Ach, du di­ckes Ei!

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - DIRK NEUBAUER

Igit­ti­gitt! Das In­sek­ti­zid Fi­pro­nil, das sonst ge­gen Flö­he, Läu­se, Ze­cken, Scha­ben und Mil­ben (!) ein­ge­setzt wird, steckt in Mil­lio­nen Hüh­ne­r­ei­ern aus den Nie­der­lan­den und aus Nie­der­sach­sen – die auch in Ba­den-Würt­tem­berg ver­kauft wer­den. Der Ge­dan­ke dar­an ist ek­lig; ge­fähr­lich wer­den kann es aber auch, weil Fi­pro­nil in zu ho­her Do­sis im Kör­per auf­ge­nom­men gif­tig ist. Deutsch­land hat ei­nen Le­bens­mit­tel­skan­dal, der die Ver­brau­cher hef­tig ir­ri­tiert.

Was ist zu tun? Zu­nächst ein­mal hat der Köl­ner Rewe-Kon­zern schnell ge­han­delt und nach ei­ge­nen An­ga­ben al­le be­trof­fe­nen Eier aus sei­nen Rewe- und Pen­ny-Märk­ten ver­bannt. Dass an­de­re Ein­zel­händ­ler die­sem Bei­spiel noch nicht ge­folgt sind, ist zu­min­dest ein klei­ner Skan­dal. Denn es ist dem Ver­brau­cher schlicht­weg nicht zu­zu­mu­ten, dass er im Han­del ein Ei nach dem an­de­ren in die Hand nimmt und mit den auf­ge­druck­ten Co­des ab­gleicht.

Wer im Le­bens­mit­tel­por­tal des Bun­des­amts für Ver­brau­cher­schutz und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit – schon die­ser sper­ri­ge Na­me – nach­schaut, weil er sich Hil­fe bei der Co­de-Su­che ver­spricht, ist eher ver­wirrt. So kann das

nicht lau­fen. Das muss über­sicht­li­cher wer­den.

Doch es kommt noch schlim­mer. Denn be­kannt­lich wer­den Eier von der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie für et­li­che Pro­duk­te ver­wen­det. Eier in Nu­deln, in der Tief­kühl­piz­za, im Ku­chen – auch hier fühlt sich der Kon­su­ment reich­lich al­lein ge­las­sen. Und al­les pro­phy­lak­tisch weg­zu­schmei­ßen, oh­ne nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu ha­ben, das kann es auch nicht sein.

Für wen ist das In­sek­ti­zid über­haupt gif­tig? Ex­per­ten ra­ten drin­gend da­von ab, dass Kin­der die be­trof­fe­nen Eier es­sen. Nur: Bö­se (Über­ra­schungs-)Eier dürf­ten es auch für Er­wach­se­ne sein, wenn sie ei­ne gro­ße Men­ge da­von es­sen.

Fi­pro­nil in Ei­ern – das ist wahr­lich nicht der ers­te Le­bens­mit­tel­skan­dal in Deutsch­land und wird nicht der letz­te sein. Aber dar­aus lie­ße sich ler­nen: Im fö­de­ra­lis­ti­schen Deutsch­land muss es in sol­chen Fäl­len ei­ne ein­heit­li­che Sprach­re­ge­lung ge­ben. Ver­brau­cher­schüt­zer ha­ben schon recht, wenn sie wie­der ein­mal for­dern: „Ri­si­ko­be­wer­tung und Ri­si­ko­kom­mu­ni­ka­ti­on dür­fen nicht ge­trennt wer­den.“Sonst könn­te es bald wie­der hei­ßen: Ach, du di­ckes Ei!

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