Bis­wei­len über­trumpft sie das Orches­ter

Ca­the­ri­ne Fos­ter als Brünn­hil­de ist der Star der Bay­reu­ther „Wal­kü­re“-Pre­mie­re

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Auf die grell­bun­te Tank­stel­len-Ku­lis­se aus dem „Rhein­gold“folgt bei der „Wal­kü­re“ei­ne düs­te­re Öl­för­der­an­la­ge als Sze­ne­rie – der op­ti­sche Bruch zwi­schen den bei­den ers­ten Tei­len des „Ring des Ni­be­lun­gen“in der Ins­ze­nie­rung von Frank Cas­torf könn­te kaum grö­ßer sein. Das ver­bin­den­de Ele­ment ist das Öl, das Cas­torf als das neu­zeit­li­che Ni­be­lun­gen­gold ver­stan­den wis­sen will.

Auf das Oper­n­er­leb­nis wirkt sich die Ku­lis­se je­doch selt­sam we­nig aus. Das En­sem­ble könn­te ge­nau­so gut in ei­nem Sä­ge­werk oder sonst­wo plat­ziert sein. Die ge­sang­li­che und mu­si­ka­li­sche Dar­bie­tung ste­hen im Vor­der­grund. Und das wird vom Pu­bli­kum bei der Pre­mie­re der „Wal­kü­re“bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len ho­no­riert. Kommt das „Rhein­gold“wie ein schril­les Ma­fia-Mu­si­cal da­her, star­tet die „Wal­kü­re“er­staun­lich re­du­ziert. Im Fo­kus des ers­ten Ak­tes: das Auf­ein­an­der­tref­fen der Zwil­lin­ge Sieg­lin­de (Ca­mil­la Nyl­und) und Sieg­mund (Chris­to­pher Ven­tris). Sieg­mund, auf der Flucht vor sei­nem In­tim­feind Hun­ding (Ge­org Zep­pen­feld), lan­det bei Un­wet­ter just in des­sen Haus. Für das Orches­ter un­ter der Lei­tung von Marek Ja­now­ski ein fu­rio­ser Auf­takt. Pau­ken und Blech­blä­ser ge­ben ein be­droh­li­ches Don­ner­grol­len und Blitz­ge­wit­ter ab. Hun­dings un­glück­li­che Frau Sieg­lin­de reicht dem ihr (noch) Un­be­kann­ten et­was zu Trin­ken. Und das ge­fühl­vol­le Cel­lo-So­lo kün­digt die sich an­bah­nen­de Lie­be der bei­den an. Dass sie Ge­schwis­ter sind, er­ken­nen sie erst spä­ter. Für sei­ne ein­dring­li­che Dar­bie­tung wird das Duo Nyl­und und Ven­tris am En­de des sich et­was in die Län­ge zie­hen­den ers­ten Ak­tes stür­misch ge­fei­ert.

Nyl­und ist der Pu­bli­kums­lieb­ling. Der im ver­gan­ge­nen Jahr be­ju­bel­te Ge­org Zep­pen­feld als Hun­ding bleibt er­staun­lich un­auf­fäl­lig. Die Stars des Abends sind ein­deu­tig: Ca­the­ri­ne Fos­ter als Brünn­hil­de und John Lund­gren als de­ren Va­ter Wo­tan. Im wei­t­aus schwung­vol­le­ren zwei­ten Akt steht die brü­chi­ge Va­ter-Toch­ter-Be­zie­hung im Vor­der­grund. Die So­pra­nis­tin Fos­ter gilt nicht oh­ne Grund als ei­ne der bes­ten Brünn­hil­de-Sän­ge­rin­nen. Mit ih­rer Stimm­ge­walt und Büh­nen­prä­senz wird sie wohl als die zen­tra­le Fi­gur des Abends in Er­in­ne­rung blei­ben. Bis­wei­len singt sie das fu­ri­os auf­spie­len­de Orches­ter an die Wand. Lund­gren be­ein­druckt als Wo­tan und ist Fos­ter ein eben­bür­ti­ger Ge­gen­part. Wild wird es im drit­ten Akt, als die Wal­kü­ren kess la­chend durch die Ku­lis­se wir­beln und da­bei Wal­hall auf­mi­schen, den Ort, an den sie ge­fal­le­ne Kriegs­hel­den brin­gen. Im Kol­lek­tiv ent­fal­ten die Wal­kü­ren ei­ne gro­ße ge­sang­li­che Wucht – zu­mal be­glei­tet von Wa­g­ners be­rühm­tem Wal­kü­ren­ritt.

Lei­den­schaft­lich und tem­pe­ra­ment­voll spielt das Orches­ter un­ter Di­ri­gen­tenAlt­meis­ter Marek Ja­now­ski, der in sei­ner zwei­ten Sai­son in Bay­reuth vom Pu­bli­kum zu Recht ge­fei­ert wird. Re­giePro­vo­ka­teur Cas­torf zeigt auch bei der „Wal­kü­re“das Ge­sche­hen par­al­lel auf Lein­wän­den – als Schwarz­weiß-Se­quen­zen wie zur Stumm­film­zeit. An­ge­sichts der so­wie­so schon gi­gan­ti­schen Ku­lis­se len­ken die Vi­deo­auf­nah­men eher ab und ge­ben bis­wei­len Rät­sel auf.

2018 soll­te ei­gent­lich ei­ne „Ring“-freie Sai­son wer­den. Je­doch ver­kün­de­te Fest­spiel­lei­te­rin und Kom­po­nis­ten-Uren­ke­lin Kat­ha­ri­na Wa­gner die­ser Ta­ge, dass es dann noch drei Auf­füh­run­gen der Cas­torf-„Wal­kü­re“ge­ben wird, mu­si­ka­lisch ge­lei­tet von Spa­ni­ens Opern­star Pla­ci­do Do­m­in­go. Dass nur ei­ne der vier „Ring“-Opern auf­ge­führt wird, hat es in der Ge­schich­te der Fest­spie­le noch nicht ge­ge­ben. Ute Wes­sels

DER TI­TEL­HEL­DIN EBEN­BÜR­TIG: John Lund­gren als Wo­tan wur­de ge­mein­sam mit Ca­the­ri­ne Fos­ter vom Pre­mie­ren­pu­bli­kum in Wa­g­ners Mu­sik­dra­ma „Die Wal­kü­re“in Bay­reuth be­ju­belt. Fo­to: dpa

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