Oh­ne Biss

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FERBER

Un­er­bitt­lich tickt die Uhr für die SPD und ih­ren Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz. Noch 53 Ta­ge (und der Rest von heu­te) sind es bis zur Bun­des­tags­wahl am 24 Sep­tem­ber, sie­ben­ein­halb Wo­chen. Doch so sehr sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten und ihr Front­mann auch be­mü­hen, in den Um­fra­gen be­we­gen sie sich nicht von der Stel­le.

Wie fest­ze­men­tiert ste­hen sie seit Mo­na­ten be­reits bei um die 25 Pro­zent, was ziem­lich ge­nau dem Er­geb­nis der letz­ten Bun­des- tags­wahl ent- spricht, als Peer St­ein­brück 25,7 Pro­zent der Stim­men er­hielt. Mer­kel-Her­aus­for­de­rer Mar­tin Schulz müht sich red­lich, eilt von Ter­min zu Ter­min und geizt nicht mit aus­ge­ar­bei­te­ten Kon­zep­ten. Und doch lau­fen sei­ne Be­mü­hun­gen schein­bar ins Lee­re. Die Kanz­le­rin kann sich so­gar ei­ne Aus­zeit ihn Süd­ti­rol gön­nen, oh­ne dass dies den Vor­sprung der Uni­on schmä­lert. Die Atta­cken des Her­aus­for­de­rers pral­len an ihr wir­kungs­los ab.

Wäh­rend es für CDU und CSU of­fen­bar reicht, die be­lieb­te Kanz­le­rin in den Mit­tel­punkt ih­rer Kam­pa­gne zu rü­cken und ein we­nig am­bi­tio­nier­tes „Wei­ter so“mit leich­ten Kor­rek­tu­ren an der ei­nen oder an­de­ren Stel­le zu ver­spre­chen, um beim Wäh­ler zu punk­ten, ver­hed­dert sich die

SPD – wie schon 2009 – bei ih­rem Ver­such, gleich­zei­tig Re­gie­rung wie Op­po­si­ti­on zu sein. Ob­wohl sie seit bald 20 Jah­ren re­giert, ab­ge­se­hen von der vier­jäh­ri­gen schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on zwi­schen 2009 und 2013, malt sie ein reich­lich grau­es Bild vom Zu­stand des Lan­des, statt sich mit den Er­fol­gen ih­res Re­gie­rungs­han­delns zu schmü­cken. Die­ser Spa­gat aber kann nicht gut ge­hen. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass Schulz kein wirk­li­ches The­ma hat, mit dem er die Kanz­le­rin in Be­dräng­nis bringt. Ob Flücht­lings­po­li­tik oder Tür­kei­po­li­tik, es ist die SPD, die ih­re al­ten Po­si­tio­nen räu­men muss, nicht die Uni­on.

An die­sem Di­lem­ma än­dert auch die ges­tern von Ge­ne­ral­se­kre­tär Hu­ber­tus Heil prä­sen­tier­te Wahl­kampf­stra­te­gie für die letz­ten sie­ben Wo­chen nichts. Auch wenn die Par­tei sich an den Stroh­halm klam­mert, dass noch nichts fest­ste­he und die Wahl erst auf den letz­ten Me­tern ent­schie­den wer­de, wirkt die Kam­pa­gne doch fast so, als glau­be die SPD selbst nicht mehr an ih­ren Sieg. Die Pla­ka­te sind nett an­zu­se­hen, die Slo­gans sind ein­gän­gig, doch es feh­len der Biss und der un­bän­di­ge Wil­len zum Sieg. So treibt man An­ge­la Mer­kel nicht aus dem Kanz­ler­amt.

Der SPD fehlt der Wil­le zum Sieg

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