Erst die The­men, dann der Kan­di­dat

SPD stellt Wahl­kampf-Kam­pa­gne vor / „Die Uni­on will sich vor dem Wett­be­werb drü­cken“

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Mar­tin Ferber

Ber­lin/Karlsruhe. Es be­ginnt am kom­men­den Di­ens­tag, 8. Au­gust, in der säch­si­schen Haupt­stadt Dres­den. Und es en­det am 22. Sep­tem­ber mit ei­ner Groß­kund­ge­bung in Ber­lin und am 23. Sep­tem­ber mit ei­nem letz­ten Auf­tritt in sei­ner Hei­mat­stadt Aa­chen. Um sein Ziel zu er­rei­chen, Bun­des­kanz­ler der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu wer­den, reist SPD-Chef und Mer­kel-Her­aus­for­de­rer Mar­tin Schulz in den kom­men­den Wo­chen kreuz und quer durch Deutsch­land, sei­ne Wahl­kampf­tour führt ihn in 60 Städ­te in al­len 16 Bun­des­län­dern

Schulz kommt auch nach Karlsruhe

zwi­schen Ros­tock und Kiel im ho­hen Nor­den und Frei­burg im Breis­gau so­wie Karlsruhe im Sü­den, Saar­lou­is im Wes­ten und Potsdam im Os­ten, rund 20 000 Ki­lo­me­ter wird er da­bei bis zum Wahl­tag am 24. Sep­tem­ber zu­rück­le­gen.

Ob es reicht? We­ni­ger als acht Wo­chen vor der Wahl be­fin­den sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten in ei­ner schwie­ri­gen La­ge. Bei den drei Land­tags­wah­len im Früh­jahr fuh­ren sie ent­täu­schen­de Er­geb­nis­se ein, in bun­des­wei­ten Um­fra­gen fie­len sie nach der an­fäng­li­chen Eu­pho­rie um Schulz wie­der deut­lich hin­ter die Uni­on von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) zu­rück. Bei der Prä­sen­ta­ti­on der SPDWahl­kam­pa­gne im Wil­ly-Brandt-Haus räum­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Hu­ber­tus Heil ges­tern ein, dass man sehr wohl die Um­fra­gen ken­ne, wo­nach die SPD der­zeit bei ge­ra­de ein­mal 25 Pro­zent ste­he, woll­te aber von ei­ner Vor­ent­schei­dung noch nichts wis­sen. Im Au­gen­blick sei­en in ganz Deutsch­land Som­mer­fe­ri­en, erst nach ih­rer Rück­kehr aus dem Ur­laub wür­den sich die Men­schen mit der Bun­des­tags­wahl be­schäf­ti­gen und für sich klä­ren, wem sie ih­re Stim­men ge­ben. „Der Wahl­kampf geht jetzt erst rich­tig los“, so Heil. „Es zählt der Sprint am En­de.“Die SPD ha­be sich „in­ten­siv“auf den Wahl­kampf vor­be­rei­tet, ste­he ge­schlos­sen hin­ter ih­rem Spit­zen­kan­di­da­ten, ha­be ein über­zeu­gen­des Pro­gramm und wer­de ent­schlos­sen da­für kämp­fen, „dass Mar­tin Schulz Bun­des­kanz­ler wird“. Das Wahl­kampf-Bud­get lie­ge bei rund 24 Mil­lio­nen Eu­ro - et­was hö­her als bei der Bun­des­tags­wahl vor vier Jah­ren.

In ei­ner ers­ten Wer­be-Wel­le setzt die SPD al­ler­dings noch nicht auf ih­ren Spit­zen­mann, son­dern auf die The­men Ge­rech­tig­keit, Fa­mi­lie, Bil­dung, Ren­te und Ar­beit. Groß­flä­chi­ge Pla­ka­te zei­gen un­ter an­de­rem ei­ne Frau im Blau­mann mit Kopf­hö­rer und Hand­schu­hen, die vor ei­nem Flug­zeug­mo­tor steht, da­zu der Satz: „Wer 100 Pro­zent leis­tet, darf nicht 21 Pro­zent we­ni­ger ver­die­nen.“Auf ei­nem an­de­ren Pla­kat

„Der Wahl­kampf geht jetzt erst rich­tig los“

ist ein Kind zu se­hen, da­zu die Aus­sa­ge: „Bil­dung darf nichts kos­ten. Au­ßer et­was An­stren­gung.“Und ne­ben zwei laut schrei­en­den Kin­dern ist zu le­sen: „Un­se­re Fa­mi­li­en­po­li­tik ist ge­nau­so laut und for­dernd.“Erst in der zwei­ten Wel­le will die SPD Pla­ka­te mit Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz kle­ben, in der drit­ten und letz­ten Wel­le soll es „zu­ge­spitz­te Bot­schaf­ten“ge­ben.

Die SPD wol­le den Wett­be­werb zwi­schen den Volks­par­tei­en um die bes­ten Ide­en und Kon­zep­te für die Zu­kunft des Lan­des, sag­te Heil. Der Uni­on warf er vor, sich vor die­sem Wett­be­werb zu drü­cken und sich statt­des­sen „satt und zu­frie­den auf die Wie­se“zu le­gen. Er ver­mis­se bei der po­li­ti­schen Kon­kur­renz ei­ne „kla­re Hal­tung“, statt­des­sen wür­den sich CDU und CSU seit Jah­ren „wie die Kes­sel­fli­cker“um den Be­griff Ober­gren­ze strei­ten.

Die SPD set­ze voll und ganz auf das The­ma Ge­rech­tig­keit, wo­bei es ihr nicht nur um die so­zia­le Ge­rech­tig­keit, son­dern auch um die Chan­cen- und Leis­tungs­ge­rech­tig­keit ge­he. Ein Wei­ter-so rei­che in je­dem Fall nicht, um die Her­aus­for­de­run­gen der Zu­kunft zu meis­tern. Ent­spre­chend heißt es auf dem Pla­kat mit dem Kon­ter­fei von Schulz: „Die Zu­kunft braucht neue Ide­en. Und ei­nen, der sie durch­setzt.“

START­SCHUSS IN BER­LIN: SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Hu­ber­tus Heil und Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin Ju­lia­ne Sei­fert stell­ten jetzt die Kam­pa­gne der SPD für die Bun­des­tags­wahl vor. In ei­ner ers­ten Wel­le setzt die Par­tei da­bei auf The­men­pla­ka­te. Fo­to: dpa

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