Streit um Fahr­ver­bo­te ebbt nicht ab

Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt setzt auch auf Ef­fek­te von Um­stiegs­prä­mi­en

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Sa­scha Mey­er

Berlin. Nach dem Die­selgip­fel kocht der Streit über schär­fe­re Maß­nah­men ge­gen dro­hen­de Fahr­ver­bo­te in gro­ßen Städ­ten wei­ter hoch. Um­welt­ver­bän­de und Op­po­si­ti­on kri­ti­sier­ten die von den deut­schen Au­to­bau­ern zu­ge­sag­ten Soft­ware-Ver­bes­se­run­gen bei 2,8 Mil­lio­nen zu­sätz­li­chen Au­tos als un­zu­rei­chend. Aus­län­di­sche An­bie­ter, die in Deutsch­land Fahr­zeu­ge ver­kau­fen, hal­ten sich da­zu wei­ter­hin be­deckt.

Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) ver­tei­dig­te die Plä­ne und setzt auch auf Ef­fek­te von „Um­stiegs­prä­mi­en“meh­re­rer Her­stel­ler. Er sei „ganz zu­ver­sicht­lich, dass wir mit die­sen Ent­schei­dun­gen Fahr­ver­bo­te ver­mei­den“, sag­te Do­brindt. So sei­en für al­le 28 Städ­te mit be­son­ders ho­her Luft­ver­schmut­zung ei­ge­ne Ana­ly­sen und Maß­nah­men zur Schad­stoff­re­du­zie­rung vor­ge­se­hen. Wich­tig sei­en ne­ben den Soft­ware-Up­dates auch die von Her­stel­lern zu­ge­sag­ten Um­stiegs­prä­mi­en für Be­sit­zer äl­te­rer Die­sel­mo­del­le, mach­te der Mi­nis­ter deut­lich. „Das wird erst in den nächs­ten Ta­gen auch rich­tig wahr­ge­nom­men wer­den, wenn die Au­to­mo­bil­un­ter­neh­men kon­kret die An­ge­bo­te be­kannt­ge­ben.“

Beim Die­selgip­fel hat­ten die deut­schen Her­stel­ler neue Ab­gas-Soft­ware für ins­ge­samt 5,3 Mil­lio­nen Au­tos zu­ge­sagt, um den Aus­stoß des Atem­gif­tes Stick­oxid zu ver­rin­gern. Dar­un­ter sind auch 2,5 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge von VW, für die nach dem Skan­dal um ma­ni­pu­lier­te Ab­gas­wer­te schon Nach­rüs­tun­gen an­ge­ord­net wur­den. Um­bau­ten am Mo­tor, die teu­rer wä­ren, lehn­te die Bran­che ab. Die Her­stel­ler wol­len au­ßer­dem den Kauf neu­er, sau­be­rer Au­tos mit Prä­mi­en an­kur­beln, die sie sel­ber zah­len.

Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Oli­ver Kri­scher kri­ti­sier­te, beim Die­selgip­fel ha­be die Au­to­in­dus­trie wie­der die Be­din­gun­gen dik­tiert, wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung „will­fäh­rig“Po­li­tik zu Las­ten von Ver­brau­chern und In­nen­stadt­be­woh­nern be­trei­be. Lin­ke-Ver­kehrs­po­li­ti­ker Her­bert Beh­rens sag­te, For­de­run­gen der In­dus­trie sei­en „fast eins zu eins durch­ge­setzt wor­den“. Fahr­ver­bo­te sei­en über­haupt nicht vom Tisch. SPD-Ver­brau­cher­ex­per­te Jo­han­nes Fech­ner nann­te die Zu­sa­gen der Bran­che „sehr dünn“. Die EU-Kom­mis­si­on äu­ßer­te sich zu­rück­hal­tend. „Wir be­grü­ßen die An­stren­gun­gen der deut­schen Re­gie­rung und der In­dus­trie, end­lich wie­der Ver­brau­cher­ver­trau­en her­zu­stel­len und das Ri­si­ko für die öf­fent­li­che Ge­sund­heit nach dem Au­to­ab­gas-Skan­dal zu min­dern“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. FDPChef Chris­ti­an Lind­ner sag­te: „Die deut­sche Po­li­tik hat den Die­sel zum Kli­ma­schutz ge­för­dert und vor den Ne­ben­wir­kun­gen die Au­gen ver­schlos­sen.“

DIE ZU­KUNFT DES DIESELS wird auch nach dem Ber­li­ner Gip­fel­tref­fen sehr un­ter­schied­lich be­ur­teilt. Fo­to: dpa

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