Auf Au­gen­hö­he mit der Ge­sell­schaft

Pe­ter Hauk sieht CDU zeit­ge­mäß auf­ge­stellt

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Karlsruhe. Die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne nann­te ihn einst „Tech­no­krat im Trach­ten­jan­ker“. Den trägt Pe­ter Hauk zwar nicht, als er am Tag des Ber­li­ner Die­selgip­fels der Re­dak­ti­ons­kon­fe­renz der BNN sei­ne Auf­war­tung macht. Wohl aber er­weist sich der Oden­wäl­der als be­schla­gen in vie­len ge­sell­schafts­po­li­ti­schen The­men au­ßer­halb sei­nes ei­gent­li­chen Ge­schäfts­be­reichs im Ka­bi­nett: In der grün-schwar­zen Lan­des­re­gie­rung leis­tet der 56 Jah­re al­te Di­plom-Forst­wirt als Agrar­mi­nis­ter sei­nen Bei­trag.

Sie­ben Wo­chen vor der Bun­des­tags­wahl dreht sich auch für Pe­ter Hauk vie­les um die Par­tei und ihr Ab­schnei­den. An­ge­la Mer­kel sei „ein­fach gut“, sagt Hauk, und die CDU fin­det er „ein­fach cool“. Folgt man ihm, dann liegt das maß­geb­lich dar­an, dass die Christ­de­mo­kra­ten mit den ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen Schritt hal­ten. „Das ist un­ser Er­folgs­ge­heim­nis“, sagt der Mi­nis­ter, der wäh­rend der zu­rück­lie­gen­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zeit­wei­se als Op­po­si­ti­ons­füh­rer im Land­tag wirk­te.

Zu­letzt ha­be die Uni­on beim The­ma der „Ehe für al­le“deut­lich ge­macht, dass sie die so­zia­le Wirk­lich­keit ernst neh­me. Ähn­lich ar­gu­men­tiert der Agrar­mi­nis­ter und Vor­sit­zen­de des CDU-Be­zirks Nord­ba­den auch mit Blick auf die Asyl­po­li­tik der Bun­des­kanz­le­rin: Die Uni­on las­se Men­schen nicht ein­fach hän­gen, wenn sie in Not sei­en. Um die durch die Mas­sen­mi­gra­ti­on nach Deutsch­land ent­stan­de­ne Aus­nah­me­si­tua­ti­on wie­der in den Griff zu be­kom­men, ha­be man die Asyl­ver­fah­ren be­schleu­nigt und die Si­cher­heits­ge­set­ze ver­schärft. Hauk ver­tei­digt die jüngs­te CDU-Kri­tik an der Karls­ru­her Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Ni­colet­te Kressl: Die­se ha­be nord­ba­di­sche In­ter­es­sen bei der Flücht­lings­ver­tei­lung ver­nach­läs­sigt. Bei der Ein­rich­tung neu­er Un­ter­künf­te in Hard­heim und Mann­heim ha­be die Prä­senz der Be­hör­de über­dies zu wün­schen üb­rig ge­las­sen.

Muss an­ge­sichts der für den Bun­des­tags­wahl­kampf er­for­der­li­chen Pro­fi­lie­run­gen nicht zwangs­läu­fig das Kli­ma in­ner­halb der grün-schwar­zen Ko­ali­ti­on auf Lan­des­ebe­ne lei­den? Pe­ter Hauk je­den­falls fin­det die Zu­sam­men­ar­beit der Bünd­nis­part­ner noch im­mer be­kömm­lich. Was auch dar­an lie­ge, dass die heu­ti­gen Grü­nen an­ders sei­en als die von frü­her. Bei The­men wie in­ne­rer Si­cher­heit oder Bil­dungs­po­li­tik spürt Hauk den Prag­ma­tis­mus von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann auch auf die grü­ne Land­tags­frak­ti­on durch­schla­gen. Un­term Strich funk­tio­nie­re das grün-schwar­ze Bünd­nis in Stutt­gart über­ra­schend gut, be­tont der Mi­nis­ter. „Die CDU wird in der Lan­des­po­li­tik wahr­ge­nom­men. Wir ge­hen nicht, wie man­che be­fürch­tet ha­ben,

Agrar­mi­nis­ter lobt grün-schwar­ze Ko­ali­ti­on

un­ter.“Auch beim ak­tu­el­len Die­selThe­ma ist für den Agrar­mi­nis­ter der prag­ma­tisch-mä­ßi­gen­de Ein­fluss des Re­gie­rungs­chefs zu spü­ren. Ihm schließt sich Hauk an, in­dem er Nach­rüs­tungs­S­tra­te­gi­en den Vor­zug gibt. Hauk ver­deut­licht die Si­tua­ti­on an­hand sei­nes mi­nis­te­ri­el­len Di­enst­wa­gens, ei­ner die­sel­be­trie­be­nen Ober­klas­se-Li­mou­si­ne aus In­gol­stadt: Von den Fe­in­stau­bE­mis­sio­nen die­ses Wa­gens kom­me le­dig­lich ein Vier­tel aus dem Aus­puff, die rest­li­chen drei Vier­tel stamm­ten von Brems­staub und Rei­fen-Abrieb. Kri­tisch wür­digt der Land­wirt­schafts­mi­nis­ter den Spruch des Stutt­gar­ter Ver­wal­tungs­ge­richts, das Fahr­ver­bo­te wahr­schein­lich macht. „Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat sich weit aus dem Fens­ter ge­lehnt, weil es In­stru­men­te in Be­tracht ge­zo­gen hat, für die es kei­ne recht­li­che Grund­la­ge gibt.“Kei­nen Zwei­fel lässt er an der Un­ge­heu­er­lich­keit von Ab­gas-Trick­se­rei­en auf Sei­ten der Au­to­bau­er. Die sei­en ab­so­lut in­ak­zep­ta­bel. Ge­setz­li­che Grund­la­gen – sie

Deut­li­che Ab­sa­ge an Fahr­ver­bo­te

feh­len nach An­sicht von Hauks Par­tei­und Ka­bi­netts­kol­le­gen im Jus­tiz­res­sort, Guido Wolf, mög­li­cher­wei­se auch für die Be­stra­fung von Gaf­fern, die Sui­zi­dKan­di­da­ten aus­drück­lich zum Selbst­mord auf­for­dern. „Ei­nen of­fen­kun­dig hilf­lo­sen Men­schen zum Sui­zid zu ani­mie­ren, rührt an den Gr­und­fes­ten des mensch­li­chen Wer­te­ver­ständ­nis­ses. Im Zwei­fel muss das auch straf­be­wehrt sein“, ist Hauk über­zeugt.

In sei­ner Funk­ti­on als Mi­nis­ter für den länd­li­chen Raum ver­steht sich Pe­ter Hauk auch als Sach­wal­ter für die Men­schen fern­ab der Groß­städ­te. Der dor­ti­ge Ärz­te­man­gel et­wa treibt ihn be­son­ders um. Um dem ge­gen­zu­steu­ern müss­ten et­wa Sti­pen­di­en für jun­ge Me­di­zi­ner in Er­wä­gung ge­zo­gen wer­den, die die Ärz­te an den länd­li­chen Raum bin­den, so ei­ne sei­ner Über­le­gun­gen.

GE­GEN DIE­SEL-FAHR­VER­BO­TE und für Nach­rüst-Re­ge­lun­gen po­si­tio­nier­te sich der Land­wirt­schafts­mi­nis­ter und CDU-Be­zirks­vor­sit­zen­de Pe­ter Hauk an­läss­lich ei­nes Re­dak­ti­ons­be­suchs bei den Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten. Fo­to: Ho­ra

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