Sha­ke­speare bie­tet Wöl­fen die Stirn

Schä­fer set­zen auf La­mas zur Ab­schre­ckung

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT -

Cham­pil­lon (dpa). Sha­ke­speare ist auf der Schwei­zer Alp Cham­pil­lon im Kan­ton Waadt gut ei­ne St­un­de ober­halb des Gen­fer Sees im Ein­satz. Sha­ke­speare ist ein La­ma, kann hys­te­risch wie­hern und wacht über rund 350 Scha­fe. „Für Hun­de und Men­schen ist es ziem­lich ein­schüch­ternd, wenn Sha­ke­speare sie an­starrt“, sagt die Schä­fe­rin Claudine Mo­nard. So ab­schre­ckend soll er aber vor al­lem auf Wöl­fe wir­ken.

Seit die sich von Ita­li­en und Frank­reich kom­mend wie­der in den Al­pen aus­brei­ten, herrscht Alarm auf den Schwei­zer Wei­den. 30 bis 40 Wöl­fe gibt es in­zwi­schen, Ten­denz: stei­gend. Gleich­zei­tig sind et­wa die Hälf­te der 350 000 Scha­fe in der Schweiz in den Som­mer­mo­na­ten auf der Alp. Je­des Jahr geht es dort blu­ti­ger zu: 2014 ris­sen Wöl­fe knapp 22 Nutz­tie­re, 2015 schon 322 und 2016 wa­ren es min­des­tens 397. Die Bau­ern schaff­ten erst Her­den­schutz­hun­de an. Aber das schaff­te neue Pro­ble­me: Die Hun­de emp­fin­den auch Wan­de­rer und Rad­fah­rer als Be­dro­hung, bel­len sie an und bei­ßen manch­mal zu. So sprang der Be­sit­zer von Mo­nards Schaf­her­de so­fort an, als die Schweiz La­mas im Her­den­schutz zu tes­ten be­gann. „La­mas sind bo­den­scho­nen­de, krank­heits­re­sis­ten­te Rau­fut­ter­ver­zeh­rer, ein an­ge­nehm ru­hi­ges Tier“, preist ein La­ma-Züch­ter die Ka­mel-Tie­re, die in den An­den zu Hau­se sind. Rund 3 000 gibt es heu­te in der Schweiz – die meis­ten schüt­zen kei­ne Scha­fe.

Mo­nard hel­fen zu­dem zwei Hun­de. De­ren Job ist es, die Scha­fe zu­sam­men­zu­hal­ten und zu neu­en Wei­de­plät­zen zu füh­ren. An­füh­rer der Her­de ist aber Sha­ke­speare. Ob er schon ein­mal ei­nen Wolf in die Flucht ge­schla­gen hat, weiß nie­mand. Der Nach­weis ist na­tur­ge­mäß schwer. Seit 2012 hat es in la­ma­ge­schütz­ten Her­den drei Zwi­schen­fäl­le ge­ge­ben: Auf groß­flä­chi­gen Area­len kommt das La­ma schnell an den An­schlag, es funk­tio­niert eben vi­su­ell. Pro­ble­ma­tisch ist zu­dem ein Grund­kon­flikt mit der Tier­schutz­be­we­gung. Sie ver­langt, dass Tie­re min­des­tens zu zweit ge­hal­ten wer­den müss­ten. Das re­du­ziert aber den Schutz­in­stinkt.

LA­MA UN­TER SCHA­FEN: Da sie wie­hern, star­ren und spu­cken kön­nen, wird La­mas ei­ne ab­schre­cken­de Wir­kung auf Hun­de, Men­schen und Wöl­fe zu­ge­schrie­ben. Fo­to: dpa

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