„Sieg­fried“in der Hit­ze

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Frank Cas­torf

Die Jagd nach dem ver­fluch­ten „Ring des Ni­be­lun­gen“geht wei­ter. Bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len hat am Di­ens­tag mit der Oper „Sieg­fried“der drit­te Teil von Richard Wa­g­ners mo­nu­men­ta­lem Werk Pre­mie­re ge­fei­ert. Es ist die Ge­schich­te von ei­nem jun­gen Hel­den, der das Fürch­ten nicht kennt – und furcht­los zeig­ten sich an­ge­sichts des tro­pi­schen Wet­ters auch Zu­schau­er und Künst­ler am bis­lang hei­ßes­ten Pre­mie­ren­tag der Sai­son 2017. 34 Grad zeigt das Ther­mo­me­ter, als die Fan­fa­ren­blä­ser das Pu­bli­kum zum ers­ten Akt ru­fen. Das Fest­spiel­haus ist nicht kli­ma­ti­siert, was die Auf­füh­run­gen nun doch auch in die­sem Jahr zur schweiß­trei­ben­den An­ge­le­gen­heit macht.

Wie schon im „Rhein­gold“und der „Wal­kü­re“prä­sen­tiert Re­gie-Pro­vo­ka­teur Frank Cas­torf (Fo­to: dpa) ein bun­tes Al­ler­lei an Ide­en und po­li­ti­schen An­spie­lun­gen, die nicht im­mer ganz schlüs­sig sind, aber bis­wei­len ganz lus­tig. Die Sze­ne­rie wech­selt zwi­schen ei­ner büh­nen­ho­hen Re­plik des Mount Rushmo­re – je­doch nicht mit vier in St­ein ge­mei­ßel­ten US-Prä­si­den­ten, son­dern mit den Köp­fen von Marx, Sta­lin, Le­nin und Mao – und ei­nem Ber­li­ner Alex­an­der­platz samt U-Bahn-Sta­ti­on und Post­amt. Die gi­gan­ti­sche Sze­ne­rie und zahl­rei­che Vi­deo­ein­spie­lun­gen len­ken lei­der ein­mal mehr zu sehr vom We­sent­li­chen – Mu­sik und Ge­sang – ab. Mi­me (Andre­as Con­rad) cam­piert in ei­nem Wohn­wa­gen, in dem er Sieg­fried (Ste­fan Vin­ke) auf­ge­zo­gen hat. Es ist ihm nicht ge­lun­gen, das zer­bro­che­ne Schwert Sieg­munds zu­sam­men­zu­schwei­ßen. Von Wan­de­rer Wo­tan (Tho­mas J. May­er) er­fährt Mi­me, dass da­zu nur in der La­ge ist, wer das Fürch­ten nicht kennt.

Ur­mut­ter Er­da wird er­neut hin­rei­ßend ge­sun­gen von Na­di­ne Weiss­mann. Mit der Be­geg­nung von Sieg­fried und Brünn­hil­de (Ca­the­ri­ne Fos­ter) kehrt nach viel Kla­mauk in den ers­ten zwei Ak­ten das Ge­fühl gro­ßer Oper zu­rück. Die er­neut star­ke Fos­ter singt Brünn­hil­des Er­we­ckungs-So­lo „Heil dir, Son­ne“durch­drin­gend und wür­de­voll. Di­ri­gent Ja­now­ski führt das Orches­ter zum ty­pi­schen Wa­gner-Bom­bast und zu­rück zu lei­sen, zar­ten Tö­nen. Der Pre­mie­ren­zy­klus des „Ring des Ni­be­lun­gen“en­det heu­te mit der „Göt­ter­däm­me­rung“. dpa

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