„Wir woll­ten das In­ter­net in die Welt brin­gen“

Bernd Streh­hu­ber hat mit dem IN­KA-Ver­ein das KA-WLAN erst rich­tig ins Rol­len ge­bracht

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Hol­ger Kel­ler

Karls­ru­he. Fo­to­ter­min in der Schau­burg – Bernd Streh­hu­ber nimmt für das Bild in ei­ner der vor­de­ren Rei­hen Platz. „Hier hat man mit den bes­ten Blick auf die Lein­wand“, er­klärt er. Man darf es ihm glau­ben: Schon un­zäh­li­ge Ma­le saß der Ci­ne­ast in die­sem Ki­no­saal. Als Teil der Cr­ew des Film­fes­ti­vals „In­de­pen­dent Days“hat er schon ei­ni­ge hun­dert Fil­me be­gut­ach­tet, gu­te wie we­ni­ger gu­te. Wür­de er al­le für ein Fes­ti­val ein­ge­reich­ten Fil­me am Stück schau­en wol­len, es wä­ren gut 34 Ta­ge an zu sich­ten­dem Bild­ma­te­ri­al, er­klärt Streh­hu­ber und schmun­zelt. Was kann denn da über­haupt noch be­geis­tern? „Wenn es ein Film schafft, neue Stof­fe und Ide­en auf­zu­grei­fen – das ist schon toll und freut mich.“Schwie­rig ist es al­le­mal, der 44-Jäh­ri­ge ist an­spruchs­vol­ler ge­wor­den. Als der Tech­nik­fach­mann für das Film­fes­ti­val muss er es aber auch sein, das Equip­ment und die zahl­rei­chen For­ma­te, in de­nen Bei­trä­ge ein­ge­reicht wer­den, ha­ben ih­re Tü­cken. „Vor den In­de­pen­dent Days sit­ze ich fünf Ta­ge lang im Ki­no und schaue mir punk­tu­ell Fil­me an, um sie auf Lip­pen­syn­chro­ni­tät hin zu über­prü­fen. Auch klei­ne Un­ter­schie­de zwi­schen Ton und Bild ma­chen mich wahn­sin­nig, das geht gar nicht.“

Es schwingt ein we­nig Nost­al­gie mit, wenn der in Freu­den­stadt Ge­bo­re­ne auf sei­ne ers­ten Jah­re in Karls­ru­he zu­rück­blickt. „Es war nicht al­les per­fekt, wie es lief, aber ich bin froh, wie es dann ge­kom­men ist.“Zu­sam­men mit ei­ner hand­voll Kom­mi­li­to­nen grün­det Streh­hu­ber En­de 1994 den Ver­ein In­di­vi­du­al Net­work Re­gi­on Karls­ru­he, kurz IN­KA. „Ziel war es, Pri­vat­per­so­nen ei­nen be­zahl­ba­ren Zu­gang zum In­ter­net zu ver­schaf­fen“, er­klärt er. 35 D-Mark kos­te­te da­mals das An­ge­bot, zu ei­ner Zeit, in der die meis­ten Men­schen das In­ter­net noch mit Bo­ris Be­cker („Bin ich schon drin?“) und AOL-CDs in Ver­bin­dung brach­ten. Das Netz wur­de noch nicht von al­len ernst­ge­nom­men, Streh­hu­ber aber sah die rie­si­gen Mög­lich­kei­ten, die sich bo­ten. „Ein PC al­lein er­gibt nur we­nig Sinn“, macht er sei­nen Stan­dpunkt klar. „Nur über die Ver­net­zung, die Ge­mein­schaft, lässt sich das Po­ten­zi­al auch ent­fal­ten. Wir woll­ten das In­ter­net in die Welt brin­gen.“Die Hard­ware des Ver­eins fand für die­ses An­lie­gen im Re­chen­zen­trum der Uni­ver­si­tät Platz, die Nut­zer wähl­ten sich über ihr Mo­dem oder die ISDN-Lei­tung dort ein. Für die Ko­ope­ra­ti­on mit dem Re­chen­zen­trum ist er auch heu­te noch dank­bar.

Die Pra­xis funk­tio­nier­te al­so, die Theo­rie in den Vor­le­sun­gen an der Uni­ver­si­tät be­rei­te­te Schwie­rig­kei­ten: „Plan A, das Stu­di­um der In­for­ma­tik, ging nicht auf. Mir war das zu theo­re­tisch, ma­the­ma­tisch hoch an­spruchs­voll. Ir­gend­wann kam die Ex­ma­tri­ku­la­ti­on. Aber ,plan b’ hat funk­tio­niert“, sagt er und spielt da­mit auf sei­ne Fir­ma an, die die­sen Na­men trägt. 1995, nach­dem er das Stu­di­um ab­ge­bro­chen hat­te, macht er sich selbst­stän­dig, ar­bei­tet mit sei­nem Un­ter­neh­men und Part­nern viel im Auf­trag der Deut­schen Te­le­kom am Zu­gang zum In­ter­net über das da­ma­li­ge BTX-Sys­tem, das da­mals vor al­lem vom Staats­un­ter­neh­men pro­te­giert wur­de. Streh­hu­ber sagt mit ei­nem Schmun­zeln: „An das En­de von BTX hat bei de­nen nie­mand glau­ben wol­len, das In­ter­net hin­ge­gen war erst ein­mal nicht wich­tig ge­nug für ei­ne ei­ge­ne Ab­tei­lung.“Erst 1997, so Streh­hu­ber, hat­te sich die Ein­stel­lung ge­än­dert. „Als dann En­de der 90er DSL ein­ge­führt wur­de, sa­hen wir uns bei IN­KA von der tech­ni­schen Ent­wick­lung über­rollt.“

Der Ver­ein exis­tiert aber heu­te noch. Das KA-WLAN gä­be es oh­ne ihn ver­mut­lich erst sehr viel spä­ter: „2003 sa­ßen wir zu­sam­men im Ho­e­pfner Bier­gar­ten und frag­ten uns, war­um wir ei­gent­lich an die­sem Ort nicht auch das uni­ver­si­tä­re WLAN Netz be­nut­zen konn­ten. Wir kann­ten ei­nen Brau­meis­ter bei Ho­e­pfner, und nach re­la­tiv kur­zer Zeit hat­ten wir dort den ers­ten Ac­cess Po­int für das IN­KA-WLAN. Auch am Markt­platz ent­stand ein Zu­gang, der von den Stu­die­ren­den mit­be­nutzt wer­den konn­te.“2004 zum Stadt­ge­burts­tag rea­li­sier­te Streh­hu­ber dann zu­sam­men mit der Uni­ver­si­tät das ers­te grö­ße­re WLAN auf der in­ner­städ­ti­schen Festach­se. „Zack, da war es!“Dau­er­haft sah die Stadt je­doch kei­nen Nut­zen dar­in und bat um den Rück­bau nach den Fei­er­lich­kei­ten. „Das ging 2006 und 2008 dann wie­der ge­nau­so. Ir­gend­wann hat­te ich dann auch tat­säch­lich die Lust dar­an ver­lo­ren.“Die Markt­ein­füh­rung des iPho­nes än­der­te die Si­tua­ti­on: „Der Be­darf an mo­bi­len Zu­gän­gen wuchs. Und als dann 2013 Pforz­heim das ers­te in­ner­städ­ti­sche WLAN ein­rich­te­te, kam der Ball auch in Karls­ru­he ins Rol­len. Grund­la­ge des Aus­baus war die lang­jäh­ri­ge Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen IN­KA und dem KIT.“Mitt­ler­wei­le sind zahl­rei­che wei­te­re Part­ner über das ge­sam­te Stadt­ge­biet hin­weg am Er­folg be­tei­ligt.

Als Selbst­stän­di­ger sucht sich Streh­hu­ber im­mer wie­der neue Pro­jek­te in der Re­gi­on. Es ist wie im Ki­no: Er sucht nach der Idee, die ihn fas­zi­niert.

LIEB­LINGS­PLATZ KINOSESSEL: Bernd Streh­hu­ber ist häu­fi­ger in der Schau­burg zu Gast, auch als Ju­ror beim Film­fes­ti­val „In­de­pen­dent Days“. Au­ßer­dem ist er ei­ner der Ma­cher hin­ter KA-WLAN. Fo­to: Fa­b­ry

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