Ge­dan­ken­spie­le in vie­le Rich­tun­gen

Vor dem mor­gi­gen Die­sel-Gip­fel ge­hen die Mei­nun­gen wei­ter aus­ein­an­der

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin. Kurz vor dem Ber­li­ner Die­sel­Gip­fel strei­ten Bun­des­re­gie­rung und Par­tei­en wei­ter über die Fol­gen des Ab­gas-Skan­dals für Au­to­fah­rer und In­dus­trie. Of­fen ist, ob die Au­to­bau­er die Ab­gas­rei­ni­gung nur über ein Up­date der Mo­tor-Soft­ware ver­bes­sern oder auch am Au­to selbst nach­rüs­ten müs­sen. Wei­te­re Streit­punk­te sind mög­li­che Kauf­an­rei­ze für neue Die­sel­au­tos und die Ein­füh­rung von Sam­mel­kla­gen ge­gen Kon­zer­ne, an der sich meh­re­re Ver­brau­cher be­tei­li­gen kön­nen.

„Die Bun­des­re­gie­rung wird mit ei­ner ab­ge­stimm­ten Po­si­ti­on in das Na­tio­na­le Fo­rum Die­sel ge­hen“, sag­te ein Spre­cher des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums. Mor­gen kom­men Ver­tre­ter von Bran­che, Bund und Län­dern zu­sam­men, um über Nach­rüs­tun­gen für Die­sel­au­tos zu ver­han­deln. In meh­re­ren Städ­ten dro­hen Fahr­ver­bo­te, weil die Be­las­tung mit ge­sund­heits­schäd­li­chem Stick­oxid deut­lich zu hoch ist. Vor al­lem Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) ist der Mei­nung, dass für die Au­to­bau­er güns­ti­ge­re Soft­ware-Up­dates al­lein nicht rei­chen. Da­durch wird der Stick­oxid-Aus­stoß laut Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um im Schnitt um 40 Pro­zent bis 50 Pro­zent re­du­ziert – der Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) hat­te von 25 Pro­zent ge­spro­chen. Die Deut­sche Um­welt­hil­fe (DUH) for­der­te ei­nen ver­pflich­ten­den Rück­ruf und Nach­rüs­tun­gen für al­le neue­ren Die­sel der Ab­gas­nor­men Eu­ro 5 und Eu­ro 6. Das wür­de die Bran­che ins­ge­samt rund 13,5 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten, schätz­te DUH-Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Resch. Be­trof­fen wä­ren rund neun Mil­lio­nen Pkw in Deutsch­land.

Um­strit­ten sind auch staat­lich fi­nan­zier­te Kauf­an­rei­ze für neue, sau­be­re­re Die­sel – et­wa Steu­er­nach­läs­se oder ei­ne Kauf­prä­mie. „Was nicht sein kann, ist, dass die Politik jetzt wie­der mit Steu­er­geld winkt“, sag­te Rei­ner Holz­na­gel, Prä­si­dent des Bunds der Steu­er­zah­ler, im Deutsch­land­funk zu ent­spre­chen­den Vor­schlä­gen un­ter an­de­rem von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) und des­sen nie­der­säch­si­schem Amts­kol­le­gen Ste­phan Weil (SPD). Die Au­to­in­dus­trie sei in der Pflicht.

Auf das „Ver­ur­sa­cher­prin­zip“in der Die­sel-Af­fä­re poch­te auch Grü­nen­Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­ring-Eckardt. We­der Die­sel­fah­rer noch Steu­er­zah­ler dürf­ten be­las­tet wer­den. Da­mit Ver­brau­cher ih­re Rech­te ge­gen­über Au­to­bau­ern durch­set­zen kön­nen, be­für­wor­ten un­ter an­de­rem SPD und Grü­ne die Mög­lich­keit von Sam­mel­kla­gen. Ei­ne so­ge­nann­te Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge, an der sich meh­re­re Ver­brau­cher be­tei­li­gen kön­nen, „könn­te den Au­to­käu­fern in Deutsch­land be­reits of­fen­ste­hen, wenn CDU/CSU sie nicht in der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode blo­ckiert hät­ten“, sag­te Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD). Vor al­lem das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um von Alex­an­der Do­brindt (CSU) ha­be die Ein­füh­rung ver­hin­dert.

Die Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen tag­te ges­tern in Ber­lin mit Um­welt- und Ver­brau­cher­schüt­zern so­wie dem ADAC, die mor­gen beim Die­sel-Gip­fel nicht mit am Tisch sit­zen. Im An­schluss for­der­te Spit­zen­kan­di­dat Cem Öz­de­mir für den Aus­stieg aus dem Ver­bren­nungs­mo­tor ei­ne Kom­mis­si­on un­ter der Lei­tung von Ex-Um­welt­mi­nis­ter Klaus Töp­fer (CDU). Vor­bild sol­le die Ethik­kom­mis­si­on „Si­che­re Ener­gie­ver­sor­gung“sein, die nach der Atom­ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma 2011 den ge­sell­schaft­li­chen Kom­pro­miss für Atom­aus­stieg und Ener­gie­wen­de vor­be­rei­tet hat­te.

Für Är­ger in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on sorg­te am Mon­tag zu­dem ein Be­richt über Ab­spra­chen zwi­schen Au­to­bau­ern und dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt (KBA), das für Zu­las­sun­gen zu­stän­dig ist und dem Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um un­ter­steht. SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz kri­ti­sier­te: Zwi­schen KBA und Au­to­in­dus­trie herr­sche ei­ne „ab­sur­de Kum­pa­nei“. Te­re­sa Dapp/An­ne-Béatri­ce Clas­mann

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