„Es gibt ei­nen Rück­gang bei der Selbst­hil­fe“

Pforz­hei­mer Feu­er­wehr zieht Bi­lanz / Die ers­te weib­li­che Füh­rungs­kraft / Bis­lang 1 104 Ein­sät­ze

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Die Be­kämp­fung von Brän­den macht in­zwi­schen nur ei­nen Bruch­teil der Auf­ga­ben der Feu­er­wehr aus. Die Prä­ven­ti­on von Brän­den und an­de­ren Er­eig­nis­sen, die die Feu­er­wehr auf den Plan ru­fen, wie Un­fäl­le oder die Fol­gen von Stark­re­gen rü­cken zu­neh­mend in den Vor­der­grund, wie aus der Halb­jah­res­bi­lanz von Kom­man­dant Se­bas­ti­an Fi­scher her­vor­geht.

Die Feu­er­wehr wer­de heu­te schon früh ein­ge­schal­tet, et­wa bei der Be­gut­ach­tung von Bau­vor­ha­ben, „wo der­zeit sehr viel läuft“. Da­ne­ben ge­be es viel In­for­ma­ti­on an der Ba­sis, wie et­wa Brand­schutz­be­ra­tung schon im Kin­der­gar­ten. Zur Prä­ven­ti­on kön­ne man aber auch er­gän­zen­de Auf­ga­ben der Feu­er­wehr zäh­len: Kri­sen­ma­nage­ment und Er­pro­bung der Ab­läu­fe im Ka­ta­stro­phen­fall. „Da­mit wir im Ernst­fall schnell re­agie­ren kön­nen“, sagt Fi­scher. Im Herbst soll da­für ein St­abs­raum in der Feu­er­wa­che ein­ge­rich­tet wer­den, von dem aus Ein­sät­ze in Fäl­len von Amok, Ter­ror, Hoch­was­ser oder an­de­ren Sze­na­ri­en mit vie­len Ver­letz­ten ko­or­di­niert wer­den kann. Von dort aus soll auch die Be­völ­ke­rung ver­stän­digt wer­den – über ei­ne Warn-App auf dem Smart­pho­ne oder klas­sisch mit Si­re­nen.

Ers­ter Bür­ger­meis­ter Dirk Bü­scher hob beim gest­ri­gen Pres­se­ge­spräch die um­fang­rei­che Ein­satz­be­reit­schaft und gro- ße Pro­fes­sio­na­li­tät der Pforz­hei­mer Be­rufs­feu­er­wehr her­vor. Seit kur­zem gibt es im dem 98 Mit­ar­bei­ter zäh­len­den Team auch ei­ne Frau auf Füh­rungs­ebe­ne, be­ton­te Kom­man­dant Fi­scher.

Mit dem Feu­er­wehr­be­darfs­plan für Pforz­heim, der 2018 auf den Tisch des Ge­mein­de­rats kom­men wird, ver­su­che man die Ver­tei­lung von Ein­satz­kräf­ten, auch aus den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren, das tech­ni­sche Ge­rät und die not­wen­di­gen Ge­bäu­de zu op­ti­mie­ren. Da­bei wer­de die Ent­wick­lung der Be­völ­ke­rung – auch in den ein­zel­nen Stadt­tei­len – so­wie bei den Ge­wer­be­ge­bie­ten ak­tua­li­siert. Neu­bau oder Er­wei­te­rung des Stütz­punkts in Würm ste­he et­wa auf dem Plan, wie auch die Zu­kunft der Haupt­feu­er­wa­che.

Gro­ßes Au­gen­merk hat Fi­scher auf die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr, die der­zeit rund 350 Mit­glie­der zählt. „Es ist ein sel­te­ner Fall, dass Eh­ren­amt­li­che kom­mu­na­le Pflicht­auf­ga­ben über­neh­men“, be­tont der Kom­man­dant. Die Ent­wick­lung in den nächs­ten zehn Jah­ren sieht Fi­scher durch­aus kri­tisch: Die Ju­gend­feu­er­wehr mit der­zeit 126 Mit­glie­dern die­ne zwar wei­ter als klas­si­sche Nach­wuchs­quel­le, aber durch Ver­kehrs­be­las­tun­gen wer­den die Aus­rück­zei­ten der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr im­mer län­ger. In Pforz­heim rü­cke die Be­rufs­feu­er­wehr bin­nen zehn Mi­nu­ten an und stel­le werk­tags auch die zwei­te Ein­heit. Doch nachts und an Wo­che­n­en­den müss­ten hier die Frei­wil­li­gen ran, die dann aber wei­te­re fünf Mi­nu­ten Zeit be­nö­ti­gen.

Die Ein­satz­zah­len sind in den Jah­ren seit 2005 kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen auf vor­aus­sicht­lich 2 208 in die­sem Jahr, so die Pro­gno­se aus den Halb­jah­res­zah­len. Im ers­ten Halb­jahr 2017 wa­ren es 1 104 Alar­mie­run­gen, fünf Pro­zent mehr als im Vor­jah­res­zeit­raum. 358 da­von stell­ten sich als Fehl­alar­me her­aus - et­wa die Hälf­te durch au­to­ma­ti­sche Brand­mel­de­an­la­gen. Aber auch der ver­stärk­te Ein­bau von Rauch­warn­mel­dern sorg­te für fal­schen Alarm, wenn et­wa das Es­sen in der Pfan­ne an­ge­brannt war und be­sorg­te Nach­barn die Feu­er­wehr alar­mier­ten.

Auf tat­säch­li­che Brän­de ent­fie­len 98 Ein­sät­ze. 87 da­von wa­ren Klein­brän­de, vier stell­ten sich als Groß­brän­de her­aus. Et­wa der Brand in ei­nem Dö­ne­rim­biss in der Fuß­gän­ger­zo­ne am vier­ten Ja­nu­ar, bei dem das fünf­stö­cki­ge Ge­bäu­de und zwei an­gren­zen­de Häu­ser vor­sorg­lich eva­ku­iert wur­den. Am 16. Ja­nu­ar brann­te ei­ne Ab­saug­an­la­ge ei­ner Fir­ma auf der Wil­fer­din­ger Hö­he, am 29. Ja­nu­ar ein Gar­ten­haus und am 30. Ja­nu­ar ei­ne ehe­ma­li­ge La­ckie­re­rei.

All­ge­mein führt Fi­scher die Zu­nah­me der Alar­mie­run­gen auf ei­nen Rück­gang von Selbst­hil­fe bei den Bür­gern zu­rück, die bei al­len mög­li­chen An­läs­sen das öf­fent­li­che Hil­fe­sys­tem alar­mier­ten. Aber auch mehr Sing­le­haus­hal­te oder der Kli­ma­wan­del spiel­ten da­bei ei­ne Rol­le.

DER BRAND IN EI­NEM DÖ­NER-IM­BISS IN DER FUSSGÄNGERZONE ge­hört zu den vier Groß­brän­den, die die Feu­er­wehr bis­lang in die­sem Jahr zu be­wäl­ti­gen hat­te. Ins­ge­samt gab es 98 Brand­be­kämp­fun­gen. Der Rest der Ein­sät­ze we­gen Un­wet­tern, Un­fäl­len und Fehl­alar­men ging um ei­ni­ges mehr zu­rück. Archivfoto: PK

KAUM EIN SCHWE­RER UN­FALL, bei dem nicht auch die Feu­er­wehr ge­fragt ist und um Men­schen­le­ben kämpft. Oft geht es da­bei auch um aus­ge­lau­fe­ne Flüs­sig­kei­ten wie Ben­zin. Archivfoto: Feu­er­wehr

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