An­lass zur Sor­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - THO­MAS GROSS

Wäh­rend sich Do­nald Trump un­ter dem Ju­bel sei­ner An­hän­ger noch brüs­tet, die „Russ­land-Ge­schich­te“sei ei­ne „to­ta­le Er­fin­dung“sei­ner Geg­ner, er­höht Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler mit der Ein­set­zung ei­ner Grand Ju­ry den Druck auf den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten. Of­fen­bar ver­fügt der frü­he­re FBI-Chef über ge­nü­gend Be­weis­ma­te­ri­al, ins­be­son­de­re über fi­nan­zi­el­le Ver­flech­tun­gen Trumps und sei­ner En­tou­ra­ge zu Russ­land. Und das könn­te für den 71-Jäh­ri­gen höchst un­an­ge­nehm wer­den, denn die­se dürf­ten wei­t­aus leich­ter zu be­wei­sen sein als die eben­so zahl­rei­chen wie wahl­lo­sen Kon­tak­te zwi­schen Trumps Team und rus­si­schen Re­gie­rungs­stel­len im Vor­feld der Wahl.

Falls die fi­nan­zi­el­len Be­zie­hun­gen al­so für ei­ne An­kla­ge rei­chen soll­ten, steht die Un­ab­hän­gig­keit des US-Prä­si­den­ten un­mit­tel­bar auf dem Spiel. Für Ver­dachts­mo­men­te hat Trump selbst ja ge­sorgt, in­dem er bis zum heu­ti­gen Tag sei­ne Steu­er­er­klä­rung nicht voll­um­fäng­lich

vor­ge­legt hat. Es liegt nun al­lein im Er­mes­sen der un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit ta­gen­den Grand Ju­ry, ob es zu ei­ner An­kla­ge ge­gen den US-Prä­si­den­ten kommt oder nicht. Un­ab­hän­gig vom Aus­gang be­deu­tet aber al­lein schon die Ein­set­zung der Ju­ry ei­nen wei­te­ren Ver­lust an Re­pu­ta­ti­on, auch wenn dies nur ein wei­te­res Mo­sa­ik­teil ist, das sich in das Ge­samt­bild über den Prä­si­den­ten fügt. Es drängt sich ge­ra­de­zu der Ver­dacht auf, dass es Trump letzt­lich um die Be­sei­ti­gung der in­ne­ren Ord­nung des ame­ri­ka­ni­schen Staats­we­sens geht.

Denn es ist ja nicht nur der von ihm pro­pa­gier­te Kampf ge­gen das von ihm ver­hass­te Es­ta­blish­ment, des­sen Kon­ven­tio­nen und In­sti­tu­tio­nen, son­dern auch und vor al­lem ge­gen das be­währ­te Sys­tem von „Checks und Ba­lan­ces“, der An­lass zur Sor­ge gibt. Trump treibt so nicht nur die Spal­tung der Na­ti­on wei­ter vor­an, son­dern zer­stört das Ver­trau­en in sei­ne Po­li­tik nach­hal­tig.

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