Die Sprach-Bä­ren sind auf Wan­der­schaft

Som­mer­camp mit 45 Kin­der aus zehn Na­tio­nen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Susanne Roth

Die Bu­cken­berg­schu­le hat sich in ei­nen Zoo ver­wan­delt. An­ders kann es gar nicht sein, denn aus ei­nem der Klas­sen­zim­mer dringt Bä­ren­ge­brüll. Es ge­hört zu ei­nem Spiel, wie sich zeigt, nach­dem die Tür ge­öff­net ist. Die Bä­ren sind nicht echt, sie klin­gen nur so, weil Thea­ter­päd­ago­ge Se­bas­ti­an Schwarz die Kin­der sei­ner Grup­pe da­zu auf­ge­for­dert hat, sich in ein sol­ches Tier hin­ein zu den­ken.

Das tun ins­ge­samt 45 Kin­der beim Som­mer­camp des Ver­eins Gold­ader Bil­dung. Und da­für ha­ben sie ei­ne Vor­la­ge, das Buch „Der Bär, der nicht da war“von Oren La­vie, be­bil­dert von Wolf­gang Erl­bruch. Es ist ein Bär, der sich auf die Wan­der­schaft macht, um her­aus­zu­fin­den, wer er ist. Das könn­te auch die Ge­schich­te der Kin­der sein, die am ach­ten Som­mer­camp des Ver­eins teil­neh­men. Im über­tra­ge­nen Sinn, denn die Kin­der müs­sen sich kei­nen Weg durch ei­nen dich­ten Wald bah­nen, aber sie müs­sen sich in der deut­sche Spra­che zu­recht- fin­den. Spie­le­risch und von Fach­leu­ten an­ge­lei­tet steht dann vor al­lem auch das Deutsch­ler­nen an ers­ter Stel­le, wie Pro­jekt­ko­or­di­na­tor Hu­bert Thal­mann er­klärt. Vie­le der Kin­der stamm­ten aus bil­dungs­fer­nen Fa­mi­li­en, nicht we­ni­ge ha­ben ei­nen an­de­re Mut­ter­spra­che, weil sie in Deutsch­land ein­ge­wan­dert sind. „Wir ha­ben hier zehn ver­schie­de­ne Na­tio­nen“, sagt er.

Cam­plei­te­rin Ul­li Ger­weck nickt. Sie muss dann aber wei­te­rei­len, denn die Ca­te­rer brin­gen ge­ra­de das Mit­tag­es­sen. Das ge­hört drei Wo­chen lang auch da­zu, dass die acht- bis zwölf­jäh­ri­gen Kin­der aus Pforz­heim und dem Enz­kreis nicht nur die Spra­che ler­nen und ein Thea­ter­stück mit dem Bär als Mit­tel­punkt ein­üben (sie­he Info), son­dern auch drei ge­sun­de Mahl­zei­ten über den Tag ver­teilt zu­sam­men ein­neh­men. „Das ist ri­tua­li­siert“, er­klärt Ul­li Ger­weck. „Der Haupt­gang wird an­ge­lie­fert, an­sons­ten ha­ben wir auch zehn El­tern, die in der Kü­che hel­fen“, sagt Hu­bert Thal­mann. Es wird Wert ge­legt auf ge­sun­de Er­näh­rung: „über­wie­gend ve­ge­ta­risch.“

Der Ver­ein mit dem Bil­dungs­auf­trag be­rei­tet sich ge­ne­ral­stabs­mä­ßig auf das

Gold­ader Bil­dung setzt wie­der auf Lern­spaß

Camp vor. Im Vor­feld wird ei­ne Schu­le an­ge­mie­tet. Es gilt Fach­kräf­te zu fin­den – Deutsch­leh­rer, Thea­ter­päd­ago­gen, Frei­zeit­er­zie­her sind da­bei – und auch vier Prak­ti­kan­ten, dar­un­ter ein sy­ri­scher Leh­rer. Auch Kin­der mit Trau­ma kön­nen im Som­mer­camp be­treut wer­den. Es wird zu­dem viel Wert auf in­di­vi­dua­li­sier­tes Ler­nen ge­legt.

Zie­le sind, die Sprach­kennt­nis­se zu ver­tie­fen, Selbst­ver­trau­en auf­zu­bau­en be­zie­hungs­wei­se zu stär­ken, Te­am­work und To­le­ranz zu för­dern und na­tür­lich auch je­de Men­ge Spaß da­bei zu ha­ben. Da­für steht bei­spiels­wei­se auch ein Be­such in der Ma­rio­net­ten- und Fi­gu­renWerk­statt von Ra­pha­el Mür­le in Bröt­zin­gen auf dem Pro­gramm. Er wird den Gold­ader-Camp-Kin­dern ei­ne Son­der­vor­stel­lung ge­ben.

Bei den Schu­len ist das Camp be­kannt; der Ver­ein ko­ope­riert mit Schul­so­zi­al­ar­bei­tern und wird von der Stadt un­ter­stützt.

„Was ich be­son­ders toll fin­de“, fügt Ul­li Ger­weck noch hin­zu, „ist, dass die

VIE­LE BÄ­REN ha­ben sich um Thea­ter­päd­ago­ge Se­bas­ti­an Schwarz ver­sam­melt. Zum Ab­schluss des Som­mer­camps soll ein Thea­ter­stück auf­ge­führt wer­den. Fo­to: Roth

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