Kehrt­wen­de bei Al­di, Lidl & Co?

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Erich Rei­mann

Düsseldorf. Egal ob Al­di Nord, Al­di Süd oder Lidl: Deutsch­lands füh­ren­de Dis­coun­ter ge­ben der­zeit Mil­li­ar­den aus, um ih­re Lä­den schö­ner zu ma­chen. Wo frü­her küh­les Ne­on­licht und kar­ge Ein­rich­tung do­mi­nier­ten, sor­gen im­mer öf­ter gro­ße Glas­flä­chen, Re­ga­le in Hol­z­op­tik und ein wach­sen­des An­ge­bot an fri­schem Obst und Ge­mü­se für ei­ne un­ge­wohnt an­ge­neh­me Ein­kaufs­at­mo­sphä­re. Be­zah­len muss da­für am En­de der Kun­de. Des­halb fra­gen sich in­zwi­schen man­che Bran­chen­ken­ner: Ha­ben sich die Dis­coun­ter zu weit von ih­ren Wur­zeln ent­fernt?

Vor al­lem bei Lidl wächst in­zwi­schen of­fen­bar die Be­fürch­tung, das Auf­hüb­schen der Fi­lia­le zu über­trei­ben. Setz­te der Dis­coun­ter noch vor ei­nem Jahr auf ein in Ita­li­en er­prob­tes neu­es La­den­kon­zept mit ho­hen De­cken und gro­ßen Glas­flä­chen, so ru­dert der Chef der Schwarz-Grup­pe (Lidl, Kauf­land), Klaus Geh­rig, in­zwi­schen zu­rück. Lidl sei zu groß­zü­gig ge­we­sen. „Wenn ich

Fra­ge nach den Ul­tra-Bil­lig-Dis­coun­tern

zum Bei­spiel die­se gro­ßen Ein­gangs­hal­len in man­chen un­se­rer neu­en Märk­te se­he, das ist doch Platz­ver­schwen­dung“, kri­ti­sier­te er kürz­lich in ei­nem In­ter­view. Al­di Süd hat schon mehr als ein Vier­tel sei­ner 1 870 Fi­lia­len auf­ge­hüb­scht. Der Rest soll bis En­de 2019 fol­gen.

Tat­säch­lich ent­sprang die Be­geis­te­rung der Dis­coun­ter für ein at­trak­ti­ve­res Am­bi­en­te ja nicht ei­ner plötz­lich er­wach­ten Lie­be zu ed­lem De­sign. Sie war viel­mehr die Ant­wort auf ei­ne Kri­se. Vie­le Kun­den hat­ten ge­nug von der spar­ta­ni­schen Auf­ma­chung der Bil­lig­hei­mer und gin­gen im­mer öf­ter wie­der zum Ein­kau­fen in den Su­per­markt. Die Dis­coun­ter ver­lo­ren Markt­an­tei­le. Ei­ne Zeit lang sah es so aus, als wä­re ihr Sie­ges­zug be­en­det. Doch Al­di, Lidl und Co nah­men die Her­aus­for­de­rung an. Sie in­ves­tier­ten Mil­li­ar­den in die Mo­der­ni­sie­rung ih­rer Lä­den, be­müh­ten sich um at­trak­ti­ve An­ge­bo­te für jün­ge­re Kun­den und Al­di nahm so­gar im­mer mehr Mar­ken­ar­ti­kel in sein An­ge­bot auf. Mit Er­folg: La­gen die Dis­coun­ter 2016 beim Um­satz­wachs­tum noch deut­lich hin­ter den Su­per­märk­ten, so ha­ben Al­di, Lidl und Co nach An­ga­ben der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung 2017 wie­der die Na­se vorn. Fragt sich nur: Kann man des Gu­ten auch zu viel tun? Längst wird in der Bran­che dar­über dis­ku­tiert, ob nicht durch die Auf­wer­tung der Lä­den und der An­ge­bo­te bei Al­di und Lidl Platz ge­nug ent­stan­den ist für ei­nen neu­en Ul­tra-Hard-Dis­coun­ter, der preis­lich un­ter­halb der Markt­füh­rer an­ge­sie­delt wä­re.

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