Nach Ge­hör

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Ich bin mir si­cher, dass ich kei­ne Le­se- und Recht­schrei­bschwä­che ha­be, doch ich fra­ge mich, war­um es mir im­mer wie­der pas­siert, dass ich beim Nie­der­schrei­ben be­stimm­ter Wör­ter mir nicht si­cher bin, wie man sie rich­tig schreibt. Es sind im­mer die­sel­ben Wör­ter, die mich zau­dern las­sen.

Ei­nes da­von ist der Na­me ei­nes Lan­des in Nord­afri­ka. Schreibt sich das Land Li­by­en oder Ly­bi­en? Ich ver­ge­wis­se­re mich durch ei­nen Blick in mei­nen al­ten At­las, dass die rich­ti­ge Schreib­wei­se Li­by­en ist. Lei­der ist beim nächs­ten Mal wie­der der Blick in den At­las fäl­lig. Kön­nen Psy­cho­lo­gen das er­klä­ren?

Eben­so ver­flixt ist die Schreib­wei­se ei­nes Wor­tes, das mit Mu­sik zu tun hat. Schreibt man Ryth­mus, Rhyt­mus oder Rhyth­mus?

Manch­mal schrei­be ich die Mög­lich­kei­ten un­ter­ein­an­der, um durch blo­ße An­schau­ung her­aus­zu­fin­den, wie das Wort rich­tig ge­schrie­ben wird, nach dem Mot­to: Was wirkt auf mich rich­tig?

Die­se Me­tho­de ist al­ler­dings nicht zu emp­feh­len, Ge­fühl hat nichts, aber auch gar nichts mit Or­tho­gra­fie zu tun.

Üb­ri­gens schrei­ben et­was äl­te­re Men­schen nicht Or­tho­gra­fie son­dern Or­tho­gra­phie, ge­mäß der Her­kunft des Wor­tes aus dem Grie­chi­schen: or­thos = rich­tig, grap­hein = schrei­ben.

Sol­che Sor­gen ha­ben die Kin­der nicht, die nach dem Prin­zip „Schrei­ben nach Ge­hör“un­ter­rich­tet wer­den. Da ist dann zum Bei­spiel zu le­sen: „Di foir­wer re­te­te ei­ne oi­le aus dem Stal.“Von die­ser Schreib­wei­se ist es re­la­tiv weit bis zur Recht­schrei­bung nach Kon­rad Du­den.

Kri­ti­scher Ein­wurf mei­ner Frau: „Was ist mit dem Schrei­ben in Mun­d­art? Das ist doch auch Schrei­ben nach Ge­hör, oder nicht?“Ot­mar Schnurr

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