„An­de­re spie­len Golf, ich ma­che eben das“

Die Un­ter­neh­me­rin Claudia Glä­ser ist seit kur­zem neue Prä­si­den­tin der IHK Nord­schwarz­wald

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ca­ro­lin Frey­tag

Pforz­heim/Horb. Claudia Glä­ser ist das, was Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten als Pa­ra­de­bei­spiel die­nen könn­te: ei­ne mo­der­ne, er­folg­rei­che Kar­rie­re­frau. Die 48-Jäh­ri­ge aus Horb führt dort ein Ma­schi­nen­bau-Un­ter­neh­men, en­ga­giert sich eh­ren­amt­lich, wird da­bei von ih­rem Mann un­ter­stützt und fin­det am Wo­che­n­en­de ge­nug Zeit für den Fa­mi­li­en­aus­flug zum Rei­ter­hof. Al­les scheint bei ihr un­ter ei­nen Hut zu pas­sen. Un­ter die­sen muss nun auch noch ihr neu­es Amt als Prä­si­den­tin der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Nord­schwarz­wald. „An­de­re ge­hen Golf spie­len, ich ma­che eben das. Wer in der Re­gi­on et­was ver­än­dern will, muss sich ein­brin­gen“, sagt Glä­ser mit über­zeug­tem Blick. In ih­re neue Rol­le als Re­prä­sen­tan­tin der Wirt­schafts­re­gi­on muss sie nun hin­ein­wach­sen. Ei­nen ent­schlos­se­nen Ein­druck macht die zier­li­che Frau mit dem blon­den Bob al­le­mal.

Mit Ein­brin­gen und En­ga­gie­ren kennt sich die Un­ter­neh­me­rin gut aus – nicht erst, seit sie in der Ge­schäfts­füh­rung der Glä­ser Gm­bH sitzt. „Ich bin in un­se­rem Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men qua­si auf­ge­wach­sen, ha­be viel mit­ge­kriegt. Mein Va­ter hat mich schon früh mit auf Mes­sen ge­nom­men.“Das ha­be sie im­mer be­geis­tert. „Er hat es ge­schafft, mir den Spaß an Tech­nik und Ma­schi­nen­bau zu ver­mit­teln.“Das will sie nun auch bei ih­ren bei­den 13 und 15 Jah­re al­ten Töch­tern so hal­ten.

Heu­te sorgt Glä­sers Un­ter­neh­men bei­spiels­wei­se da­für, dass Ein­zel­tei­le für Au­to­mo­to­ren rich­tig sau­ber ge­macht wer­den, be­vor zu­sam­men­ge­baut wird. Ihr Va­ter ha­be den Hy­drau­lik-Be­reich auf­ge­baut, sie küm­me­re sich ver­stärkt um das zwei­te Stand­bein: die „Tech­ni­sche Sau­ber­keit“. Schon früh sei ihr klar ge­we­sen, die 1976 ge­grün­de­te Fir­ma über­neh­men zu wol­len. Ihr Kar­rie­re­weg war dann nur kon­se­quent: Glä­ser mach­te nach dem Abitur ei­ne Aus­bil­dung zur In­dus­trie­me­cha­ni­ke­rin, stu­dier­te spä­ter Ma­schi­nen­bau in Horb. Ab 2002 teil­te sie sich die Ge­schäfts­füh­rung mit ih­rem Va­ter Jörg Glä­ser. Seit 2008 ist sie al­lei­ni­ge Che­fin der Gm­bH. Dass ei­ne Frau an der Spit­ze ei­nes tech­ni­schen Un­ter­neh­mens nicht der Nor­mal­fall ist, ist ihr be­wusst. Sie ha­be das Glück ge­habt, dass ihr Mann trotz sei­nes Gar­ten­bau­un­ter­neh­mens be­ruf­lich zu­rück­ste­cken konn­te – und woll­te. „Hin­ter je­der star­ken Frau steckt ein star­ker Mann, sagt er im­mer“, er­zählt Glä­ser und muss lä­cheln. Sie ge­steht aber auch ein: „Als Mann braucht man da­für schon ein star­kes Rück­grat.“Auch ih­rem Va­ter schreibt sie ei­nen gro­ßen Teil ih­res Er­folgs zu: „Er hat mir im­mer viel zu­ge­traut, ich durf­te auch mal Feh­ler ma­chen.“Nur so sei es über­haupt mög­lich, Nach­wuchs und po­ten­zi­el­le Nach­fol­ger zu för­dern. Das hat sie für ihr ei­ge­nes Da­sein als Che­fin mit­ge­nom­men: „Man muss sei­nen Mit­ar­bei­tern et­was zu­trau­en. So kön­nen sie an ih­ren Auf­ga­ben wach­sen.“

Frau­en rät sie, Chan­cen, die sich bie­ten, zu nut­zen. „Oft fehlt ih­nen lei­der der Mut“, sagt Glä­ser. Es ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel ge­tan. „Frau­en sind auf dem Vor­marsch. Sie ha­ben gu­te Abi­tur­no­ten, vie­le stu­die­ren.“Für MINT-Fä­cher müs­se man je­doch wei­ter wer­ben, fin­det die Un­ter­neh­me­rin. „Ein Groß­teil der Ge­schäfts­füh­rer hat ei­nen sol­chen Hin­ter­grund. Man ist sehr fle­xi­bel und das Stu­di­um ist al­les an­de­re als ein ver­staub­ter Pro­fes­sor hin­term Pult.“Wer in Ma­the und Phy­sik gut sei, schaf­fe auch ein MINTStu­di­um oh­ne gro­ße Pro­ble­me, ist sie über­zeugt. Den­noch: „In ei­ni­gen Branchen ha­ben es Frau­en tat­säch­lich noch im­mer nicht leicht.“

Für Glä­ser lief es je­den­falls gut mit der Kar­rie­re. Das hat auch das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­merkt und sie als „Vor­bild-Un­ter­neh­me­rin“aus­ge­zeich­net. Von 2010 bis 2016 war sie Vi­ze­prä­si­den­tin im Ver­band deut­scher Un­ter­neh­me­rin­nen. Oben­drauf gab es 2012 die Wirt­schafts­me­dail­le des Lan­des für die Hor­be­rin für ih­re Ver­diens­te um die hei­mi­sche Wirtschaft.

Ei­gent­lich bes­te Vor­aus­set­zun­gen für die kom­men­den acht Jah­re als IHK-Prä­si­den­tin. „Ich möch­te die Ver­net­zung der Un­ter­neh­men wei­ter vor­an­trei­ben“, nimmt sich Glä­ser vor. Die Her­aus­for­de­rung, dass sie nun „ver­schie­de­ne Be­find­lich­kei­ten un­ter ei­nen Hut brin­gen“muss, macht ihr nichts aus – im Ge­gen­teil. Dass sie weiß, wie so et­was geht, hat sie schon oft ge­nug be­wie­sen.

DIE RE­GI­ON NORD­SCHWARZ­WALD hat die neue IHK-Prä­si­den­tin Claudia Glä­ser künf­tig meist von Horb aus im Blick. Ein ei­ge­nes Bü­ro hat sie den­noch im Haupt­sitz der IHK Nord­schwarz­wald in Pforz­heim. Fo­to: Eh­mann

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