Wi­der­spruch ge­gen Wind­park ab­ge­lehnt

Karls­ru­her Ver­wal­tungs­ge­richt er­teilt dem Eil­an­trag der Ge­mein­de Do­bel ei­ne Ab­sa­ge

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Strau­ben­hardt/Do­bel (PK). Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he lehnt den Eil­an­trag der Nach­bar­ge­mein­de Do­bel ge­gen die er­teil­te Ge­neh­mi­gung für den Wind­park Strau­ben­hardt ab. Das hat das Ge­richt ges­tern be­kannt ge­ge­ben.

Wie be­rich­tet, er­teil­te das Land­rats­amt Enz­kreis Mit­te De­zem­ber 2016 der Wir­sol Wind­park Strau­ben­hardt Gm­bH & Co.KG ei­ne im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Ge­neh­mi­gung zur Er­rich­tung und zum Be­trieb von elf Wind­ener­gie­an­la­gen auf dem Ge­biet der Ge­mein­de Strau­ben­hardt. Gleich­zei­tig ord­ne­te das Land­rats­amt die so­for­ti­ge Voll­zie­hung der Ge­neh­mi­gung an, so dass Wi­der­spruch und Kla­ge ei­nem Bau­be­ginn nicht ent­ge­gen­ste­hen. Der ge­plan­te Wind­park be­fin­det sich teil­wei­se un­mit­tel­bar an der Ge­mar­kungs­gren­ze der Ge­mein­de Do­bel. Die­se leg­te am 19. Ja­nu­ar Wi­der­spruch ge­gen die Ge­neh­mi­gung ein und be­an­trag­te ei­ne Wo­che spä­ter vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he die Ge­wäh­rung von Eil­rechts­schutz. Der Wind­park mit elf Wind­ener­gie­an­la­gen be­ein­träch­ti­ge sie ins­be­son­de­re in ih­rem Selbst­ver­wal­tungs­und Selbst­ge­stal­tungs­recht mas­siv, be­grün­de­te die Ge­mein­de. Über den Wi­der­spruch hat das zu­stän­di­ge Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he bis­lang nicht ent­schie­den. Aber die 9. Kam­mer des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he hat den An­trag der Ge­mein­de Do­bel ab­ge­lehnt. Der An­trag sei zu­läs­sig, aber un­be­grün­det. Ei­ne Ver­let­zung von Rech­ten, die dem Schutz der Ge­mein­de Do­bel dien­ten, lie­ge al­ler Vor­aus­sicht nach nicht vor, so das Ge­richt wei­ter. Die Ge­mein­de sei nicht be­fugt, Be­lan­ge ih­rer Bür­ger wie Lärm­schutz­in­ter­es­sen oder den Schutz vor vi­su­el­len Be­ein­träch­ti­gun­gen gel­tend zu ma­chen und die Un­ver­ein­bar­keit des Vor­ha­bens mit den Be­lan­gen von Na­tur und Land­schaft ge­richt­lich über­prü­fen zu las­sen.

We­der Ver­fah­rens­vor­ga­ben bei der Er­tei­lung der im­mis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ge­neh­mi­gung noch ma­te­ri­el­le Vor­schrif­ten zum Schut­ze der An­trag­stel­le­rin sei­en ver­letzt wor­den. Die Pla­nungs­ho­heit der An­trag­stel­le­rin sei ge­wahrt, weil in den von ihr ge­nann­ten be­plan­ten Ge­bie­ten, et­wa das ei­ner Kur­kli­nik, die ein­schlä­gi­gen Im­mis­si­ons­richt­wer­te nicht über­schrit­ten wür­den. Denn es sei­en kei­ne schäd­li­chen Lärm­im­mis­sio­nen auf die­se Ge­bie­te zu er­war­ten. Zu­dem wür­den in den Ne­ben­be­stim­mun­gen zur im­mis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ge­neh­mi­gung so­wohl Höchst­gren­zen für den Schall­leis­tungs­pe­gel des Wind­parks fest­ge­setzt als auch auf die Ein­hal­tung der Lärm­richt­wer­te hin­ge­wie­sen.

Auch das Selbst­ge­stal­tungs­recht der Ge­mein­de sei nicht ver­letzt. Die Wind­ener­gie­an­la­gen be­fän­den sich zwar teil­wei­se di­rekt an der Ge­mar­kungs­gren­ze zur An­trag­stel­le­rin, vom Orts­rand sei­en sie je­doch min­des­tens 1 450 Me­ter ent­fernt. Dass die Er­rich­tung der Wind­ener­gie­an­la­gen ei­ne grund­le­gen­de Ve­rän­de­rung der städ­te­bau­li­chen Struk­tur der An­trag­stel­le­rin be­wir­ke und ein op­ti­scher Rie­gel ge­schaf­fen wür­de, sei nicht er­kenn­bar. Al­lein die Tat­sa­che, dass die Wind­ener­gie­an­la­gen an­ge­sichts ih­rer Grö­ße mar­kant in Er­schei­nung trä­ten, recht­fer­ti­ge nicht den Schluss, sie wirk­ten ver­un­stal­tend. Kei­ne der An­la­gen sei vom be­bau­ten Ge­mein­de­ge­biet der An­trag­stel­le­rin sicht­bar. Die An­la­gen stün­den auf­ge­lo­ckert und teil­wei­se ver­setzt hin­ter­ein­an­der. Auch wer­de Do­bel vor­aus­sicht­lich nicht in sei­ner Exis­tenz als Tou­ris­mus­stand­ort ge­fähr­det.

„Nach vor­läu­fi­ger Be­wer­tung der Be­grün­dung des Ge­richts ist die Ent­schei­dung des Land­rats­amts klar be­stä­tigt“, kom­men­tiert Ers­ter Lan­des­be­am­ter Wolf­gang Herz die Ent­schei­dung aus Karls­ru­he. „Wir wa­ren uns sehr si­cher, dass es kei­ne Grün­de gibt, die im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Ge­neh­mi­gung nicht zu er­tei­len. Dann aber hat der Bau­herr auch ei­nen An­spruch dar­auf“, so Vi­ze­Land­rat Herz.

„Un­ser Rechts­an­walt be­fin­det sich ak­tu­ell in Ur­laub und wird erst wie­der zu Be­ginn der kom­men­den Wo­che er­reich­bar sein. Wir wer­den dann mit ihm das wei­te­re Vor­ge­hen be­spre­chen“, lau­tet die Stel­lung­nah­me des Do­bler Bür­ger­meis­ters Chris­toph Schaack. „Be­vor dies nicht ge­tan und die um­fang­rei­che Be­grün­dung ent­spre­chend ge­prüft wur­de, wer­de ich ge­gen­über der Presse kei­ner­lei Be­kun­dun­gen ab­ge­ben.“

„Als Tou­ris­mus­stand­ort wird Do­bel nicht ge­fähr­det“

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