Was­ser­werk­be­trei­ber zer­bre­chen sich die Köp­fe

In Fließ­ge­wäs­ser ge­lei­te­tes Kon­zen­trat mit Che­mi­ka­li­en be­rei­tet Pro­ble­me / Auf­wen­di­ge Zu­satz­rei­ni­gung

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Karls­ru­he. Die neu ge­fass­te Ver­ord­nung zum Schutz der Ober­flä­chen­ge­wäs­ser wird ei­ni­ge Was­ser­wer­ke vor Pro­ble­me bei der Ge­neh­mi­gung stel­len, so Jo­sef Klin­ger, Ge­schäfts­füh­rer des Tech­no­lo­gie­zen­trums Was­ser (TZW) in Karls­ru­he. Bei der Su­che nach Lö­sun­gen soll­ten aber auf kei­nen Fall die Grenz­wer­te für ge­fähr­li­che Che­mi­ka­li­en oder Schad­stof­fe in­fra­ge ge­stellt wer­den, stellt Klin­ger klar. Viel­mehr müs­se ge­mein­sam nach ein­heit­li­chen Stan­dards für die Über­prü­fung der Vor­ga­ben und die Ver­ein­bar­keit von was­ser­recht­li­chen und na­tur­schutz­recht­li­chen In­ter­es­sen ge­sucht wer­den. Am 17. Ok­to­ber be­schäf­tigt sich die jähr­li­che TZW-Dis­kus­si­ons­rei­he mit die­sem The­ma. „Durch den Aus­tausch mit Ex­per­ten wol­len wir We­ge aus dem der­zei­ti­gen Di­lem­ma fin­den“, be­tont Klin­ger, „denn sonst ist in man­chen Re­gio­nen am En­de so­gar die Ver­sor­gungs­si­cher­heit ge­fähr­det“.

Pro­ble­me bei der Ge­neh­mi­gung be­kom­men nach Ein­schät­zung von TZWMit­ar­bei­ter Frank Sa­cher künf­tig vor al­lem Was­ser­wer­ke mit ge­plan­ten Um­keh­ro­s­mo­se­an­la­gen. In die­sen An­la­gen wird das Was­ser un­ter Druck durch ei­ne Mem­bran ge­lei­tet und ge­fil­tert. Da­durch wird das Was­ser so­wohl von Mi­ne­ra­li­en wie Kal­zi­um und Ma­g­ne­si­um als auch von mög­li­chen Che­mi­ka­li­en be­freit. Wäh­rend das ge­fil­ter­te und ent­här­te­te Per­meat di­rekt zu Trink­was­ser wei­ter auf­be­rei­tet wird, muss das mit Mi­ne­ra­li­en und Che­mi­ka­li­en an­ge­rei­cher­te Kon­zen­trat in Fließ­ge­wäs­ser ab­ge­lei­tet wer­den. „Dort wer­den bei re­gel­mä­ßi­gen Mes­sun­gen die Grenz­wer­te über­prüft“, sagt Sa­cher. Ge­ra­de die per­und po­ly­fluo­rier­ten Che­mi­ka­li­en PFC be­rei­ten hier­bei ein­zel­nen Was­ser­wer­ken schon län­ger Kopf­zer­bre­chen. Der Ein­satz die­ser Che­mi­ka­li­en ist zwar schon län­ger ver­bo­ten, doch weil sie vor we­ni­gen Jah­ren noch in Lösch­schäu­men und zur Pa­pier­her­stel­lung ein­ge­setzt wur­den, sind Spu­ren da­von im­mer noch im Grund­was­ser nach­weis­bar. Vor al­lem im Land­kreis Ras­tatt und in Ba­den-Ba­den hat sich die Si­tua­ti­on noch ein­mal ver­schärft. Weil dort Gra­tis­kom­post mit Res­ten aus Pa­pier­müll als Dün­ger auf zahl­rei­che Fel­der ge­bracht wur­de, gel­ten dort mitt­ler­wei­le 487 Hekt­ar Flä­che als mit PFC be­las­tet.

Nach Sa­chers Er­fah­rung ha­ben je­doch meh­re­re Fak­to­ren gro­ßen Ein­fluss auf die Mes­s­er­geb­nis­se. Die­se kön­nen auch we­gen der un­ter­schied­li­chen Was­ser­men­ge in den ein­zel­nen Fließ­ge­wäs­sern stark va­ri­ie­ren und bei klei­ne­ren Fluss­läu­fen sor­gen so­gar meh­re­re Re­gen­ta­ge oder ei­ne kur­ze Tro­cken­pe­ri­ode für un­ter­schied­li­che Wer­te. „Au­ßer­dem soll­te auch fest­ge­legt wer­den, wel­che Tie­ro­der Pflan­zen­ar­ten zu be­trach­ten sind“, be­tont Sa­cher. Denn auch nach jah­re­lan­gem Be­trieb von groß­tech­ni­schen Um­keh­ro­s­mo­se­an­la­gen lä­gen bis­lang noch kei­ne Hin­wei­se auf nach­tei­li­ge Ve­rän­de­run­gen in der Ge­wäs­ser­öko­lo­gie vor. „Trotz­dem stößt die Ge­neh­mi­gung sol­cher An­la­gen im­mer wie­der auf Wi­der­stand“, so Sa­cher, und ei­ne zu­sätz­li­che Rei­ni­gung des Kon­zen­trats sei tech­nisch sehr auf­wen­dig.

Vom Dis­kus­si­ons­fo­rum er­hofft sich Klin­ger vie­le Lö­sungs­an­sät­ze. Fest­le­gung und Ein­hal­tung der Grenz­wer­te füh­ren nach sei­ner Er­fah­rung näm­lich im­mer wie­der zu recht skur­ri­len Si­tua­tio­nen. „Bei man­chen Stof­fen sind die Grenz­wer­te für Fließ­ge­wäs­ser stren­ger als die fürs Trink­was­ser“, so Klin­ger, „und das be­deu­tet dann im Um­kehr­schluss, dass selbst Trink­was­ser nicht oh­ne Ein­schrän­kun­gen in ei­nen Fluss­lauf ein­ge­lei­tet wer­den darf.“

TZW will We­ge aus dem Di­lem­ma fin­den

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