Mit Bau­ern­schläue ge­fes­selt

Mar­tin Wang­ler be­geis­tert als „Fi­de­li­us Wald­vo­gel“die Be­su­cher in Do­bel

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Die Idee ge­hört zum Ur­sprung des Frei­licht­thea­ters: Nach den Über­lie­fe­run­gen ist be­reits im sechs­ten Jahr­hun­dert vor Chris­tus der grie­chi­sche Tra­gö­di­en­dich­ter und Schau­spie­ler Thes­pis mit sei­nem Thea­ter­wa­gen über die Lan­de ge­zo­gen. Ganz in An­leh­nung an die­se Tra­di­ti­on ist der­zeit der Schau­spie­ler und Ka­ba­ret­tist Mar­tin Wang­ler als „Fi­de­li­us Wald­vo­gel“mit sei­nem zur mo­bi­len Büh­ne um­ge­bau­ten und bes­tens aus­ge­stat­te­ten ehe­ma­li­gen Forst­wa­gen un­ter­wegs, ge­zo­gen von sei­nem Eich­nerTrak­tor aus dem Jah­re 1968. Jüngs­te Sta­ti­on des rund zwei­stün­di­gen Ka­ba­rett-Pro­gramms mit dem Ti­tel „Nächs­te Aus­fahrt: Hei­mat“, war der Vor­platz beim Kur­haus in Do­bel.

Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Be­griff „Hei­mat“

Der Ur­schwarz­wäl­der Mar­tin Wang­ler, auch als Bernd Cle­mens aus der SWRSe­rie „Die Fal­lers“be­kannt, setzt sich in der Rol­le des Fi­de­li­us Wald­vo­gel in­ten­siv mit dem vie­le stra­pa­zier­ten Be­griff „Hei­mat“im ge­schärf­ten Blick auf den Schwarz­wald aus­ein­an­der. „Ho­i­mat isch für mi do, wo ma ver­stan­de wird, au wen ma nix sagt“, so sein Re­sü­mee. „Oh Schwarz­wald oh Hei­mat…“wird in ver­schie­de­nen Fa­cet­ten mu­si­ka­lisch prä­sen­tiert. Ein­drucks­voll re­flek­tiert der Künst­ler die The­men Hei­ma­ter­fah­run­gen, ver­gäng­li­che Hei­mat­be­grif­fe und Hei­mat­bil­der zwi­schen Fluch, Flucht und Se­gen.

Mit sei­nem bau­ern­schlau­en Blick fes­selt und un­ter­hält der Darstel­ler auf kri­tisch-hu­mor­vol­le Art und Wei­se sein Pu­bli­kum. Da­bei wird al­ler­dings auch phi­lo­so­phiert, dis­ku­tier­te, mu­si­ziert und so­gar de­gus­tiert. „A Stück Ho­i­mat isch au scho a Stück Schwarz­wäl­der Speck“, ge­ges­sen al­ler­dings auf ei­nem Brett­le, auf kei­nen Fall auf dem Tel­ler und oh­ne Ga­bel. Heut sei es lei­der völ­lig egal, wo das Schwein da­zu her­kom­me. Vie­le Tie­re ha­ben noch nie den Him­mel ge­se­hen, be­merkt Wang­ler kri­tisch, dem es auch schlecht wird, wenn er heu­te die vie­len „Fit-und-Fun-Hopp­ler“sieht. Im Mo­ment wer­den Men­schen bei uns hei­misch, die un­ter viel Elend, Krieg und Ver­trei­bung ge­lit­ten hät­ten, er­in­nert der Schau­spie­ler. Vie­le hät­ten wie­der ein Lä­cheln auf den Lip­pen. Schließ­lich sei es un­se­re ers­te Bür­ger­pflicht, die­sen Men­schen zu hel­fen. „Je­der Mensch braucht ein Platz, von dem er sa­gen kann, das ist mei­ner, das ist mei­ne Hei­mat, da bin ich zu­hau­se.“„Dass ihr al­le bei dem an­ge­kün­dig­ten Un­wet­ter au­ßer Haus geht, ihr seid wohl le­bens­mü­de?“, hat­te Mar­tin Wang­ler mit dem Blick auf die Ge­wit­ter­wol­ken sein Pu­bli­kum auf sei­ner Open-Air-Büh­ne be­grüßt. Dass man auf­grund des Ge­wit­ter­re­gens für den zwei­ten Teil des Abends ins Kur­haus aus­wei­chen muss­te, soll­te die Be­geis­te­rung nicht trü­ben. Gustl We­ber

DER SCHWARZ­WÄL­DER KA­BA­RET­TIST Mar­tin Wang­ler ist der­zeit mit sei­ner Open-AirKa­ba­rett-Büh­ne als „Fi­de­li­us Wald­vo­gel“auf Tour. Fo­to: We­ber

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.