Tan­zen­de Men­schen­trau­ben

Rain­hard Fend­rich beim Cal­wer Klos­ter­som­mer

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IM ENZKREIS -

„Geht’s no?“, ruft Rain­hard Fend­rich zwi­schen den Zu­ga­ben im­mer wie­der fra­gend in das Rund des Klos­ter­hofs, was mit lau­tem Ju­bel be­ant­wor­tet wird. Vie­le Men­schen ha­ben trotz un­be­stän­di­ger Wit­te­rung den Weg zum Klos­ter Hir­sau auf sich ge­nom­men, um den 61-jäh­ri­gen Wie­ner li­ve zu er­le­ben. Und sie ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, dass sie mit Rain­hard die Nacht durch­fei­ern wür­den. Sind zu Be­ginn des Kon­zer­tes noch fast al­le Stüh­le be­legt, ste­hen spä­ter im­mer mehr Men­schen. Man­che ha­ben sich zen­ti­me­ter­wei­se nach vor­ne ge­scho­ben und als tan­zen­de Men­schen­trau­ben links und rechts der Büh­ne ver­sam­melt. Als Rain­hard Fend­rich um 22.45 Uhr die Büh­ne end­gül­tig ver­lässt, hat er sa­ge und schrei­be sie­ben Lie­der als Zu­ga­be ge­spielt, und sich so­mit beim „wet­ter­fes­ten Pu­bli­kum“, das die un­re­gel­mä­ßi­gen Re­gen­güs­se mit stoi­scher Ru­he über sich er­ge­hen ließ, mit ei­ner „drit­ten Halb­zeit“be­dankt.

Be­reits in dem Mo­ment, als Fend­rich die Büh­ne be­tritt, sind al­le Bli­cke auf ihn und nicht mehr sor­gen­voll gen Him­mel ge­rich­tet. „Es le­be der Sport“sorgt di­rekt für Stim­mung im Klos­ter­hof und es wird klar, dass die­ses Kon­zert trotz der An­kün­di­gung als „Schwar­zo­der­weiß Tour 2017“nicht nur Lie­der aus dem gleich­na­mi­gen, neu­en Al­bum ent­hal­ten wird. Tat­säch­lich er­le­ben die Zu­hö­rer ei­ne bun­te Mi­schung aus Fend­richs mitt­ler­wei­le 36 Jah­re an­dau­ern­der Mu­si­ker­kar­rie­re, aus der 17 Stu­dio­al­ben mit fast 250 Songs her­vor­ge­gan­gen sind. An die­sem Abend dür­fen die gro­ßen Hits wie „Mid­life Cri­sis“oder das fre­ne­tisch ge­for­der­te „Ma­cho Ma­cho“nicht feh­len. Doch Rain­hard Fend­rich kann mehr. Sei­ne Tex­te ha­ben Tief­gang und be­die­nen vie­le emo­tio­na­le Fa­cet­ten. „Das Höchs­te der Ge­füh­le“ist ein Lied aus sei­nem ak­tu­el­len Al­bum. Und ge­nau wie in ei­nem sei­ner äl­tes­ten Lie­der aus dem Jah­re 1980, „Zwei­er­be­zie­hung“, er­in­nert er sich an sei­ne jun­gen Jah­re. Ei­ne be­lieb­te Fra­ge bei Jour­na­lis­ten sei im­mer, ob er sei­ne al­ten Lie­der über­haupt noch hö­ren kön­ne? „Wenn man sei­nen Be­ruf liebt, stellt sich die­se Fra­ge nicht“, sagt er und fügt schmun­zelnd hin­zu: „Ist auch bes­ser so. Beim Ein­schla­gen ei­nes Na­gels wür­de ich mich schwer ver­let­zen.“

Sein Lied „Die, die wan­dern“be­schäf­tigt sich ge­fühl­voll mit dem Schei­tern und sich wie­der Auf­rap­peln. „Ras­sis­mus ist kei­ne Meinung, son­dern ein Ver­bre­chen“, ruft Fend­rich von Ju­bel be­glei­tet und er­gänzt: „Ob ein Mensch gut oder schlecht ist, er­kennt man nicht an sei­ner Haut­far­be.“Dann folgt mit „Brü­der“ein Lied über sei­nen tür­ki­schen Freund aus Schul­ta­gen. Egal ob die bei­den Lie­bes­er­klä­run­gen an Ös­ter­reich „I am from Aus­tria“und „Für im­mer a Wie­ner“, kri­ti­sche Lie­der wie „Früh­ling in Ber­lin“und „Tan­go Kor­rup­ti“oder lo­cker leich­tes wie „Ma­li­bu“und „Blond“– an die­sem Abend ist für je­den et­was da­bei. Da lässt sich auch ver­schmer­zen, dass die Re­gen­schau­er im­mer ge­nau so lan­ge an­hal­ten, bis man es end­lich ge­schafft hat, den Re­gen­pon­cho über­zu­strei­fen. Ron Tee­ger

Wie­ner spielt sie­ben Zu­ga­ben

LIEBT SEI­NEN BE­RUF nach wie vor: Der Ös­ter­rei­cher Rain­hard Fend­rich sorg­te gleich mit „Es le­be der Sport“für Stim­mung im Klos­ter Hir­sau. Fo­to: Tee­ger

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