Ar­bei­ten hin­ken Plan hin­ter­her

Bau­stel­len das Bild in Mann­hei­mer Ci­ty / Kla­gen über Um­satz­ein­bu­ßen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Wolf H. Gold­sch­mitt

Mann­heim. Nicht nur in Karlsruhe prä­gen Bau­stel­len das Stadt­bild. Auch die Neu­ge­stal­tung der Mann­hei­mer Ein­kaufs­mei­le „Auf den Plan­ken“, ei­nes der am­bi­tio­nier­tes­ten öf­fent­li­chen Bau­pro­jek­te der Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Neckar, ent­wi­ckelt sich zum städ­te­bau­li­chen Fi­as­ko. Ge­mein­sam in­ves­tie­ren die drei Bau­her­ren Stadt, MVV Ener­gie und Rhein-Neckar-Ver­kehrs­ge­sell­schaft rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro für neue Pflas­ter­stei­ne, Mö­blie­rung, Gas­lei­tun­gen, Schie­nen oder bar­rie­re­freie Hal­te­stel­len. Die Fol­ge der miss­lun­ge­nen Pla­nung: an fast al­len Ecken und En­den mit­ten in der Ci­ty sind die ur­sprüng­li­chen Bau­vor­ga­ben längst Ma­ku­la­tur.

Die Ar­bei­ten hin­ken in­zwi­schen bis zu acht Wo­chen dem Soll hin­ter­her. Schon heu­te denkt der Ein­zel­han­del mit Grau­en an das be­vor­ste­hen­de Weih­nachts­ge­schäft, falls die Stra­ßen­bah­nen bis zum Start im No­vem­ber nicht wie­der in Be­trieb ge­hen. Da 46 000 Men­schen bis­her täg­lich auf den Plan­ken in die Bah­nen ein- und aus­stie­gen, sind die­se drei Hal­te­stel­len exis­ten­zi­ell für die ört­li­chen Un­ter­neh­men.

Gro­ße Ent­täu­schung schwingt des­halb mit in den Wor­ten des Schuh­händ­lers Alex­an­der Sep­pel an die Ver­ant­wort­li­chem im Rat­haus: „Gebt uns doch bit­te ein Hoff­nungs­zei­chen.“Sei­ne Sor­ge ist be­rech­tigt. Das ei­gent­lich an­ge­kün­dig­te Vor­ha­ben, mit der Sa­nie­rung im­mer Schritt für Schritt vor­zu­rü­cken, um den Ein­druck und die Unan­nehm­lich­kei­ten ei­ner Groß­bau­stel­le zu ver­hin­dern, hat sich in Luft auf­ge­löst. Statt­des­sen klafft auf ei­ner Län­ge von et­wa 500 Me­tern ei­ne Bau­schnei­se – nur durch ein paar schma­le Fuß­gän­ger­brü­cken zur Über­que­rung der Plan­ken un­ter­bro­chen. Shop­ping im Dau­er­lärm, ge­wis­ser­ma­ßen. Be­son­ders die Frei­luft­gas­tro­no­mie der Eis­die­len und Bä­cke­rei­en kann das Ge­schäfts­jahr wohl ab­ha­ken. „Ei­ne Ka­ta­stro­phe“lau­tet das ein­hel­li­ge Ur­teil der Be­trof­fe­nen. Der Krach, Schmutz und die kaum be­geh­ba­ren, über­füll­ten Bür­ger­stei­ge rechts und links der Bau­zäu­ne rei­ßen ein Loch von bis zu 50 Pro­zent in die Bi­lan­zen, heißt es. Mas­si­ve Um­satz­ein­bu­ßen hat bei­spiels­wei­se Micha­el Grim­min­ger, der drei Ge­schäf­te mit Ca­fé und Au­ßen­be­stuh­lung ent­lang der Lärm­mei­le be­sitzt. Nicht nur er ver­steht nicht, war­um die Bau­ar­bei­ter ge­gen 16 Uhr sprich­wört­lich den Ham­mer fal­len las­sen, ob­wohl der Zeit­druck im­mer stär­ker wird. Auch Ex­per­ten der Bran­che wun­dern sich, dass we­der am Wo­che­n­en­de noch bei Nacht ge­ar­bei­tet wird wie das in an­de­ren Groß­städ­ten an­ge­sichts des Pla­nungs­de­sas­ters üb­lich

Shop­ping im Dau­er­lärm Stadt lieb­äu­gelt mit Trost­pflas­tern

ist. Und Eis­kon­di­tor Da­rio Fon­ta­nella er­gänzt: „Die­se Art zu Bau­en ist un­sen­si­bel und schä­digt un­ser Ge­schäft.“

Von Bau­bür­ger­meis­ter Lothar Quast und Wirt­schafts­bür­ger­meis­ter Micha­el Grötsch kom­men bis­her aber nur Ent­schul­di­gun­gen. „Un­vor­her­seh­ba­re Pro­ble­me“, „Lie­fer­schwie­rig­kei­ten bei den Pflas­ter­stei­nen“und „un­er­war­te­te Bom­ben­son­die­run­gen“hät­ten den Zeit­plan durch­ein­an­der­ge­wir­belt. Die städ­ti­schen Ide­en ei­nes wei­te­ren ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­tags im Herbst und an­de­re Mar­ke­ting­ak­tio­nen wie ei­ne Lan­ge Ein­kaufs­nacht im De­zem­ber wer­den als Trost­pflas­ter ins Spiel ge­bracht. Vie­le Ge­schäfts­leu­te und An­woh­ner glau­ben in­zwi­schen nicht mehr dar­an, dass die Stadt Mann­heim dies­mal ihr Ver­spre­chen hal­ten kann.

RUND 30 MIL­LIO­NEN EU­RO wer­den „Auf den Plan­ken“in­ves­tiert. Fo­to: Gold­sch­mitt

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