Blitz­start mit „Geis­ter­haus“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Isa­bel Al­len­de

Über 67 Mil­lio­nen ver­kauf­te Bü­cher – der ers­te Ro­man ist bis heu­te der er­folg­reichs­te. Isa­bel Al­len­de (Fo­to: dpa) brach­te es zu Welt­ruhm, aber ist ge­ra­de in Chi­le um­strit­ten. Auch mit 75 mischt sie sich wei­ter ein. Als in den USA le­ben­de Schrift­stel­le­rin ha­dert sie mit dem Hier und Jetzt. US-Prä­si­dent Do­nald Trump ist für Isa­bel Al­len­de ein „wild ge­wor­de­ner Stier“, ein Mann „skru­pel­lo­ser Ge­schäf­te“. Die Politik war im­mer ihr Be­glei­ter, sie mischt sich ein – und schreibt wei­ter. Die ge­bür­ti­ge Chi­le­nin ist ei­ne der meist­ge­le­se­nen Au­to­rin­nen in spa­ni­scher Spra­che, heu­te wird sie 75 Jah­re alt. Ih­re jüngs­te No­vel­le „Más al­lá del in­vier­no“(„Jen­seits des Win­ters“) han­delt von zu­fäl­li­gen Tref­fen ei­ner il­le­ga­len Mi­gran­tin aus Gua­te­ma­la, die sich in den USA durch­schlägt, ei­nem Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, der ge­fol­tert wur­de, und ei­ner mu­ti­gen und op­ti­mis­ti­schen chi­le­ni­schen Jour­na­lis­tin. Letz­te­re weist Par­al­le­len zu Al­len­de auf. Gleich ihr ers­ter Ro­man mach­te sie welt­be­rühmt, er ist bis heu­te ihr be­kann­tes­tes Werk: Die Fa­mi­li­en­sa­ga „La Ca­sa de los Espí­ri­tus“(zu deutsch: „Das Geis­ter­haus“). Da war sie schon im Exil. In Chi­le hat­te sie sich als Fern­seh­jour­na­lis­tin ei­nen Na­men ge­macht und ge­mein­sam mit an­de­ren Frau­en­recht­le­rin­nen die fe­mi­nis­ti­sche Zeit­schrift „Pau­la“ge­grün­det. Es wa­ren be­weg­te Zei­ten, Chi­le ver­such­te da­mals ein lin­kes Ex­pe­ri­ment, an­ge­führt von ih­rem On­kel zwei­ten Gra­des, Sal­va­dor Al­len­de. Als er 1973 von den Mi­li­tärs un­ter Füh­rung von Au­gus­to Pi­no­chet ge­stürzt wur­de und im Prä­si­den­ten­pa­last Selbst­mord be­ging, sah sie kei­ne si­che­re Zu­kunft mehr für sich in der Hei­mat.

Ih­rem De­büt „Das Geis­ter­haus“folg­ten wei­te­re er­folg­rei­che Wer­ke, sehr per­sön­lich wur­de „Pau­la“(1992), in dem Al­len­de den Tod ih­rer Toch­ter the­ma­ti­siert, die mit nur 28 Jah­ren an ei­ner sel­te­nen Stoff­wech­sel­krank­heit ge­stor­ben war. Die in­tel­lek­tu­el­le Eli­te in ih­rer Hei­mat wür­de sie has­sen, mein­te sie wie­der­holt. Für Al­len­de muss es da­her ei­ne Ge­nug­tu­ung ge­we­sen sein, 2010 den chi­le­ni­schen Na­tio­nal­preis für Li­te­ra­tur zu er­hal­ten. dpa

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