ge­winn. Wäh­rend sich die meis­ten Au­to­fah­rer der Fle­xi­bi­li­tät wil­len ein­sam durch die Blech­la­wi­nen quä­len, kön­nen wir Bahn­pend­ler die Zeit sinn­voll nut­zen. Für ein gu­tes Ge­spräch zum Bei­spiel. Et­wa über die ar­men Au­to­fah­rer im Stau, an de­nen wir ge­ra­de ge­müt­lich vor­bei­sau­sen. Und kön­nen wir de­ren Leid nicht mehr er­tra­gen, war­tet im­mer noch ein gu­tes Buch. Swant­je Hu­se

BNN-RE­DAK­TEU­RIN Swant­je Hu­se pen­delt täg­lich – und ger­ne.

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