An­griff auf die Kult­mar­ke

Te­sta­ros­sa-Spiel­zeug­ma­cher klagt ge­gen Her­stel­ler Fer­ra­ri

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Frank Christiansen

Düs­sel­dorf. Schau­spie­ler Alain De­lon hat­te ei­nen und Mu­sik­le­gen­de El­ton John auch. Der Fer­ra­ri Te­sta­ros­sa wur­de in Ita­li­en von 1984 bis 1996 ge­baut. Mit bis zu 446 PS und zwölf Zy­lin­dern konn­te der kost­spie­li­ge Bo­li­de aus Ma­ra­nel­lo auf 290 St­un­den­ki­lo­me­ter be­schleu­ni­gen – und er lässt die Her­zen von Au­to-Lieb­ha­bern im­mer noch schnel­ler schla­gen. Doch nun will ein baye­ri­scher Spiel­zeug­fa­bri­kant der Sport­wa­gen­schmie­de den Mo­dell­na­men als Mar­ke ent­zie­hen. Er klagt vor dem Düs­sel­dor­fer Land­ge­richt.

Sei­ne Chan­cen schei­nen gar nicht schlecht. Weil Fer­ra­ri die Mar­ke seit gut 20 Jah­ren nicht mehr nut­ze, sei sie schon längst er­lo­schen, ar­gu­men­tiert Kurt Hes­se (73), der frü­he­re Ei­gen­tü­mer der Car­re­ra-Renn­bahn-Pro­duk­ti­on. In­zwi­schen lei­tet er die Au­tec AG in Nürn­berg und hat die Lö­schung der Mar­ke Te­sta­ros­sa be­an­tragt – beim Deut­schen und beim Eu­ro­päi­schen Mar­ken­amt. Ge­lingt ihm dies, spart er sich die Li­zenz­ge­büh­ren für die Mar­ke. Schon öf­ter ha­be er sich mit Au­to-Her­stel­lern vor Ge­richt ge­strit­ten. „Das ist nicht mehr lus­tig“, sagt er. Ein Au­to-Her­stel­ler ver­die­ne mit Li­zen­zen an Kin­der­spiel­zeug in Chi­na in­zwi­schen mehr als mit sei­nen ei­ge­nen Au­tos.

Die TV-Se­ri­en-Po­li­zis­ten Son­ny Cro­ckett (Schau­spie­ler Don John­son) und Ri­co Tubbs aus „Mia­mi Vice“tru­gen zum Ruhm des Fer­ra­ri Te­sta­ros­sa bei, wenn sie in der fla­chen Flun­der durch Flo­ri­da braus­ten. Soll­te Hes­se Er­folg ha­ben, könn­ten bald wie­der na­gel­neue Te­sta­ros­sas vom Band rol­len – als Spiel­zeu­ge wohl­ge­merkt. Fer­ra­ri wehrt sich ge­gen das An­sin­nen und hat An­wäl­te in Stel­lung ge­bracht. Im­mer­hin sei man nach wie vor mit War­tung, Re­pa­ra­tur und Auf­be­rei­tung der al­ten Te­sta­ros­sas be­schäf­tigt. Doch dies füh­re nicht zum Er­halt der Mar­ke, hat­ten die Rich­ter be­reits in ei­nem Be­schluss aus­ge­führt – zu­mal Fer­ra­ri die­se Di­enst­leis­tun­gen un­ter der Dach­mar­ke Fer­ra­ri er­brin­ge.

Ein­zig das Er­satz­teil­ge­schäft könn­te die Mar­ke im Be­sitz Fer­ra­ris ret­ten. So wur­de über den Öl­fil­ter für den Te­sta­ros­sa dis­ku­tiert. Aber auch in die­sem Punkt schie­nen die Rich­ter nicht über­zeugt. „Es sieht so aus, als ob das Ge­richt un­se­rer Auf­fas­sung ist“, sagt Hes­se. „Aber man weiß ja nie.“Die Fer­ra­riAn­wäl­te hät­ten sich Zeit er­be­ten und in­zwi­schen noch­mal nach­ge­legt. Hes­se kennt den neu­en Schrift­satz, aber: „Aus un­se­rer Sicht än­dert das nichts.“Am mor­gi­gen Mittwoch will das Ge­richt ei­ne Ent­schei­dung ver­kün­den.

RUHMREICHES GE­FÄHRT: Der Fer­ra­ri Te­sta­ros­sa wur­de in Ita­li­en von 1984 bis 1996 ge­baut und durch die Se­rie „Mia­mi Vice“letzt­lich welt­be­rühmt. Nun droht dem ita­lie­ni­schen Her­stel­ler der Ver­lust der Mar­ken­rech­te. Fo­to: dpa

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