Cha­os beim FC Por­tus Pforz­heim

Sport­vor­stand und Ex-Trai­ner schmei­ßen hin / Na­gel sieht „Spiel­be­trieb ge­fähr­det“

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Se­bas­ti­an Kapp

war es schon im­mer, ob im Bröt­zin­ger Tal oder auf dem Holz­hof.“Vor dem CfR-Um­bruch ha­be er vie­le Kon­tak­te zu Spie­lern vom Holz­hof ge­habt, mit Se­bas­ti­an Rutz et­wa. „Wir wa­ren 13 Jah­re zu­sam­men in der Schu­le, er kommt aus dem sel­ben Dorf wie ich.“Nun al­ler­dings ha­be die Mann­schaft „nicht mehr viel da­mit zu tun, was sie mal war“. Den Neu­an­fang un­ter Trai­ner Adis Her­ceg ha­be der 29-Jäh­ri­ge in­ten­siv ver­folgt. „So ist halt die Bran­che, auch im Ama­teur­fuß­ball“, sagt di Gior­gio. „Wenn man den Um­bruch macht, dann muss man ihn auch rich­tig ma­chen.“

Ge­ra­de das stim­me ihn aber zu­ver­sicht­lich für die schwie­ri­ge Po­kal­auf­ga­be. „Wenn man sie als un­ter­klas­si­ge Mann­schaft schla­gen kann, dann in der Vor­be­rei­tungs­zeit, wo sie noch nicht ein­ge­spielt sind.“Er schät­ze die Chan­cen „50:50“ein, sagt di Gior­gio, kor­ri­giert dann: „51:49, der CfR ist ja schon Fa­vo­rit“.

An­ders­her­um hat auch CfR-Trai­ner Adis Her­ceg Re­spekt vor den ge­fähr­li­chen Frei­stö­ßen des Edel­tech­ni­kers, wie auch vor FCG-Tor­schüt­ze Patrick Röd­ling. „Von drei Chan­cen macht der zwei.“Den­noch ha­be man das Ziel, oh­ne Ge­gen­tor zu blei­ben.

Wohl nur auf der Bank ein Wie­der­se­hen mit ih­rem Ex­club fei­ern Ru­dy Var­gas-Mül­ler und Ad­van Ha­li­li – bei­de wa­ren im Som­mer aus Fried­rich­s­tal zum CfR ge­kom­men. „Sie ha­ben sich lei­der nicht so ent­wi­ckelt, wie wir uns das vor­ge­stellt ha­ben“, sagt Her­ceg. Beim Ver­bands­li­gis­ten wa­ren sie noch Stamm­spie­ler, beim CfR ka­men sie zu­min­dest in den Po­kal­spie­len noch nicht rich­tig zum Zu­ge. Ha­li­li brach­te es im­mer­hin noch auf ei­ne Ein­wechs­lung. „Sie müs­sen erst ein­mal da­mit zu­recht kom­men, dass sie jetzt Re­ser­vis­ten sind“, sagt Her­ceg. Auch des­halb ha­be man in den ver­gan­ge­nen Wo­chen re­agiert und auf der rech­ten Ver­tei­di­ger­po­si­ti­on noch ein­mal nach­ge­rüs­tet. Mit To­ni Sud­doth spielt nun ein US-ame­ri­ka­ni­scher U-20-Na­tio­nal­spie­ler auf Ha­li­lis Stamm­po­si­ti­on. „Dass der VfB Stutt­gart so ein Ta­lent ab­gibt, ist mir zwar rät­sel­haft“, er­klärt Her­ceg. „Aber da muss man na­tür­lich zu­grei­fen.“Die Chan­cen für Ha­li­li auf ei­nen Stamm­platz sind da­durch stark ge­sun­ken. „Er kann sich auch im Zen­trum be­wei­sen.“

Pforz­heim. Zwei Pau­ken­schlä­ge könn­ten den Pforz­hei­mer Fut­sal-Top-Club FC Por­tus aus dem Tritt brin­gen. Erst bit­tet Ex-Spie­ler­trai­ner Ge­or­gi Lo­vchev um die Auf­lö­sung sei­nes Ver­trags, nur 24 St­un­den spä­ter stellt ges­tern Sport­vor­stand Micha­el Na­gel sein Amt zur Ver­fü­gung. Man ge­he im Gu­ten be­to­nen Na­gel und der Ver­eins­vor­sit­zen­de Sven Vi­do­j­ko­vic ge­gen­über dem Ku­ri­er im­mer wie­der – und spa­ren zwi­schen die­sen Be­teue­run­gen nicht mit An­grif­fen.

„Bei uns herrscht das blan­ke Cha­os“, sagt Micha­el Na­gel. „Man ver­sucht nach au­ßen, sich wie der FC Bay­ern Mün­chen dar­zu­stel­len, ist aber in Wirk­lich­keit Wat­ten­scheid 09.“Ihm ha­be es zu­letzt an Un­ter­stüt­zung aus dem Vor­stand ge­fehlt. „Wenn man beim FC Bay­ern ist, dann kann man al­les de­le­gie­ren. Beim FC Por­tus muss man aber selbst an­pa­cken.“Zwei Auf­re­ger nann­te er ex­em­pla­risch für sei­ne Ent­schei­dung. Da sei­en zum ei­nen die For­ma­li­tä­ten mit den drei Neu­zu­gän­gen aus dem EU-Aus­land ge­we­sen. Na­tio­nal­spie­ler Ema­nu­el Mol­do­wea­nu (Ru­mä­ni­en), Ner­mi Ha­s­an­be­go­vic (Slo­we­ni­en) und El­vis Di­as da Luz (Por­tu­gal) hät­ten dem­nach noch nicht al­le nö­ti­gen For­mu­la­re für die An­mel­dung bei­sam­men, weil im Ver­ein „ge­schlam­pert“wur­de. „Ich se­he den Spiel­be­trieb ge­fähr­det“, warnt Na­gel.

Zum an­de­ren stö­re ihn auch der Um­gang mit Ex-Spie­ler­trai­ner Ge­or­gi Lo­vchev, der kurz zu­vor um Ver­trags­auf­lö­sung ge­be­ten hat­te. Of­fi­zi­el­ler Grund wa­ren die lan­gen Pen­del­zei­ten von sei­nem Wohn­ort Frank­furt nach Pforz­heim. „Das hat wohl 80 Pro­zent aus­ge­macht“, sagt Na­gel. Er ha­be aber den Ein­druck ge­habt, Lo­vchev sei auch vom Ver­eins­boss und In­te­rims­trai­ner Vi­do­j­ko­vic nicht mehr ge­wollt. „Er hat ei­nen ham­mer­mä­ßi­gen Job ge­macht“, be­tont Na­gel die Leis­tung des Hes­sen.

Vi­do­j­ko­vic kon­tert mit fast glei­cher Wort­wahl: „Er muss ver­ste­hen, dass wir nicht der FC Bay­ern sind. Er hat eher die­sen An­spruch“, sagt er über Na­gel. Zur Li­nie, kein zu­sätz­li­ches Geld in neue Spie­ler zu in­ves­tie­ren, ste­he Vi­do­j­ko­vic wei­ter. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat­te man sich als Job­ver­mitt­ler be­müht, um rei­ne Fut­sal­spie­ler an die Enz zu ho­len, die nicht wie Na­tio­nal­spie­ler Ti­mo di Gior­gio auch noch im Ver­eins­fuß­ball ak­tiv sind (sie­he links). Die Kri­tik an den Vor­stands­kol­le­gen kann Vi­do­j­ko­vic nicht ver­ste­hen: „Wenn er sei­nen Job rich­tig ma­chen wür­de, dann wä­ren die Spie­ler­päs­se längst da.“Schließ­lich sei es Na­gels Auf­ga­be ge­we­sen, die Mann­schaft zu­sam­men­zu­stel­len. Nun müs­se Er­satz für Na­gel ge­fun­den wer­den. Um die Zu­kunft sei­ner Neu­zu­gän­ge macht sich Vi­do­j­ko­vic al­ler­dings kei­ne Sor­gen. „Das se­hen wir, das krie­gen wir hin.“Ein neu­er Trai­ner steht noch nicht fest. Man prü­fe meh­re­re Op­tio­nen, sagt Vi­do­j­ko­vic, auch von ei­ner Spie­ler­trai­ner-Lö­sung ist die Re­de.

Fast schon in den Hin­ter­grund ge­rät da der Trai­nings­auf­takt heu­te Abend und das sport­li­che Ziel. „Wir wol­len süd­deut­scher Meis­ter wer­den“, sagt Vi­do­j­ko­vic. Das – und so­gar deut­scher Meis­ter – wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr Jahn Re­gens­burg mit ei­ner Mann­schaft vol­ler Bra­si­lia­ner. Dem hat in die­ser Sai­son der DFB ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben – es dür­fen nur noch drei Nicht-EUAus­län­der im Ka­der ste­hen. „Da macht man jetzt un­nö­tig ein Fass auf“, sagt der Por­tus-Boss. „Wir pro­fi­tie­ren letzt­end­lich al­le da­von, wenn das Ni­veau steigt.“Es sei zwar nicht klar, wie sich Re­gens­burg ent­wi­ckelt, al­ler­dings hat Lo­kal­ri­va­le TSV Weilim­dorf mit bos­ni­schen Spie­lern und Trai­nern auf­ge­rüs­tet. „Wir müs­sen ab­war­ten, wie stark die Li­ga wirk­lich ist.“

AB­GANG NUM­MER EINS beim FC Por­tus war Ge­or­gi Lo­vchev (links), Ex-Trai­ner und im­mer noch Spie­ler bei den Pforz­hei­mern. Die Pen­de­lei wur­de ihm zu viel – aber das war nicht der ein­zi­ge Grund. Fo­to: Rub­ner

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