Mit dem Fahr­rad auf den Spu­ren von Jus­ti­tia

Die Tour „Re­si­denz des Rechts“führt per Bi­ke durch die Fä­cher­stadt

Pforzheimer Kurier - - WAS - WANN - WO / WETTER - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bettina Repp­le

Karlsruhe. Wir star­ten zur Tour „Re­si­denz des Rechts“am Platz der Men­schen­rech­te, ein­ge­weiht 2015, vor dem Zen­trum für Kunst und Me­di­en (ZKM). Hier war einst ei­ne Mu­ni­ti­ons- und Waf­fen­fa­brik, in der im NS-Deutsch­land vie­le tau­send Zwangs­ar­bei­ter un­ter Miss­ach­tung der Men­schen­rech­te ein­ge­setzt wa­ren.

Von hier fah­ren wir zur Brau­er­stra­ße und schau­en uns die Bun­des­staats­an­walt­schaft an. Der Neu­bau von 1998 ist die obers­te Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de der BRD und Sitz des Ge­ne­ral­bun­des­an­walts. Wei­ter geht’s ent­lang der Brau­er­stra­ße bis zur Jol­ly­stra­ße, dann rechts in die Jol­ly­stra­ße, un­ter der Hirsch­brü­cke durch bis zur Karl­stra­ße links ab­bie­gen in die Karl­stra­ße.

Der Karl­stra­ße fol­gen wir bis zum Karls­tor an der Kriegs­stra­ße – dort ha­ben wir ei­nen schö­nen Blick auf das Pa­lais des Bun­des­ge­richts­hofs, das einst von Fried­rich II., dem letz­ten Groß­her­zog, be­wohnt wur­de. Der Bun­des­ge­richts­hof, auch letz­te In­stanz der zi­vi­len Ge­richts­bar­keit, hat auch ein ein­zig­ar­ti­ges rechts­his­to­ri­sches Mu­se­um auf dem Ge­län­de. Häu­fig war das Ge­län­de be­reits am Tag des of­fe­nen Denk­mals für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich.

Wir fol­gen der Her­ren­stra­ße und schau­en uns den ge­schütz­ten Haupt­ein­gang des Bun­des­ge­richts­hofs an, fol­gen wei­ter der Her­ren­stra­ße und fah­ren rechts in die Erb­prin­zen­stra­ße. An der Rit­ter­stra­ße fah­ren wir links zum Neu­en Stän­de­haus. Das al­te Stän­de­haus wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört, in den 1990er Jah­ren wur­de das neue Ge­bäu­de er­öff­net, das nicht nur die Stadt­bi­blio­thek, son­dern auch ei­ne Ge­denk­stät­te zum Ge­den­ken an das Par­la­ments­ge­bäu­de be­her­bergt, in dem das Par­la­ment ab 1822 nach der ers­ten Ba­di­schen Ver­fas­sung von 1818 ge­tagt hat.

Wir fah­ren über den Fried­richs­platz, wie­der auf die Erb­prin­zen­stra­ße, in die­sem Be­reich bis zur Lamm­stra­ße ei­ne rei­ne Fahr­rad­stra­ße, die nur für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer frei­ge­ge­ben ist und fol­gen der Erb­prin­zen­stra­ße bis zur Ver­fas­sungs­säu­le am Ron­dell­platz. Das Mo­nu­ment wur­de er­rich­tet zum Ge­den­ken an Groß­her­zog Karl, der die ers­te ba­di­sche Ver­fas­sung 1818 un­ter­zeich­net hat.

Von hier fah­ren wir links in die Kar­lF­ried­rich-Stra­ße und fol­gen ihr bis zum Markt­platz, an dem sich das Rat­haus be­fin­det. Wäh­rend der Ba­di­schen Re­vo­lu­ti­on ver­kün­de­te im April 1849 Lo­renz Bren­ta­no (Prä­si­dent der pro­vi­so­ri­schen re­vo­lu­tio­nä­ren ba­di­schen Re­gie­rung) vom Rat­haus­bal­kon die Re­pu­blik. Wei­ter geht’s über den Markt­platz in Rich­tung Schloss bis zum Platz der Grund­rech­te. Hier se­hen wir 24 Schil­der des Künst­lers Jo­chen Gerz mit ganz un­ter­schied­li­chen Aus­sa­gen von Men­schen aus der Be­völ­ke­rung über ihr Rechts­emp­fin­den.

Von hier fah­ren wir wei­ter Rich­tung Schloss, hal­ten uns links und kom­men zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Et­wa 6 000 Kla­gen ge­hen jähr­lich hier im höchs­ten Ge­richt zum Schutz der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Frei­heits­rech­te ein. Die­ser Bau des Ar­chi­tek­ten Paul Baum­gar­ten sym­bo­li­siert ei­ne Trans­pa­renz und Of­fen­heit an das Volk als Zei­chen, dass je­der an wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen teil­neh­men kann. Al­ler­dings ist es da­zu er­for­der­lich, sich vor­her an­zu­mel­den. Im Rah­men der Öf­fent­lich­keits­ar­beit fin­den hier wie auch im Bun­des­ge­richts­hof auch Füh­run­gen statt.

Wir ra­deln ent­lang des Ge­richts bis zur Staat­li­chen Kunst­hal­le, bie­gen rechts in die Hans-Tho­ma-Stra­ße bis zum Land­ge­richt und bie­gen links in die Aka­de­mie­stra­ße. Die­ser fol­gen wir bis zur Karl­stra­ße und ha­ben den Blick auf das Prinz-Max-Pa­lais, das einst von Prinz Max von Ba­den be­wohnt wur­de. Fährt man rechts in die Karl­stra­ße, dann links in die Ste­pha­ni­en­stra­ße und wie­der rechts die Se­mi­nar­stra­ße ent­lang, ge­langt man zur Bis­marck­stra­ße.

Hier wie­der links und der Bis­marck­stra­ße bis zur Rein­hold-Frank-Stra­ße fol­gen, die Rein­hold-Frank-Stra­ße über­que­ren und wei­ter in die Hoff­stra­ße zum Karls­ru­her Ober­lan­des­ge­richt, der Be­ru­fungs­in­stanz für Zi­vil- und Straf­sa­chen.

Von hier er­reicht man nach we­ni­gen Me­tern die Nörd­li­che Hilda­pro­me­na­de 1 mit dem Ver­wal­tungs­ge­richt, dem ehe­ma­li­gen Ba­di­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt be­fin­det sich in ei­nem Eck­ge­bäu­de im neo­ba­ro­cken Stil. Hier am Hayd­n­platz en­det un­se­re Tour „Re­si­denz des Rechts“.

AUF DER TOUR „RE­SI­DENZ DES RECHTS“geht es durch die Karls­ru­her In­nen­stadt. Auf dem Weg lie­gen auch die höchs­ten Ge­rich­te der Re­pu­blik, der Bun­des­ge­richts­hof und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Kar­te: Sch­laich

DAS BUN­DES­VER­FAS­SUNGS­GE­RICHT ist na­tür­lich Teil der Tour „Re­si­denz des Rechts“. Im höchs­ten deut­schen Ge­richt ge­hen jähr­lich et­wa 6 000 Kla­gen ein. Fo­to: Kel­ler

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