Red­lich be­müht

Micha­el-Jack­son-Hom­mage im Schloss­hof Ett­lin­gen

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

El­vis ist nicht tot, er ist nur nach Hau­se ge­flo­gen, heißt es. Doch was ist mit Micha­el Jack­son? Für ei­nen kur­zen Mo­ment könn­te man mei­nen, er sit­ze tat­säch­lich an der Ett­lin­ger Stra­ßen­bahn­hal­te­stel­le Erb­prinz/Schloss. Deut­lich ver­jüngt und rich­tig gut in Form. Das soll dem King of Pop erst ein­mal je­mand nach­ma­chen! Ob­wohl, vi­el­leicht auch bes­ser nicht. Denn das Trug­bild, dem der vor­bei­hu­schen­de Fan er­liegt, ist ex­trem flüch­tig und hält kaum bis zum Büh­nen­rand der Schloss­fest­spie­le. Dort ist ei­ne ita­lie­ni­sche Co­ver­band an­ge­kün­digt, die dem über­le­bens­gro­ßen Star mu­si­ka­lisch Tri­but zol­len möch­te. Für ei­li­ge Le­ser: Das klappt lei­der nicht (und das nicht nur, weil der jun­ge Mann mit der AVG die Stadt ver­lässt).

Micha­el Jack­son, der Ge­ne­ra­tio­nen von Hö­rern durch Songs wie „Thril­ler“, „Smooth Cri­mi­nal“, „Beat It“und „You Are Not Alo­ne“so­wie sei­nen un­ver­wech­sel­ba­ren Tanz­stil präg­te, und der deut­lich be­leib­te­re „Imi­ta­tor“Vit­to­rio Ma­sul­lo sind selbst bei al­ler Liebe mei­len­weit von­ein­an­der ent­fernt. Da­bei ist der Süd­län­der gut zwei St­un­den lang red­lich be­müht, di­ver­se Looks und Mo­ves des Ti­tans (in­klu­si­ve be­herz­tem „Dis­co im Schritt“-Hand­griff) aufs nicht vor­han­de­ne Par­kett zu zau­bern. Lei­der aber hakt es glei­cher­ma­ßen bei der In­to­na­ti­on und sei­nem Fit­ness-Le­vel. Je mehr Ma­sul­lo Gas gibt beim Tan­zen, des­to dün­ner und wind­schie­fer wird der Ge­sang – und um­ge­kehrt. Teils wirkt das der­art un­frei­wil­lig ko­misch, dass das Pu­bli­kum sich ent­schei­den muss: Ist man eher pein­lich be­rührt oder fängt man gleich an zu ki­chern? Ir­gend­wie kann ei­nem der Künst­ler pha­sen­wei­se leid­tun, denn Herz­blut und Lei­den­schaft bringt er auf je­den Fall mit.

Ma­sul­lo zur Sei­te ste­hen vier be­geis­ter­te jun­ge Tän­ze­rin­nen und Tän­zer, die sich gleich­zei­tig als pas­sa­ble Back­ground-Sän­ger ein­brin­gen, und ei­ne recht or­dent­lich bis gut auf­spie­len­de Band. Da­zu kom­men ei­ne Vi­deo­lein­wand mit li­zenz­recht­lich frag­wür­di­gem Ori­gi­nal­ma­te­ri­al (un­ter an­de­rem Mu­sik­vi­de­os), Ne­bel- und Wind­ma­schi­nen, ja so­gar ver­ein­zelt Py­ro­tech­nik. Doch viel hilft eben nicht im­mer viel. We­sent­lich mehr als der gan­ze Tech­nik-Zoo be­wir­ken die Er­in­ne­run­gen, die un­wei­ger­lich mit den Ti­teln von Micha­el Jack­son ver­bun­den sind. Ir­gend­wann ver­sinkt auch das Pu­bli­kum in der ge­dank­li­chen Rück­schau, singt und klatscht mit und freut sich über ei­ne Er­kennt­nis, die schon der „High­lan­der“(eben­falls ein Held der 80er-Pop­kul­tur) hat­te: Es kann nur ei­nen ge­ben. Micha­el Jack­son ist und bleibt ein­ma­lig! Eli­sa Rez­nicek

Mit Tanz­quar­tett und viel Tech­nik-Auf­wand

HERZ­BLUT UND LEI­DEN­SCHAFT stimm­ten, In­to­na­ti­on und Tanz-Aus­strah­lung lie­ßen Luft nach oben: Vit­to­rio Ma­sul­lo als Micha­el-Jack­son-Imi­ta­tor in Ett­lin­gen. Fo­to: Rez­nicek

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