„Es soll­te in Etap­pen ge­trun­ken wer­den“

Hit­ze­be­las­tung droht: Chef­arzt am Kli­ni­kum gibt Rat­schlä­ge / Blick auf Sport und Son­nen­ba­den

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Prof. E. Bles­sing

Karls­bad/Enz­kreis (rob). Es gab schon vie­le Hit­ze-Ta­ge in die­sem Jahr, und auch in die­ser Wo­che sind für die Re­gi­on drü­cken­de Wär­me und feucht­war­me, schwü­le Ta­ge an­ge­sagt. Ei­ne Be­las­tung für den Kör­per, weiß Pro­fes­sor Er­win Bles­sing (Fo­to: srh) vom Kli­ni­kum Karls­bad. Der Chef­arzt der In­ne­ren Medizin am SRH Kli­ni­kum gibt den Le­sern des Pforz­hei­mer Ku­ri­er Tipps und Tricks zum Um­gang mit der Hit­ze.

War­um hat der Kör­per Pro­ble­me mit der Hit­ze?

Bles­sing: Die Fol­gen der Hit­ze spü­ren wir vor al­lem in den Bei­nen. An ei­nem hei­ßen Tag schwel­len die Knö­chel an und die Bei­ne wer­den schwer. Vor al­lem bei Men­schen mit Ge­fäß­pro­ble­men stei­gen die Be­schwer­den. Un­güns­tig ist al­les, was die Ve­nen zu­sätz­lich er­wei­tert. Da­zu ge­hö­ren hei­ße Bä­der, aus­gie­bi­ges Bräu­nen in der Son­ne oder lan­ge Sau­na­gän­ge. Küh­lung ver­spricht Lin­de­rung, die Ve­nen zie­hen sich leicht zu­sam­men. Kal­te Wa­den- und Schen­kel­güs­se, küh­le Fuß­bä­der so­wie Was­ser­tre­ten sind ei­ne Wohl­tat. Auch küh­len­de Gels – vor­zugs­wei­se im Kühl­schrank zu­sätz­lich ab­ge­kühlt – und Hoch­la­gern der Bei­ne hel­fen ge­gen Schwel­lun­gen.

Wie ist es mit Ge­nuss­gif­ten?

Bles­sing: Al­ko­hol und Zi­ga­ret­ten be­las­ten die Ge­fä­ße in der hei­ßen Jah­res­zeit enorm. Bei­des wei­tet die­se noch mehr, das Blut ver­sackt, der Kreis­lauf lei­det. Auch wenn kal­te Ge­trän­ke bei Hit­ze vi­el­leicht kurz­zei­ti­ge Er­fri­schung brin­gen, so be­deu­ten sie doch letzt­lich zu­sätz­li­chen Ener­gie­auf­wand – denn kal­te Flüs­sig­kei­ten muss der Kör­per vor der Ver­dau­ung erst er­wär­men.

Was ist beim be­lieb­ten Bräu­nen in der Son­ne zu be­ach­ten?

Bles­sing: Mei­den Sie die Mit­tags­son­ne. Im Schat­ten hal­biert sich die UV-Be­las­tung für die Haut. Bes­ser ge­eig­net für ein Son­nen­bad sind der frü­he Mor­gen und der Spät­nach­mit­tag. Je nä­her das Ur­laubs­ziel dem Äqua­tor liegt, des­to in­ten­si­ver wer­den die Strah­len. Son­nen­creme mit dem rich­ti­gen Licht­schutz­fak­tor ge­hört im Ur­laub als auch beim Aus­flug an den Ba­de­see da­zu, Kopf­be­de­ckung und Son­nen­schutz­klei­dung eben­falls. Wich­tig da­bei ist, die Creme früh­zei­tig und groß­zü­gig auf­zu­tra­gen. Al­le zwei bis drei St­un­den soll­te man nach­cre­men, vor al­lem wenn man im Was­ser war. Wie bleibt man denn bei der schweiß­trei­ben­den Ar­beit „cool“?

Bles­sing: Da­mit der Mensch an hei­ßen Ta­gen auch am Ar­beits­platz fit und leis­tungs­fä­hig ist, spielt das rich­ti­ge Es­sen und Trin­ken ei­ne gro­ße Rol­le. Sa­la­te, Obst und Ge­mü­se lie­fern Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe in leicht ver­dau­li­cher Form. Schwe­re Mahl­zei­ten re­gen die Durch­blu­tung des Ver­dau­ungs­sys­tems an – zu­sätz­li­che Ar­beit für den Kör­per. Vor al­lem Flüs­sig­keit, vor­zugs­wei­se Mi­ne­ral­was­ser, ist bei Hit­ze be­son­ders wich­tig. Zwei, bes­ser drei Li­ter soll­te der Mensch zu sich neh­men. Das ver­hin­dert die De­hy­drie­rung des Kör­pers. Kopf­schmer­zen, Mü­dig­keit, Kon­zen­tra­ti­ons­man­gel und Re­ak­ti­ons­schwä­che kann durch die Auf­nah­me von ge­nü­gend Mi­ne­ral­stof­fen ver­hin­dert wer­den.

Kof­f­e­in und Hit­ze – geht das ei- gent­lich zu­sam­men?

Bles­sing: Nicht emp­feh­lens­wert ist der Ge­nuss von Kaf­fee oder Co­la, um den Kreis­lauf in Schwung zu brin­gen. Kof­f­e­in gibt dem Kör­per nur ei­nen kur­zen Ener­gie­stoß. Da­nach sackt der Kreis­lauf so­gar noch wei­ter ab als vor­her. Bes­ser ist, sich aus­ge­wo­gen zu er­näh­ren und hin und wie­der auf­zu­ste­hen so­wie sich zwi­schen­durch klei­ne Pau­sen zu gön­nen. Auch im Bü­ro gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten, sich zwi­schen­durch ab­zu­küh­len. Ein paar Sprit­zer Was­ser ins Ge­sicht und öf­ter mal Hän­de und Un­ter­ar­me un­ter den küh­len Strahl hal­ten.

Ein viel dis­ku­tier­tes The­ma ist Hit­ze und Sport. Wie soll­te man sich da ver­hal­ten?

Bles­sing: Auch wenn Sport den Kör­per fit hält, müs­sen die äu­ße­ren Be­din­gun­gen pas­sen. An­sons­ten droht schnell ei­ne Über­las­tung des Kör­pers. Grund­sätz­lich gilt: Bei gro­ßer Hit­ze über 30 Grad dür­fen wir den Kör­per nicht über­for­dern. Zwar müs­sen Ak­ti­ve nicht ganz auf Sport ver­zich­ten, aber sie soll­ten wich­ti­ge Punk­te be­ach­ten. Nicht nur für Sport­ler heißt es, bei Hit­ze dem Kör­per ge­nug Flüs­sig­keit zu­zu­füh­ren. Wich­tig da­bei ist, in Etap­pen zu trin­ken. Be­reits ei­ne St­un­de vorm Sport soll­ten wir Flüs­sig­keit zu uns neh­men, da­mit der Kör­per leis­tungs­fä­hig ist.

Wie sieht es in Sa­chen Ozon­be­las­tung aus?

Bles­sing: Für Aus­dau­er­sport­ler ist der Blick auf die Ozon­wer­te sehr wich­tig. Er­höh­te Ozon­wer­te und Schad­stoff­be­las­tun­gen in der Luft scha­den dem Kör­per und ver­min­dern die Leis­tungs­fä­hig­keit. Es ist sinn­voll, sei­ne Trai­nings­ein­heit auf den Mor­gen oder Abend zu le­gen. Leich­ter Aus­dau­er­sport wie Rad­fah­ren oder Wal­king sind auch bei er­höh­ten Tem­pe­ra­tu­ren mög­lich. Die idea­le Be­tä­ti­gung bei gro­ßer Hit­ze ist Schwim­men.

PUH, IST DAS HEISS! Schwü­le und Hit­ze be­las­ten den Kör­per – hier gilt es Ver­hal­tens­re­geln zu be­ach­ten, denn so man­che Ge­wohn­heit ist an hei­ßen Ta­gen nicht rat­sam. Fo­to: Kah­nert

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