Brei­te­res Spek­trum für die Leh­re

Agen­tur für Ar­beit in­for­miert über die La­ge auf dem Aus­bil­dungs­markt

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFTSREGION - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Pforz­heim. Auf dem Markt für Aus­bil­dungs­stel­len geht es der­zeit um den End­spurt. „Die La­ge ist sehr gut“, ur­teilt dar­über Mar­ti­na Leh­mann, Lei­te­rin der Agen­tur für Ar­beit Na­gol­dP­forz­heim. Die Un­ter­neh­men bö­ten noch mehr Lehr­plät­ze an als 2016. „Dies ist ein Zei­chen für den ho­hen Fach­kräf­te­be­darf“, sagt Leh­mann. Es müs­se al­les ge­tan wer­den, dass jun­ge Men­schen ent­spre­chend ih­rem Ta­lent Be­ru­fe er­grei­fen, die Fort­schritt und In­no­va­ti­on in den Be­trie­ben der Re­gi­on si­chern.

Be­son­ders jun­ge Frau­en will die Ar­beits­agen­tur durch ge­zielt so­ge­nann­te MINT-Be­ru­fe schmack­haft ma­chen. Tech­nisch-wis­sen­schaft­li­che Be­ru­fe wie Sys­te­m­elek­tro­ni­ker, In­for­ma­tik­kauf­mann, Mecha­tro­ni­ker oder Werk­zeug­me­cha­ni­ker er­re­gen bis­lang haupt­säch­lich bei jun­gen Män­nern In­ter­es­se. „Das Be­rufs­wahl­spek­trum muss al­so mit Hil­fe der Be­rufs­be­ra­tung er­wei­tert wer­den“, meint Leh­mann. Da­bei gel­te es, Ta­len­te zu ver­stär­ken, Schwä­chen her­aus­zu­ar­bei­ten und nicht ge­schlechts­spe­zi­fisch zu be­ra­ten.

Rund 60 Pro­zent der Be­wer­be­rin­nen um ei­ne Aus­bil­dung wähl­ten aus zehn Be­ru­fen aus. Die Top Drei sind: Ver­käu­fe­rin, me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te und Kauf­frau im Bü­ro­ma­nage­ment. Die Hälf­te al­ler Be­wer­ber ent­schei­det sich für ei­nen von zehn Be­ru­fen. Oben auf der Hit­lis­te ste­hen In­dus­trie­me­cha­ni­ker, Kfz-Mecha­ni­ker und Zer­spa­nungs­me­cha­ni­ker.

Agen­tur­che­fin Leh­mann er­läu­ter­te zu­sam­men mit dem Team­lei­ter der Be­rufs­be­ra­tung, Wer­ner Ei­tel, den Aus­bil­dungs­stel­len­markt. Rund 1 600 jun­ge Men­schen in Pforz­heim und Enz­kreis konn­ten bei der Be­rufs­be­ra­tung aus dem gan­zen Spek­trum von rund 350 Aus­bil­dungs­be­ru­fen wäh­len. Ih­nen stan­den zu­sam­men 1 681 ge­mel­de­te Aus­bil­dungs­stel­len ge­gen­über.

Un­ver­sorgt sind der­zeit noch im Enz­kreis 254 und in Pforz­heim 235 Ju­gend­li­che. Un­be­setz­te Aus­bil­dungs­stel­len gibt es im Enz­kreis noch 286 und in Pforz­heim 257. Die Zah­len stam­men laut Leh­mann von der ver­gan­ge­nen Wo­che. „Aber auf dem Aus­bil­dungs­stel­len­markt ist noch viel Be­we­gung.“Bei Stel­len wird ver­ges­sen, sie nach ei­ner Be­set­zung ab­zu­mel­den, oder ein Be­wer­ber hat Zu­sa­gen von meh­re­ren Be­trie­ben und setzt bei der Ent­schei­dung für ei­nen die an­de­ren Lehr­stel­len wie­der frei.

An­ge­sichts der Di­gi­ta­li­sie­rung und de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung wird sich die La­ge auf dem Aus­bil­dungs­stel­len­markt zu­spit­zen und der Be­darf an MINT-Be­ru­fen wei­ter stei­gen, ist Leh­man über­zeugt. Hemm­nis für ei­ne er­wei­ter­te Be­rufs­vor­stel­lung sei oft das El­tern­haus mit über­lie­fer­ten Vor­stel­lun­gen. Des­we­gen be­zieht die Ar­beits­agen­tur auch ge­zielt die El­tern in die Be­rufs­be­ra­tung mit ein, „weil die die Wei­chen stel­len“. Es gibt fer­ner An­ge­bo­te für Pro­jekt­ar­bei­ten im MINT-Be­reich, da­mit ge­ra­de jun­ge Frau­en da rein­schnup­pern kön­nen, in­ten­si­ver, als es et­wa beim Girl­sDay mög­lich ist. Leh­mann sieht bei Mäd­chen den größ­ten Hand­lungs­be­darf, weil das In­ter­es­se an MINT-Be­ru­fen seit Jah­ren bei elf Pro­zent An­teil sta­gniert. Nur bei tech­ni­schen Stu­di­en­gän­gen neh­me das In­ter­es­se zu.

Auch wer we­nig gu­te No­ten hat, soll mit­ge­nom­men wer­den. Hier kann laut Leh­mann ei­ne Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­rung von ei­nem hal­ben bis ein Jahr Dau­er hel­fen, sich ge­gen­sei­tig zu be­schnup­pern und den Be­wer­ber über neue Er­folgs­er­leb­nis­se zu mo­ti­vie­ren. Das Gan­ze kann in ei­ne nor­ma­le Leh­re mün­den. Auch päd­ago­gi­sche Hil­fe wäh­rend der Aus­bil­dung kann die Ar­beits­agen­tur or­ga­ni­sie­ren. „Da­mit kön­nen wir oft ver­hin­dern, dass Ju­gend­li­che ih­re Aus­bil­dung ab­bre­chen“, so Ei­tel. „Wir brau­chen ein­fach al­le“, se­kun­diert Leh­mann.

Auch die Aus­bil­dungs­mes­se „Be­ruf ak­tu­ell“hat laut Mar­ti­na Leh­mann „über­ra­schend gu­te Wir­kung“bei der Su­che nach ge­eig­ne­tem Nach­wuchs ge­zeigt: Fir­men be­ka­men 94 Azu­bis und 143 Prak­ti­kan­ten. Die meis­ten Sor­gen hat der­zeit das Hand­werk, ge­eig­ne­te Be­wer­ber zu fin­den: „Dort wird kör­per­li­che Ar­beit und ver­stärkt in­tel­lek­tu­el­le Fä­hig­kei­ten wie Elek­tro­nik oder Pro­gram­mie­ren ver­langt“, so die Agen­tur­che­fin.

DIE CHE­FIN der Ar­beits­agen­tur, Mar­ti­na Leh­mann, kam ges­tern ins Be­rufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum BIZ, wo Schul­ab­sol­ven­ten ei­ne Lehr­stel­le su­chen kön­nen. Fo­to: Pe­che

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