„Wir kön­nen uns das nicht er­klä­ren“

Un­ter­su­chun­gen nach Seil­bahn­not­fall in Köln / OB Re­ker for­dert de­tail­lier­ten Be­richt

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jo­nas-Erik Schmidt

Köln. Nach der spek­ta­ku­lä­ren Ret­tung von 65 Men­schen aus der fest­ge­fah­re­nen Köl­ner Seil­bahn über dem Rhein steht die Feh­ler­su­che noch am An­fang. „Wir kön­nen es uns im Mo­ment ab­so­lut nicht er­klä­ren“, sag­te Tho­mas Mie­bach, Ge­schäfts­füh­rer der Seil­bahn, ges­tern. Ein für Mon­ta­ge­wa­gen ge­dach­tes Hilfs­seil sei rund drei­ein­halb Me­ter in ei­ne Rich­tung aus­ge­schla­gen und ha­be sich da­bei an ei­ner Ka­bi­ne ver­fan­gen – die sich ver­keil­te und die gan­ze Bahn durch den Not-Stopp zum Still­stand brach­te. War­um aber die­ses Seil so nah an ei­ne Gon­del her­an­kom­men konn­te, sei noch völ­lig un­klar.

Nach der Ha­va­rie am Wo­che­n­en­de hat­ten Hö­hen­ret­ter 65 Men­schen aus der still­ste­hen­den Bahn in Si­cher­heit brin­gen müs­sen. Da ein Groß­teil der 32 Ka­bi­nen über dem Rhein fest­hing, muss­ten vie­le Fahr­gäs­te auf ein Feu­er­wehr­schiff ab­ge­seilt wer­den. Nach An­ga­ben der Köl­ner Ver­kehrs-Be­trie­be wur­de nie­mand ver­letzt. Ein Mann wur­de vor Ort we­gen Kreis­lauf­pro­ble­men be­han­delt, wie die Feu­er­wehr mit­teil­te. Die Köl­ner Ver­kehrs-Be­trie­be (KVB), zu de­nen die Seil­bahn ge­hört, schal­te­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits den TÜV Rhein­land und ei­nen ex­ter­nen Gut­ach­ter zur Ur­sa­chen­for­schung ein. Be­vor es kei­ne Klar­heit ge­be, wer­de die Seil­bahn nicht wie­der in Be­trieb ge­nom­men.

Im Mit­tel­punkt der Un­ter­su­chung steht da­bei das ei­gent­lich in der Mit­te der Bahn ver­lau­fen­de Hilfs­seil, das „Cor­pus De­lic­ti“, wie es KVB-Vor­stand Jörn Schwar­ze in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz nann­te. Es hat­te sich ei­ner im Nor­mal­fall meh­re­re Me­ter ent­fern­ten Gon­del so sehr ge­nä­hert, dass es sich um sie wi­ckel­te und so den Not-Stopp aus­lös­te. In­di­zi­en, dass der Wind ei­ne ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt ha­ben könn­te, gibt es laut KVB ak­tu­ell nicht. Die am Sonn­tag ge­mes­se­nen Wind­ge­schwin­dig­kei­ten hät­ten zu kei­nem Zeit­punkt den zu­läs­si­gen Grenz­wert er­reicht, sag­te Vor­stand Schwar­ze. Aber ak­tu­ell schlie­ße man kei­ne Mög­lich­keit aus. Die Bahn sei auch erst zwei Ta­ge zu­vor ge­war­tet wor­den. Die Sei­le ha­be man 2014 und 2015 er­neu­ert. Die KVB be­stä­tig­te, dass an der ver­keil­ten Ka­bi­ne nur Ta­ge zu­vor ei­ne Ret­tungs­Übung statt­ge­fun­den hat­te. Das sei aber rei­ner Zu­fall. Die Ver­kehrs-Be­trie­be kün­dig­ten an, auf die be­trof­fe­nen Fahr­gäs­te zu­ge­hen und ih­nen ei­ne Wie­der­gut­ma­chung an­bie­ten zu wol­len. Auch wer­de man dar­über dis­ku­tie­ren, die Ka­bi­nen mit ei­ner Mög­lich­keit aus­zu­stat­ten, Kon­takt zum Bo­den auf­zu­neh­men. Bei dem Zwi­schen­fall war es nur über Um­we­ge ge­lun­gen, mit den fest­sit­zen­den Fahr­gäs­ten zu spre­chen. Man er­rei­che ja auch je­den Stadt­bahn­wa­gen über Funk, sag­te Schwar­ze. Auch bei der in­zwi­schen 60 Jah­re al­ten Seil­bahn sei das mög­lich. In der Bi­lanz sag­te Schwar­ze, der Sonn­tag sei „kein schö­ner Tag“ge­we­sen. Men­schen hät­ten ei­ne ent­spann­te Tour über den Rhein ma­chen wol­len. „Dass das nicht ent­spannt ab­ge­lau­fen ist, da­für tra­gen wir als Be­trei­ber der Köl­ner Seil­bahn die Ver­ant­wor­tung.“

Der Di­rek­tor der Köl­ner Feu­er­wehr, Jo­han­nes Fey­rer, sag­te, die Ret­tung sei nicht un­ge­fähr­lich ge­we­sen. „Es hat funk­tio­niert, wir sind froh und dank­bar.“Kölns OB Hen­ri­et­te Re­ker (par­tei­los) for­der­te von der KVB ei­nen „de­tail­lier­ten Be­richt zu die­sem – man muss lei­der sa­gen – er­neu­ten Ver­sa­gen“.

„Ret­tung war nicht un­ge­fähr­lich“

AL­LES STEHT STILL: Nach dem ge­fähr­li­chen Zwi­schen­fall ist der Be­trieb der Köl­ner Seil­bahn vor­erst ein­ge­stellt wor­den. Fo­to: dpa

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