Mil­li­me­ter­ar­beit bis zum Mor­gen­grau­en

Pro­ben für die Schloss­licht­spie­le lau­fen in der Nacht auf Hoch­tou­ren / Mor­gen geht es los

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Gel­be und blaue Li­ni­en über­zie­hen die Schloss­fas­sa­de. Die St­ei­ne, die Sim­se, die Fens­ter: Al­les wird sicht­bar in die­ser Nacht, in der die Pro­ben für die Schloss­licht­spie­le auf Hoch­tou­ren lau­fen. Seit Ta­gen rü­cken je­den Tag mit Ein­bruch der Dun­kel­heit Vi­deo­tech­ni­ker an. Bis zum Mor­gen­grau­en jus­tie­ren sie die 24 Pro­jek­to­ren: 170 Me­ter ist die Ge­bäu­de­front breit. Und je­der Strahl muss ex­akt sit­zen, da­mit ab dem mor­gi­gen Don­ners­tag die Shows rich­tig zur Gel­tung kom­men.

„Ich freue mich, wenn es los geht. Das ist schon ei­ne tol­le Sa­che“, sagt Jörg Milleck, der in die­ser Nacht mit sei­nem Lap­top ganz nah dran sitzt am Mau­er­werk. „Mit den Sei­ten bin ich noch nicht ganz zu­frie­den“, er­klärt der Pfäl­zer, der zum Team von Lang Me­dien­tech­nik ge­hört. Die­ses ist von An­fang an da­bei bei den Schloss­licht­spie­len. Jörg Milleck je­doch ist erst­mals ver­ant­wort­lich fürs Ein­jus­tie­ren.

Je­weils drei Pro­jek­to­ren ste­hen zu­sam­men, in tem­pe­rier­ten Bo­xen ge­sta­pelt, sie be­spie­len dann ge­mein­sam ei­ne Flä­che der Fas­sa­de. Al­le drei Licht­si­gna­le müs­sen dann ex­akt über­ein­an­der­lie­gen. Jörg Milleck schiebt Li­ni­en um­her, passt an – denn ein Strich ist noch nicht ex­akt ge­ra­de. Acht Bo­xen vol­ler Pro­jek­to­ren gibt es, in ent­spre­chend vie­le Flä­chen ist das Schloss ein­ge­teilt. Der Vi­deo­tech­ni­ker zieht ein paar Me­ter wei­ter. Ein Über­gang ist noch nicht per­fekt. Er zau­bert ein schwarz-wei­ßes Netz auf die Flä­che, De­tails wer­den kor­ri­giert. „Letzt­lich ist die Fas­sa­de ja nicht ganz ge­ra­de, aber die Bil­der müs­sen es spä­ter sein“, er­klärt Jörg Milleck.

Die Bil­der, die Shows, sie sind in­zwi­schen al­le da. Als letz­te kam die des is­rae­li­schen Künst­lers Ey­al Ge­ver an. Er gab sei­ne Ar­beit ei­nem ElAl-Pi­lo­ten mit, da­mit sie es noch recht­zei­tig nach Deutsch­land schafft und ein­ge­spielt wer­den kann. Auch sie ist nun schon bei der Pre­mie­re am Don­ners­tag zu se­hen. „Die Künst­ler ar­bei­ten mit ei­nem 2-D-Mo­dell. Und wir klap­pen das letzt­lich dann di­gi­tal um die Fas­sa­de her­um“, er­läu­tert Ben­ja­min Bros­ti­an von der AV Ac­tive Gm­bH. Der Ber­li­ner spielt auf der ge­sam­ten Welt Pro­jek­tio­nen ein, „Map­ping“nennt sich die­se Kunst­form. Bei den Schloss­licht­spie­len ist er von An­fang an da­bei. „2015 durf­te ich dann zum Auf­takt ei­nen ro­ten Knopf drü­cken“, er­in­nert er sich. Den gibt es in die­sem Jahr nicht. Per Maus­klick star­tet er mor­gen Abend das Pro­gramm. Bis da­hin wer­den dann al­le Ta­ge der Schloss­licht­spie­le pro­gram­miert sein. Ein Tas­ten­druck reicht – dann ge­hen die rich­ti­gen Shows los, die im­mer wie­der va­ri­ie­ren. Mal sind auch Pro­duk­tio­nen der Vor­jah­re zu se­hen, mal nur die sie­ben brand­neu­en Bei­trä­ge. Meh­re­re Rech­ner sind ge­schal­tet, da­mit Tech­nik, Bild und Ton per­fekt lau­fen. Die Abend­spiel­lei­tung liegt spä­ter bei Mit­ar­bei­tern von Crys­tal Sound. Der Ber­li­ner Ex­per­te und sein Team kön­nen sich bei Be­darf aber je­der­zeit zu­schal­ten, di­rekt ein­wäh­len in die Rech­ner. „Im ver­gan­ge­nen Jahr er­reich­te uns ein­mal ein No­t­ruf, da wa­ren wir ge­ra­de in Mos­kau im Ein­satz“, sagt Ben­ja­min Bros­ti­an. Viel tun muss­te er da­mals nicht, „es war nur ver­ges­sen wor­den, die Pro­jek­to­ren zu star­ten.“Oh­ne Pro­ble­me gin­gen die künst­le­risch vom ZKM ver­ant­wor­te­ten Schloss­licht­spie­le al­so los.

Und auf de­ren Neu­auf­la­ge freut sich der Ber­li­ner rich­tig. „Die Leu­te fei­ern das rich­tig ab. Es ist su­per schön zu se­hen, wie sie sich freu­en und al­les ge­nie­ßen, zum Teil mit Pick­nick­de­cken kom­men. Das ist echt et­was Be­son­de­res.“Und welt­weit ein­zig­ar­tig sei es, dass Shows auf ei­ner so gro­ßen Fas­sa­de über so ei­nen lan­gen Zei­t­raum lau­fen: „Das gibt es sonst wirk­lich nir­gends.“

GANZ NAH RAN an die Fas­sa­de geht Jörg Milleck. Er sorgt da­für, dass je­weils drei Pro­jek­to­ren auf ei­nem Ach­tel der Fas­sa­de ex­akt über­ein­an­der­lie­gen­de Li­ni­en wer­fen. Fo­tos: jo­do

DEN START­SCHUSS für die Schloss­licht­spie­le gibt mor­gen Abend per Maus­klick der Ber­li­ner Ben­ja­min Bros­ti­an. Er war schon 2015 und 2016 da­bei.

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