Kal­ku­lier­ter Wahn­sinn

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MARIUS BÜ­CHER

Drei­mal die Zwei und sechs­mal die Null – die Zahl ist schnell zu Pa­pier ge­bracht. Un­gleich schwe­rer ist es sich aus­zu­ma­len, was die Sum­me von 222 Mil­lio­nen Eu­ro für die Fuß­ball-Welt oder gar „für un­se­re de­mo­kra­ti­sche Ord­nung“– um mit dem Frei­bur­ger Trai­ner Chris­ti­an Streich zu spre­chen – be­deu­tet.

Es be­darf je­den­falls viel Fan­ta­sie, um et­was zu fin­den, das sich Pa­ris Sain­tGer­main (PSG) mit der wahn­wit­zi­gen Sum­me nicht hät­te leis­ten kön­nen – vor­aus­ge­setzt Scheich Nas­ser al-Che­lai­fi wä­re der Sinn nicht nach bra­si­lia­ni­scher Ball­kunst à la Ney­mar ge­stan­den: Für den Su­per-Air­bus A380 oder das Lu­xusK­reuz­fahrt­schiff „Oa­sis of the Seas“hät­te er noch ein we­nig spa­ren müs­sen. Aber sonst? Die Di­ens­te al­ler Spie­ler und Trai­ner der Zwei­ten Bun­des­li­ga hät­te sich PSG ei­ne Sai­son lang si­chern kön­nen. Die Fran­zo­sen spie­len fi­nan­zi­ell mo­men­tan in ih­rer ei­ge­nen Li­ga – und die scheint Fi­nan­ci­al Fair­play nicht zu ken­nen. Oh­ne­hin drängt sich der Ver­dacht

auf, den gut be­tuch­ten Pa­ri­sern geht es gar nicht wirk­lich dar­um, ihr Team für Meis­ter­schaft und Cham­pi­ons Le­ague op­ti­mal auf­zu­stel­len. Den teu­ers­ten Spie­ler der Welt in den ei­ge­nen Rei­hen zu ha­ben, ist gut fürs Ego – und die Stär­kung der ei­ge­nen Mar­ke.

Tri­kot­ver­käu­fe, Wer­be-De­als, vol­les Sta­di­on – es könn­te gut sein, dass sich der Mega-Trans­fer für PSG zu­min­dest zum Groß­teil re­fi­nan­ziert und Jo­sé Mour­in­ho mit sei­ner ab­surd an­mu­ten­den Ein­schät­zung, Ney­mar sei doch gar nicht teu­er, ir­gend­wie so­gar recht be­hält. So­lan­ge der Fan mit­spielt und sein hart ver­dien­tes Geld wei­ter brav in Dau­er­kar­te, Sou­ve­nirs und Pay-TV-Abo in­ves­tiert, scheint kaum ei­ne fest­ge­schrie­be­ne Ab­lö­se­sum­me so as­tro­no­misch, dass sie nicht ir­gend­wann über­wie­sen wird. Viel­leicht wird aber auch so man­cher ein we­nig nach­denk­lich – so wie Chris­ti­an Streich. „Ich weiß nicht, wie es Leu­ten geht, die nichts ha­ben, wenn sie das le­sen“, sin­nier­te der SCF-Coach.

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