Lauf­haus er­regt die Ge­mü­ter

Bor­dell im Ge­wer­be­ge­biet Nord­west­stadt zu­läs­sig – die ak­tu­el­len Pla­ka­te aber nicht

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kon­rad Stamm­schrö­er

Sie hän­gen et­was di­let­tan­tisch an La­ter­nen­mas­ten. Zehn, zwölf an der Zahl, Hö­he Kreu­zung Neu­reu­ter und Lan­dau­er Stra­ße. Sie wer­ben für ein Rot­lich­tE­ta­blis­se­ment schräg ge­gen­über, Daim­ler­stra­ße 12, im Ge­wer­be­ge­biet Nord­west­stadt. Sie tra­gen kei­nen ro­ten Auf­kle­ber des Bau­ord­nungs­am­tes. Rich­tig, sie sind nicht ge­neh­migt wor­den. Dies be­stä­tigt Bau­bür­ger­meis­ter Michael Obert auf BNN-An­fra­ge. „Wir wer­den auf den Ver­ant­wort­li­chen zu­ge­hen und auf das Ab­hän­gen drän­gen. Un­ter Um­stän­den wird auch ein Buß­geld fäl­lig“, so Obert. Ver­schwin­den die Pla­ka­te nicht, nimmt die Stadt sie ab. Er­satz­vor­nah­me nennt sich das. Die Ver­wal­tung sei auf sol­che Hin­wei­se aus der Bür­ger­schaft an­ge­wie­sen. Denn Ge­gen „wil­de Pla­ka­tie­re­rei“wür­den kei­ne Strei­fen raus­ge­schickt.

Seit Er­öff­nung des Lauf­hau­ses vor ei­ni­gen Wo­chen regt sich in Tei­len der An­woh­ner­schaft Un­mut. In sei­ner Nä­he lie­gen die Jo­han­nes Ke­p­ler Pri­vat­schu­len, ein In­doorSpiel­platz so­wie ei­ne Fuß­ball­hal­le. Wie kann man in ei­nem so klei­nen Ge­wer­be­ge­biet, in dem über­durch­schnitt­lich vie­le Men­schen woh­nen, ein Bor­dell ge­neh­mi­gen? Das fra­gen sich be­son­ders ei­ni­ge El­tern, die um das Wohl ih­rer Kin­der fürch­ten. Flugs wur­de ei­ne On­line-Pe­ti­ti­on ins Le­ben ge­ru­fen. Sie soll be­wir­ken, dass die Stadt den Wei­ter­be­trieb des Lauf­hau­ses Ero­s­park un­ter­bin­det.

In dem Ge­bäu­de war schon vor­her ein ent­spre­chen­des Eta­blis­se­ment an­ge­sie­delt. Obert ver­weist dar­auf, dass von den zu­stän­di­gen Be­hör­den be­reits 2011 die Bau­ge­neh­mi­gung für ein Bor­dell in die­sem Ge­wer­be­ge­biet er­teilt wur­de. „Es han­delt sich wie ge­sagt um ein Ge­wer­be­ge­biet. Und Bor­del­le sind in die­sem Are­al im Be­bau­ungs­plan nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen wor­den“, so Obert. In­so­fern han­de­le es sich um ei­ne zu­läs­si­ge Nut­zung, im jet­zi­gen Lauf­haus sieht er le­dig­lich ei­ne Re­no­va­ti­on des Alt­be­stan­des. Der Stadt sei­en die Hän­de ge­bun­den. „Es ist so­gar so, dass die Schu­le dort nur aus­nahms­wei­se ge­neh­migt wur­de“, er­gänzt der Bür­ger­meis­ter und zieht Ver­glei­che zur Schil­ler­schu­le in der In­nen­stadt: „Die liegt schon seit über 100 Jah­ren in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zum Rot­licht­be­reich.“

Eben­falls un­an­ge­nehm stößt ei­ni­gen An­woh­nern die Wer­bung auf Au­tos und An­hän­gern vor dem Ein­gang des Bor­dells auf. „Auch hier kön­nen wir nichts ma­chen, so­lan­ge die Wer­be­mit­tel am Ort der Leis­tung plat­ziert wer­den. Soll­ten sie al­ler­dings für län­ge­re Zeit ab­seits des Bor­dells po­si­tio­niert wer­den, ist das nicht er­laubt“, er­klärt Obert.

Pi­kan­ter­wei­se hän­gen ei­ni­ge Lauf­haus-Pla­ka­te an der Stra­ßen­kreu­zung der B 36 un­te­ro­der ober­halb von Kan­di­da­ten für die Bun­des­tags­wahl. Auch die­se tra­gen kei­ne ro­te Ge­neh­mi­gungs­pla­ket­te. Die Par­tei­en­wer­bung un­ter­liegt an­de­ren Ge­set­zen. Zwölf Wo­chen lang dür­fen die Par­tei­en im Wahl­kampf in­halt­lich wer­ben. Au­ßer­halb die­ser Frist sind nur Ver­an­stal­tun­gen zu be­wer­ben. Die­se Pla­ka­te un­ter­lie­gen dann den­sel­ben Re­geln wie an­de­re Hin­wei­se von Ver­an­stal­tern. Wenn Wer­be­mit­tel, wie zu Wahl­kampf­zei­ten im­mer öf­ter üb­lich, zer­stört wer­den, kann Straf­an­zei­ge ge­stellt wer­den. „Das bringt aber nichts. Da muss man den Tä­ter schon auf fri­scher Tat er­tap­pen“, weiß der FDP-Mann Obert.

VERSTOSS: Die­se Wer­bung ei­nes Rot­licht-Eta­blis­se­ments ist von der Stadt nicht ge­neh­migt wor­den. Fo­to: jo­do

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