Im­mer un­ter Span­nung ge­stan­den

Stadt­wer­ke-Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Meeh tritt in Ru­he­stand / In­no­va­ti­ver Ener­gie­ma­na­ger

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Nor­bert Koll­ros

Mühl­acker. „Es wa­ren 32 Jah­re an der Spit­ze der Stadt­wer­ke, die ei­nem im­mer wie­der neue Her­aus­for­de­run­gen ab­ver­lang­ten“, sagt der schei­den­de Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Meeh. Aber das lieb­te er auch an die­sem Beruf – stets wie elek­tri­sche Ener­gie voll un­ter Span­nung ste­hend.

Im Ja­nu­ar be­ging er sei­nen 65. Ge­burts­tag, und sein Ab­schied von den Stadt­wer­ken war ei­gent­lich auf En­de Ju­li ter­mi­niert. Weil aber der Nach­fol­ger erst im Sep­tem­ber sein Amt an­tritt, wird Meeh dem Un­ter­neh­men bis da­hin noch über­gangs­wei­se er­hal­ten blei­ben.

Ei­ne der ganz gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen ge­ra­de in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren war, die Stadt­wer­ke als städ­ti­sches Toch­ter­un­ter­neh­men fit für die Zu­kunft zu ma­chen. Und dies zu ei­ner Zeit, als der gro­ße lan­des­wei­te Ener­gie­ver­sor­ger das En­de der kom­mu­na­len Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men pro­pa­gier­te.

Ziel­set­zung die­ser Kon­zer­ne war in den aus­ge­hen­den 1990er Jah­re, in der al­les auf die Li­be­ra­li­sie­rung im Ener­gie­we­sen hin­steu­er­te, sich suk­zes­si­ve die klei­nen kom­mu­na­len Be­trie­be ein­zu­ver­lei­ben. Noch be­vor die­se Ent­wick­lung ein­setz­te, ge­hör­te Meeh nebst rund 30 wei­te­ren Kol­le­gen an­de­rer Stadt­wer­ke der Ar­beits­ge­mein­schaft der EVSS­trom­be­zie­her an, die ge­gen­über dem Kon­zern die In­ter­es­sen der kom­mu­na­len Ver­sor­ger wahr­ten. In die­ser Arge hat­te er über meh­re­re Jah­re hin­weg den Vor­sitz in­ne.

Ge­wis­ser­ma­ßen wur­zelt in die­sem noch eher lo­sen Ver­bund die 1999 von Meeh mit­in­iti­ier­te Süd­west­strom-Ge­sell­schaft, die heu­te für rund 160 Stadt­und Ge­mein­de­wer­ke den Be­zug von Strom und Gas ma­nagt und vie­le wei­te­re Di­enst­leis­tun­gen er­bringt. „Das war die Ba­sis zum wett­be­werbs­fä­hi­gen Er­halt un­se­rer wie auch an­de­rer Stadt­wer­ke“, so Meehs Über­zeu­gung da­mals – die mitt­ler­wei­le voll­auf be­stä­tigt wur­de. „Und un­se­re Wirt­schaft­lich­keit be­wei­sen wir seit­dem Jahr für Jahr aufs Neue.“Wes­halb es Meeh über die drei Jahr­zehn­te hin­weg auch „nie lang­wei­lig“wur­de. Ein­drucks­vol­le Zah­len un­ter­strei­chen die­se Aus­sa­ge: Jähr­lich über­wei­sen die Stadt­wer­ke ins Stadt­sä­ckel rund 600 000 Eu­ro Ge­winn­aus­schüt­tung, 400 000 Eu­ro Ge­wer­be­steu­er und über­dies 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro Kon­zes­si­ons­ab­ga­be.

Und: Die Lohn­sum­me für rund 100 Be­schäf­tig­te aus Mühl­acker und Um­ge­bung be­trägt rund 5,3 Mil­lio­nen, was die nicht un­we­sent­li­che Wert­schöp­fung des Un­ter­neh­mens un­ter­streicht. Nicht un­we­sent­lich da­bei: Die Ge­sell­schafts­an­tei­le an den Stadt­wer­ken wer­den aus­schließ­lich von der Stadt Mühl­acker ge­hal­ten.

Seit 1997 ist der be­ken­nen­de „UrDürrmen­zer“al­lei­ni­ger Ge­schäfts­füh­rer des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens, zu­vor hat­te er in ei­ner Dop­pel­spit­ze den kauf­män­ni­schen Part in­ne. Vor­aus­ge­gan­gen ist ei­ne eher aty­pi­sche be­ruf­li­che Lauf­bahn, die für den Re­al­schul­ab­gän­ger 1968 mit ei­ner Koch-Leh­re in ei­nem Ster­ne­re­stau­rant in Murr­hardt be­gann.

Der Ge­sel­len­zeit schlos­sen sich ei­ne Wei­ter­bil­dung zum Be­triebs­wirt und ein Stu­di­um zum Di­plom­fi­nanz­wirt an. 1980 trat Meeh in die Di­ens­te der Fi­nanz­ver­wal­tung ein und üb­te fünf Jah­re lang ei­ne Be­triebs­prü­fer-Tä­tig­keit beim Fi­nanz­amt Mühl­acker aus.

1985 er­griff der dann 33-Jäh­ri­ge die Ge­le­gen­heit, sich für die Nach­fol­ge des da­ma­li­gen Stadt­wer­keDi­rek­tors Hel­mut Laib zu be­wer­ben. „Von Vor­teil war da­mals si­cher, mei­ne viel­sei­tig ge­sam­mel­ten Er­fah­run­gen so­wohl ge­werb­li­cher Art als auch mit be­triebs­wirt­schaft­li­chem Hin­ter­grund ein­und um­set­zen zu kön­nen“, blickt Meeh heu­te zu­rück.

Zwölf Jah­re lang bil­de­te er zu­sam­men mit dem tech­ni­schen Di­rek­tor Die­ter Bel­ler bis zu des­sen Tod die Dop­pel­spit­ze des städ­ti­schen Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens.

Oh­ne Über­trei­bung kann Meeh als über­aus in­no­va­ti­ver Ener­gie­ma­na­ger cha­rak­te­ri­siert wer­den, des­sen Blick auch sehr ziel­ge­rich­tet ist auf er­neu­er­ba­re Ener­gi­en. Dies fand bei­spiels­wei­se er­folg­rei­chen Nie­der­schlag durch kei­nes­wegs all­täg­li­che En­ga­ge­ments wie mit der Bio­me­than­an­la­ge oder der Bür­ge­r­ener­gie-Ge­nos­sen­schaft.

Jür­gen Meeh ist ver­hei­ra­tet und hat mit sei­ner Frau Ga­bi zwei er­wach­se­ne Töch­ter. Wo­zu er an­merkt: „Oh­ne die Un­ter­stüt­zung, das Ver­ständ­nis und den Rück­halt sei­tens mei­ner Frau hät­te ich be­stimmt vie­les nicht er­reicht.“

Stadt­wer­ke fit für die Zu­kunft ge­macht

IN DEN RU­HE­STAND ver­ab­schie­det hat der Ober­bür­ger­meis­ter und Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der Stadt­wer­ke Mühl­acker, Frank Schnei­der (links), den Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Meeh. Fo­to: Koll­ros

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