Frank­reichs Pan­nen­bahn

Me­ga-Aus­fall zeigt ma­ro­den Zu­stand der SNCF

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin Chris­ti­ne Lon­gin

Pa­ris. Saint Ma­lo, Sa­bles d’Olon­ne und Bor­deaux: Wer in Frank­reich in die­sen Ta­gen mit der Bahn in den Ur­laub fah­ren will, kommt am Pa­ri­ser Bahn­hof Mont­par­nas­se nicht vor­bei. Von dort aus ge­hen die Zü­ge an die be­lieb­ten Strän­de im Wes­ten des Lan­des. Doch für Zehn­tau­sen­de Ur­lau­ber wur­de der Start in die Fe­ri­en am Sonn­tag zum Alp­traum, denn in Mont­par­nas­se ging nichts mehr. Der Zug­ver­kehr an dem Bahn­hof, den in der Fe­ri­en­zeit täg­lich bis zu 400 000 Men­schen nut­zen, wur­de kom­plett ein­ge­stellt. Zwei Ta­ge dau­er­te es, bis die Staats­bahn SNCF den Feh­ler fand: ei­ne Pan­ne in der An­la­ge im Pa­ri­ser Vo­r­ort Van­ves-Ma­la­koff hat­te al­le Si­gna­le durch­ein­an­der­ge­bracht. Und das aus­ge­rech­net an dem Wo­che­n­en­de, wo tra­di­tio­nell Bet­ten­wech­sel ist in Frank­reich – die ei­nen rei­sen zu­rück, die an­de­ren rei­sen an.

„Ei­ne äu­ßerst sel­te­ne Pan­ne, die nichts mit dem Al­ter oder ei­nem War­tungs­feh­ler zu tun hat“, ver­si­cher­te die SNCF. Glau­ben kann das kaum je­mand, denn die Pro­ble­me der fran­zö­si­schen Bahn sind seit lan­gem be­kannt. Jac­ques Ra­pa­port, der schei­den­de Chef des Netz­be­trei­bers SNCF Re­seau, hat­te sie im ver­gan­ge­nen Jahr in ei­ner An­hö­rung vor dem Se­nat scho­nungs­los an­ge­spro­chen. „Wenn das Durch­schnitts­al­ter un­se­rer Glei­se bei 33 Jah­ren liegt, dann be­steht ein Ri­si­ko“, sag­te er zu dem ver­al­te­ten Schie­nen­netz, des­sen Auf­sicht er vier Jah­re lang hat­te. Dop­pelt so alt wie in Deutsch­land sei­en die Schie­nen, auf de­nen die fran­zö­si­schen Zü­ge fah­ren. In zwei Drit­tel der Stre­cken sei in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren über­haupt nicht in­ves­tiert wor­den. Wie alt die An­la­gen sind, zeigt ein Aus­tausch am Pa­ri­ser Ga­re de Lyon: dort wur­den im März Wei­chen still­ge­legt, die aus den 30er Jah­ren stamm­ten. Auch der Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung im Se­nat, Her­vé Mau­rey, äu­ßer­te sich be­sorgt. „Ei­ni­ge Ober­lei­tun­gen sind mehr als 80 Jah­re alt. Ich ha­be Fo­tos von völ­lig ver­rot­te­ten Schwel­len ge­se­hen“, sag­te das SNCF-Auf­sichts­rats­mit­glied der Zei­tung „Li­bé­ra­ti­on“. „Wenn das Ma­te­ri­al so ver­al­tet ist, dann kann mor­gen ein ähn­li­cher Un­fall wie in Bré­ti­gny pas­sie­ren“, warn­te er. In Bré­ti­gny-sur-Or­ge bei Pa­ris war am 12. Ju­li 2013 der In­ter­ci­ty Pa­ris-Li­mo­ges ent­gleist. Sie­ben Men­schen star­ben bei dem Un­fall, der auf ei­nen War­tungs­feh­ler zu­rück­ging. Die Gleis­wär­ter hat­ten Ris­se in ei­nem Gleis-Ver­bin­dungs­stück und lo­cke­re Schrau­ben nicht ent­deckt. Die SNCF ist seit Jah­ren ge­zwun­gen, ih­re Zü­ge auf 4 000 Ki­lo­me­tern des Schie­nen­net­zes lang­sa­mer fah­ren zu las­sen, da ihr Zu­stand so schlecht ist.

Zehn­tau­sen­de Rei­sen­de be­trof­fen

GE­DULD GE­FRAGT: Ein De­fekt in Van­ves-Ma­la­koff leg­te im Bahn­hof Mont­par­nas­se den Ver­kehr kom­plett lahm. Fo­to: dpa

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