Wild­kat­ze brei­tet sich aus

Ge­fähr­de­te Tier­art wan­dert aus Frank­reich ein

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Bernd Kamleitner

Bühl/Karlsruhe/Pforz­heim. Die ge­fähr­de­te Eu­ro­päi­sche Wild­kat­ze brei­tet sich in der Rhein­ebe­ne, im Enz­kreis und im Oden­wald aus. „Sie wan­dert zu­neh­mend aus Frank­reich ein und ver­mehrt sich auch bei uns“, er­klärt Axel Wie­land, der beim Bund Ba­den-Würt­tem­berg für das Pro­jekt „Wild­kat­zen­sprung“zu­stän­dig ist. Da­hin­ter ver­birgt sich ei­nes der größ­ten Na­tur­schutz­pro­jek­te Eu­ro­pas, weil er sich auf ei­ne sehr gro­ße Flä­che er­streckt und sehr vie­le Be­tei­lig­te wie Be­hör­den, Jä­ger, Forst­wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Eh­ren­amt­li­che um­fasst.

Vie­le Frei­wil­li­ge be­tei­ligt

Al­lein in der Rhein­ebe­ne und im Schwarz­wald ha­ben rund 1 200 Frei­wil­li­ge und so­ge­nann­te Wild­kat­zen­bot­schaf­ter un­ter an­de­rem mit Hil­fe von Lock­stö­cken Haar­pro­ben von Deutsch­lands kleins­ter Raub­kat­ze ge­sam­melt. Kon­kre­te An­ga­ben zur ge­schätz­ten Zahl der Wild­kat­zen im Süd­wes­ten ma­chen die Na­tur­schüt­zer al­ler­dings nicht. „Da hal­ten wir uns zu­rück“, er­läu­tert Wie­land. Das Bun­des­amt für Na­tur­schutz hat das vom Bund ko­or­di­nier­te und nach sechs Jah­ren jetzt ab­ge­schlos­se­ne Pro­jekt mit 3,85 Mil­lio­nen Eu­ro aus Mit­teln des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums ge­för­dert. „Die Haupt­le­bens­räu­me der Wild­kat­ze, die na­tur­na­hen Wäl­der, sind oft durch Stra­ßen, land­wirt­schaft­lich ge­nutz­te Flä­chen oder Sied­lun­gen von­ein­an­der iso­liert“, sagt die Prä­si­den­tin des Bun­des­am­tes, Bea­te Jes­sel. Das füh­re zu schwer über­wind­ba­ren Hin­der­nis­sen und Ge­fah­ren für die Wan­de­run­gen der Wild­kat­ze. Um den klei­nen Raub­kat­zen und vie­len an­de­ren ge­fähr­de­ten Tie­ren, dar­un­ter In­sek­ten und Kä­fern, ei­ne lang­fris­ti­ge Über­le­bens­chan­ce zu ge­ben, sei ei­ne deutsch­land­wei­te Ver­net­zung der Wäl­der von gro­ßer Be­deu­tung.

Pro­jekt mit Pi­lot­cha­rak­ter

Das Pro­jekt Wild­kat­zen­sprung zei­ge, dass die Wie­der­ver­net­zung von Wäl­dern über so­ge­nann­te Wan­de­rungs­kor­ri­do­re – ge­meint sind Wald­ver­bin­dun­gen aus Bäu­men und Bü­schen – mach­bar sei, be­tont Ri­ta Schwar­ze­lühr-Sut­ter (SPD), Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin im Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um. „Das ist für die Na­tur und die Ar­ten­viel­falt in Deutsch­land be­son­ders wich­tig.“Zu lan­ge sei beim Flä­chen­ver­brauch die Not­wen­dig­keit durch­gän­gi­ger Wan­de­rungs­kor­ri­do­re nicht ge­se­hen ge­wor­den. Dar­auf ha­be die Bun­des­re­gie­rung re­agiert und das Bun­des­kon­zept Grü­ne In­fra­struk­tur vor­ge­legt. Das Pro­jekt „Wild­kat­zen­sprung“er­gän­ze die­se Initia­ti­ve „aus­ge­zeich­net“. Das Pro­jekt ha­be Pi­lot­cha­rak­ter.

Ein­zig­ar­ti­ge Da­ten­bank

Die im Pro­jekt ent­wi­ckel­te Gen­da­ten­bank für die Wild­kat­ze sei für die Wis­sen­schaft ein­zig­ar­tig und weg­wei­send für wei­te­re Pro­jek­te, be­tont Vol­ker Mos­brug­ger, Ge­ne­ral­di­rek­tor der Sencken­berg Ge­sell­schaft für Na­tur­for­schung, mit der der BUND eng für die ge­ne­ti­schen Ana­ly­sen zu­sam­men­ar­bei­tet. Die Da­ten er­laub­ten nicht nur ei­ne Beur­tei­lung des Be­stan­des be­droh­ter Ar­ten wie der Wild­kat­ze, son­dern auch wei­te­rer Aspek­te wie Wan­der­be­we­gun­gen und Raum­nut­zung die­ser Tie­re.

Hän­sel und Gre­tel

Die wohl be­kann­tes­ten Wild­kat­zen Deutsch­lands sind Hän­sel und Gre­tel. Die bei­den wa­ren gut vier Mo­na­te nach ih­rem Auf­fin­den im Ok­to­ber 2009 im Schwarz­wald aus­ge­setzt wor­den. Ob und wo sie noch her­um­streu­nen, ist nicht be­kannt, sagt Wie­land. Für die Tier­ex­per­ten war der Fund der klei­nen Raub­kat­zen bei Bühl da­mals ei­ne Sen­sa­ti­on. Ei­ne Jog­ge­rin hat­te die zwei in ei­nem Wald­stück ent­deckt und zu­nächst ge­dacht, es han­de­le sich um aus­ge­setz­te Haus­kat­zen.

IN DER RHEIN­EBE­NE UND IM ENZ­KREIS wer­den im­mer wie­der Wild­kat­zen ge­sich­tet, die im­mer öf­ter aus Frank­reich ein­wan­dern und sich auch hier ver­meh­ren Die kleins­te Raub­kat­ze Deutsch­lands zählt zu den ge­fähr­de­ten Ar­ten. Fo­to: El­bers

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