„Bes­ser frü­her als spä­ter mit Rol­la­tor“

Erst­mals elek­tri­scher An­trieb bei Ak­ti­ons­tag

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bet­ti­na Geb­hard

Ein Par­cours mit Ka­bel­brü­cke, Trep­pen­stu­fen und et­li­chen Leit­ke­geln, ein Bus der Süd­west­bus und et­li­che Rol­la­to­ren des Sa­ni­täts­haus Heintz stan­den am Don­ners­tag be­reit, um Pforz­hei­mer Se­nio­ren den si­che­ren Ge­brauch die­ser Geh­hil­fen zu de­mons­trie­ren und sie selbst aus­pro­bie­ren zu las­sen. Als klei­ne Sen­sa­ti­on konn­ten au­ßer­dem noch zwei Pro­to­ty­pen des ers­ten elek­tri­schen Rol­la­tors aus­pro­biert wer­den.

Der auf­ge­bau­te Par­cours wur­de zwar nur zö­ger­lich an­ge­nom­men. Doch die bei­den Mit­ar­bei­ter der Her­stel­ler­fir­ma El­lo aus Stuttgart hat­ten viel zu er­klä­ren, bei­spiels­wei­se war­um es aus ih­rer Sicht über­haupt ei­nen elek­tri­schen An­trieb an ei­nem Rol­la­tor braucht: „Man kann sich den Berg hin­auf­zie­hen las­sen und berg­ab wird au­to­ma­tisch ge­bremst, was be­son­ders hier in Pforz­heim in­ter­es­sant ist“, er­klär­te Alex­an­der Schütt­ler, der ge­ra­de sei­ne Ba­che­lor-Ar­beit plant und schon an ei­nem ein­hän­di­gen Ge­rät tüf­telt. Mit­be­grün­der des noch jun­gen Un­ter­neh­mens ist Ben­ja­min Ru­dolph. Er er­klär­te ei­nem in­ter­es­sier­ten Ehe­paar, das sich schon ein­mal vor­sorg­lich in­for­mie­ren woll­te, die Funk­tio­nen des bis­her knapp 2 500 Eu­ro teu­ren Rol­la­tors. Da­für wer­de auch so ei­ni­ges ge­bo­ten. Mit der ein­stell­ba­ren kon­stan­ten Ge­schwin­dig­keit kön­ne das Ge­rät in­di­vi­du­ell an­ge­passt wer­den. Ein ein­ge­bau­ter GPS-Sen­der er­mög­li­che das Auf­fin­den bei Dieb­stahl und ei­ne SOSFunk­ti­on alar­mie­re auf Knopf­druck ei­ne zu­vor ein­ge­spei­cher­te Per­son per SMS über je­des Han­dy. „So kann die Schwie­ger­toch­ter so­fort se­hen, wo sie hin­fah­ren muss.“Hu­pe und Licht sorg­ten für zu­sätz­li­che Si­cher­heit.

Un­ter den aus­ge­stell­ten Rol­la­to­ren von knapp 300 bis 1 000 Eu­ro war der elek­tri­sche Rol­la­tor na­tür­lich der Spit­zen­rei­ter. Aber er soll güns­ti­ger wer­den, so­bald hö­he­re Stück­zah­len pro­du­ziert wer­den, ver­si­cher­te Schütt­ler.

Wie man rich­tig in den Bus ein- und aus­steigt, er­klär­ten die bei­den Bus­fah­rer Har­ry Ha­gel und En­ri­co Hess. Man sol­le sich nicht scheu­en, ei­nen Mit­fah­ren­den we­gen des Fahr­kar­ten­kaufs zu bit­ten, wenn man hin­ten ein­ge­stie­gen ist und der Bus dann schon los­fährt, wenn der Rol­la­tor ge­ra­de erst an sei­nem Platz ist. Das sei nicht zu viel ver­langt.

Dass Rol­la­to­ren und an­de­re Geh­hil­fen im­mer noch ei­ne Stig­ma­ti­sie­rung be­deu­ten, be­klagt Pe­ter Lud­wig von der

„Geh­hil­fen brin­gen im­mer noch Stig­ma­ti­sie­rung“

Ver­kehrs­wacht. Oft wer­de zu spät und erst wenn es gar nicht mehr an­ders geht ein sol­ches Hilfs­mit­tel an­ge­schafft. Dann sei aber meist schon der Ak­ti­ons­ra­di­us und da­mit die Be­we­gung für den Be­trof­fe­nen stark ein­ge­schränkt. „Es ist sinn­vol­ler früh­zei­tig ei­nen Rol­la­tor zu be­nut­zen, so kann man sich da­mit ver­traut ma­chen und bleibt be­weg­lich und weit­ge­hend selbst­stän­dig..“

Au­ßer­dem sieht Lud­wig noch Ver­bes­se­rungs­be­darf bei der Si­cher­heit, denn vie­le Rol­la­to­ren sei­en nicht op­ti­mal ein­ge­stellt. Am bes­ten sol­le im Sa­ni­täts­haus ein War­tungs­in­ter­vall ver­ein­bart wer­den.

Jür­gen Mall vom Sa­ni­täts­haus Heintz sah das je­doch kri­tisch. Sol­che In­ter­val­le wür­den ver­ges­sen. „Wir sa­gen un­se­ren Kun­den, so­bald et­was nicht op­ti­mal läuft, sol­len sie vor­bei­kom­men.“

IL­SE KÄSTNER VOM KREIS­SE­NIO­REN­RAT tes­tet ei­nen der aus­ge­stell­ten Rol­la­to­ren auf dem Par­cours der Ver­kehrs­wacht, den Pe­ter Lud­wig (rechts) auf­ge­baut hat. Fo­to: Geb­hard

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