Noch pe­ni­bler als der Chef

Dop­pel­por­trait mit Fried­hofs­gärt­ner Chris­tof Hil­li­gardt und Ns­in­du Ka­bui­ku

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Die bei­den ver­ste­hen sich: „Wir sind das bes­te Team“, sagt Ns­in­du Ka­bui­ku im Film und grinst. Von dem Mann, der ne­ben ihm steht kom­men kei­ne Wi­der­wor­te, son­dern eben­falls ein Grin­sen. Der Pforz­hei­mer Fried­hofs­gärt­ner Chris­tof Hil­li­gardt weiß of­fen­bar, was er an sei­nem aus dem Kon­go stam­men­den Mit­ar­bei­ter hat, den al­le nur „Sef­fi“nen­nen. We­gen sei­nes ur­sprüng­li­chen, eu­ro­päi­schen Na­mens Sera­fin, der aber dann „vom Dik­ta­tor“ver­bo­ten wur­de. „Jetzt wie­der er­laubt“, sagt Ns­in­du Ka­bui­ku am Sonn­tag im Kom­mu­na­len Ki­no. Der Mann, der vor 17 Jah­ren nach Pforz­heim kam, dann ab­ge­scho­ben wur­de und im Kon­go im Ge­fäng­nis lan­de­te, be­vor er En­de 1997 end­gül­tig hier Fuß fas­sen konn­te, sitzt ne­ben sei­nem Chef auf der Büh­ne. Die bei­den wer­den von Mir­ze­ta Haug in­ter­viewt, der Lei­te­rin der Rei­he „Die Mi­schung macht’s“. An acht Ter­mi­nen wer­den die Kurz­fil­me ge­zeigt, die die Zu­schau­er mit dem Le­ben an­de­rer Pforz­hei­mer in Be­rüh­rung brin­gen. Es sind je­weils Dop­pel­por­traits, nicht mit nur Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund.

Viel Ap­plaus be­kommt Alex­an­der Bam­bach für sei­nen Film. Der jun­gen Mann hat schon vor acht Jah­ren bei der ers­ten „Mi­schung“mit­ge­mischt. Heu­te stu­diert er in München Me­di­en­ge­stal­ter und ist frei­schaf­fen­der Fil­me­ma­cher. Er freut sich, dass er da­bei sein kann. „Wir ha­ben ihn ver­misst, als er dann wie­der weg war“, sagt Chris­tof Hil­li­gardt. Sechs Ta­ge lang spiel­te Bam­bach Mäu­schen, hielt mit der Ka­me­ra drauf und ern­te­te sie­ben St­un­den Film­ma­te­ri­al, die er dann auf ei­ne hal­be St­un­de kürz­te. Das Er­geb­nis ver­mit­telt ei­nen gu­ten Ein­druck von der Ar­beit „Sef­fis“und dem Mit­ein­an­der der bei­den Haupt­per­so­nen. Ns­in­du Ka­bui­kus Froh­na­tur bringt die Zu­schau­er im gut ge­füll­ten Ki­no­saal am Schloss­berg im­mer wie­der zum La­chen. Nur manch­mal bli­cken sei­ne Au­gen trau­rig, wenn er von sei­ner ehe­ma­li­gen Hei­mat spricht, in der er „Angst“ha­ben muss­te. „Ge­fäng­nis war hart“, viel mehr sagt er nicht über das ei­ne Jahr, das er im Kon­go hin­ter Git­tern ver­brin­gen muss­te, nach­dem er in Pforz­heim ab­ge­scho­ben wor­den war. Zu­rück kehr­te er mit ei­ner Frau und ei­nem Ba­by. In­zwi­schen hat er fünf Kin­der und pflanzt im ei­ge­nen Gar­ten afri­ka­ni­sches Ge­mü­se an.

Und Chris­tof Hil­li­gardt? Er ha­be auch schon mal dar­an ge­dacht, Pforz­heim zu ver­las­sen. Aber da ist ja noch der seit Jahr­zehn­ten ge­führ­te Fa­mi­li­en­be­trieb. „Ich füh­le mich jetzt sehr wohl hier“, sagt der 60-Jäh­ri­ge, der ei­ne bun­te Trup­pe um sich ge­schart hat. Die Hälf­te sei­ner Mit­ar­bei­ter hat ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Als 2015 ins­ge­samt 100 Flücht­lin­ge in der Not­un­ter­kunft um die Ecke un­ter­ge­bracht wur­den hat er sie zu­sam­men mit den Nach­barn be­grüßt und je­dem ei­ne Ro­se in die Hand ge­drückt. Sein ei­ge­nes Team mach­te bei ei­nem Mit­ar­bei­terFest mit­ein­an­der be­kannt. Sein „Sef­fi“hat sich mit dem Satz „Ich möch­te ei­ne gu­te Ar­beit ab­lie­fern“in­itia­tiv be­wor­ben. „Und der Satz stimmt“, sagt Hil­li­gardt über sei­nen „pe­ni­blen“Mit­ar­bei­ter. Aber er räumt auch gern ein, dass in Zei­ten des Per­so­nal­man­gels je­de gu­te Kraft ge­braucht wer­de.

Und der Fil­me­ma­cher? Was nimmt er mit? „Dass Of­fen­heit das Wich­tigs­te ist“, sagt Alex­an­der Bam­bach wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen. „Je­der muss aus sei­ner Kom­fort­zo­ne her­aus und auf den an­de­ren zu­ge­hen.“

GE­SCHICH­TEN AUS PFORZ­HEIM: Pro­jekt­lei­te­rin Mir­ze­ta Haug, Darstel­ler Ns­in­du Ka­bui­ku und Chris­tof Hil­li­gardt, Re­gis­seur Alex­an­der Bam­bach. Fo­to: Wa­cker

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