„In­dus­tri­el­le Aus­ma­ße“

Wei­te­re Zeu­gen im Pro­zess um gro­ßen Gold­schwund

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

vie. Die er­war­te­ten Plä­doy­ers im Pro­zess um ei­nen ekla­tan­ten Schwund an Gold­bä­dern und gold­hal­ti­ge St­anz­ab­fäl­le wur­den nicht ge­hal­ten. Statt­des­sen wur­den vor der Aus­wär­ti­gen Gro­ßen Straf­kam­mer ges­tern drei Zeu­gen ge­hört. Zwei wa­ren Mit­ar­bei­ter der be­stoh­le­nen Fir­ma, die Ab­läu­fe in der Pro­duk­ti­on schil­der­ten. Dem­nach gibt es 15 Gold­bä­der, al­le im Werk I. Um gleich­blei­ben­de Qua­li­tät zu si­chern, muss im­mer ein­mal wie­der Gold­salz nach­ge­füllt wer­den. Eben­falls wird ver­dampf­te Flüs­sig­keit nach­ge­füllt. Falls ei­nes der Bä­der über­läuft, was höchs­tens ein­mal im Mo­nat der Fall sein dürf­te, so der Mit­ar­bei­ter, wird die Flüs­sig­keit in Roll­bä­dern auf­ge­fan­gen, be­glei­tet von Alarm.

Auf­merk­sam wur­de man in der Fir­ma, als die Gold­re­ser­ven zur Nei­ge gin­gen. Der höchs­te Schwund war in den drei Bä­dern zu ver­zeich­nen, für die der 33-jäh­ri­ge An­ge­klag­te Mar­tin A. (Na­men der An­ge­klag­ten ge­än­dert) zu­stän­dig war. Die Fir­ma er­stat­te­te An­zei­ge.

Wie der Haupt­sach­be­ar­bei­ter der Kri­mi­nal­po­li­zei schlüs­sig schil­der­te, war bei der Fir­men­lei­tung fest­ge­stellt wor­den, dass seit De­zem­ber 2015 bis No­vem­ber 2016 rund 100 Ki­lo­gramm Gold fehl­ten. Der Wert lag bei rund drei Mil­lio­nen Eu­ro. Ein Tat­ver­dacht rich­te­te sich ge­gen Mar­tin A. Kol­le­gen hat­ten be­ob­ach­tet, wie die­ser gold­hal­ti­ge Flüs­sig­keit aus ei­nem der Bä­der in ei­nen Ka­nis­ter ab­füll­te. Die Kol­le­gen kenn­zeich­ne­ten den Be­häl­ter. Am En­de der Schicht war er ver­schwun­den.

Am 29. No­vem­ber 2016 – in­zwi­schen war ei­ne Über­wa­chungs­ka­me­ra in­stal­liert wor­den –, war zu se­hen, wie der An­ge­klag­te Enim B. (42) eben die­sen Ka­nis­ter auf den Ga­bel­stap­ler lud und zum Nach­bar­grund­stück brach­te. Von dort wur­de er von ei­ner wei­te­ren Per­son ab­ge­holt. Am 9. De­zem­ber fuhr Enim B. wei­te­re drei Ka­nis­ter zum Nach­bar­grund­stück. Im Zaun klaff­te ein rie­si­ges Loch, durch das die Be­hält­nis­se ge­hievt wur­den (wir be­rich­te­ten). Die­se drei wur­den zum An­ge­klag­ten Ste­vo C. (49) ge­bracht. Zu se­hen war auf dem Vi­deo der Über­wa­chungs­ka­me­ra au­ßer­dem, dass drei­mal ge­gen 6 Uhr ein Sprin­ter ins Fir­men­ge­län­de roll­te und in ei­ner hin­te­ren Ecke be­la­den wur­de. Und zwar von Enim B. Ge­mie­tet wor­den wa­ren die Sprin­ter von Ste­vo C. und Me­tim B. (35), dem Bru­der Enims. Te­le­fo­na­te zwi­schen bei­den wa­ren ab­ge­hört wor­den. Es war im­mer ein ähn­li­cher Wort­laut: „Kannst kom­men, das Ma­te­ri­al ist da“. Am 14. De­zem­ber wur­de bei der Ob­ser­va­ti­on Ste­vos fest­ge­stellt, wie er meh­re­re Ka­nis­ter über­nahm und in sein ei­ge­nes Ge­schäft, Gold- und Sil­ber­an­kauf, brach­te. Bei ei­ner Haus­durch­su­chung wur­den in sei­nem Kel­ler zahl­rei­che Ka­nis­ter ge­fun­den, dar­un­ter auch der­je­ni­ge, den die arg­wöh­nisch ge­wor­de­nen Mit­ar­bei­ter der Fir­ma mar­kiert hat­ten. In Trans­port­ta­schen Enims wur­den St­anz­ab­fäl­le ge­fun­den, eben­so in der Scheu­ne sei­nes Bru­ders Me­tim.

En­de des Jah­res stell­te die Fir­ma fest, dass von De­zem­ber 2015 bis De­zem­ber 2016 knapp 129 Ki­lo­gramm Gold fehl­ten im Wert von rund 4,6 Mil­lio­nen Eu­ro.

Vor­sit­zen­der Rich­ter Heid­rich hat­te mit­ge­rech­net. 120 Li­ter Gal­va­nik­flüs­sig­keit wa­ren nach­weis­lich ent­wen­det wor­den. Ver­schwun­den wa­ren aber rund 500. „Da müs­sen ja vie­le Leu­te lan­ge Fin­ger ge­macht ha­ben“, stell­te Heid­rich fest. „Nicht nur ein Mensch mit ei­ner Schöpf­kel­le. Das hat ja in­dus­tri­el­le Aus­ma­ße!“

Edel­me­tall im Wert von 4,6 Mil­lio­nen ge­stoh­len

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