Le­bens­werk vor Geld

Wla­di­mir Klitsch­ko steigt aus dem Ring und ver­zich­tet auf Mil­lio­nen-Ga­ge

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Ham­burg (dpa). 96 Ta­ge hat Wla­di­mir Klitsch­ko mit sich ge­kämpft, dann hör­te er auf sein Bauch­ge­fühl: Schluss, aus, vor­bei! Ei­ner der größ­ten Schwer­ge­wichts­bo­xer klet­tert für im­mer aus dem Ring. „Ich ha­be mir nach mei­nem letz­ten Kampf ge­gen Ant­ho­ny Jos­hua be­wusst ge­nü­gend Zeit zur Ent­schei­dungs­fin­dung ge­nom­men. Ich ha­be als Ama­teur und Pro­fi al­les er­reicht und kann jetzt ge­sund und zu­frie­den die span­nen­de Kar­rie­re nach der Kar­rie­re an­ge­hen“, teil­te der 41-Jäh­ri­ge ges­tern mit. Bei­fall er­hielt er da­für von sei­nem äl­te­ren Bru­der Vi­ta­li Klitsch­ko, ExWelt­meis­ter und jet­zi­ger Bür­ger­meis­ter von Kiew: „Wo­lod­ja hat ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen. Er schlägt ei­ne Sei­te um und schreibt ei­ne neue Ge­schich­te.“

Mehr als elf Jah­re war Klitsch­ko Cham­pi­on, erst­mals im Ok­to­ber 2000. Zwi­schen­zeit­lich be­herrsch­te er gleich drei der gro­ßen Welt­ver­bän­de (WBO, IBF, WBA). Neun­ein­halb Jah­re von April 2006 bis No­vem­ber 2015 war „Dr. Steel­ham­mer“, wie sein Kampf­na­me lau­te­te, un­un­ter­bro­chen der Re­gent in der Kö­nigs­klas­se des Bo­xens. Zwi­schen­durch ver­lor er den Ti­tel an den Süd­afri­ka­ner Cor­rie San­ders und den Bri­ten Ty­son Fu­ry. Klitsch­kos Zah­len: 69 Kämp­fe, 64 Sie­ge, 54 da­von vor­zei­tig, 29 WMKämp­fe. Ma­na­ger Bernd Bön­te: „Ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Welt­kar­rie­re.“Mit größ­tem Re­spekt re­agier­te Tho­mas Pütz, Prä­si­dent des Bun­des Deut­scher Be­rufs­bo­xer (BDB): „In sei­ner Zeit war Wla­di­mir für mich der Größ­te des Schwer­ge­wichts. Er ge­hört in ei­ne Rei­he mit Ali, Ty­son, Ho­ly­field und Le­wis.“Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Pe­tro Po­ro­schen­ko nann­te Klitsch­ko ein „Sym­bol des Sie­ges“, er ha­be Eh­re über das Land ge­bracht.

Seit Mo­na­ten war­te­te die Öf­fent­lich­keit nach der Nie­der­la­ge ge­gen den Bri­ten Jos­hua am 29. April auf ein po­si­ti­ves Si­gnal Klitsch­kos für ei­nen Rück­kampf. Das hoch­klas­si­ge Du­ell galt als ei­ner der bes­ten Schwer­ge­wichts­kämp­fe über­haupt. Jos­hua fleh­te ge­ra­de­zu, der Ukrai­ner mö­ge sich den ge­wal­ti­gen Geld­se­gen nicht ent­ge­hen las­sen. Min­des­tens 20 Mil­lio­nen Eu­ro wä­ren für je­den Bo­xer drin ge­we­sen. Doch Klitsch­ko pfeift auf die Mil­lio­nen. Der vor­wie­gend in Los Angeles, aber auch in Ham­burg und Kiew le­ben­de 1,98-Me­ter-Mann, hat ei­ne kla­re Prä­mis­se: Le­bens­werk und Re­pu­ta­ti­on ge­hen vor Geld. „Wenn die Mo­ti­va­ti­on nicht mehr da ist und er nicht mehr brennt für die Sa­che, dann ist Wla­di­mirs Ent­schei­dung fol­ge­rich­tig“, sag­te Bön­te.

Doch mit­un­ter hat Klitsch­ko auch pu­re Lan­ge­wei­le ab­ge­lie­fert, die haupt­säch­lich aus Klam­mern und Schie­ben be­stand. Es gab ei­ne Zeit, da hat­te das USFern­se­hen kein In­ter­es­se mehr an Kämp­fen des pro­mo­vier­ten Sport­wis­sen­schaft­lers. In Deutsch­land wa­ren die Auf­trit­te des Olym­pia­sie­gers von 1996 im­mer Stra­ßen­fe­ger. Nun will Klitsch­ko, der mit der US-Schau­spie­le­rin Hay­den Pa­net­tie­re ver­lobt ist und mit ihr ei­ne fast drei­jäh­ri­ge Toch­ter hat, als Vor­trags­rei­sen­der in Sa­chen Mo­ti­va­ti­on, als Be­ra­ter und PR-Mann für Fir­men beim di­gi­ta­len Wan­del ar­bei­ten.

AB­SCHIED AUS DEM RAM­PEN­LICHT: Wla­di­mir Klitsch­ko, mehr als elf Jah­re lang Box-Cham­pi­on, be­en­det sei­ne Kar­rie­re.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.